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„Das Unwort des Jahres“ wird Dienstagvormittag (15. Januar) bekannt gegeben. Aber wofür gibt es das eigentlich und was sagt es aus?

Jeder kann bis zum 31. Dezember schriftlich Unwortvorschläge an eine auserwählte Jury einsenden. Sie diskutiert im Anschluss die Einsendungen und wählt das Königswort der Unwörter. Jedes Jahr im Januar wird dann das „Unwort“ des vergangenen Jahres bekannt gegeben.

Eine Jury wertet alle Unwort-Einsendungen aus

Die Jury besteht aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten. Sie wird jährlich durch ein weiteres Mitglied aus dem Bereich des öffentlichen Kultur- und Medienbetriebes ergänzt.

Nach eigenen Aussagen verstehen sie sich als Vermittler öffentlichen Unbehagens an bestimmten Sprachgebrauchsweisen. Für das Jahr 2018 gingen etwa 900 Einsendungen mit mehr als 500 Vorschlägen ein.

Das „Unwort des Jahres“ 2018

„Anti-Abschiebe-Industrie“ ist das Unwort des Jahres 2018.

Immer wieder prägen bestimmte Wörter ein Jahr. Wörter die im negativen Sinne „missbraucht“ werden. Manchmal gedankenlos und manchmal mit nicht so guten Absichten. In dem „das Unwort des Jahres“ bekannt gegeben wird soll an diesem Gebrauch eine gewisse Kritik ausgeübt werden. Es wird zu mehr Verantwortung im sprachlichen Handeln aufgerufen.

Unwörter der vergangenen Jahre

2017 Alternative Fakten: Mit diesem Ausdruck werden Falschbehauptungen salonfähig gemacht und mit Tatsachenbehauptungen auf eine Stufe gehoben. In Deutschland wird „alternative Fakten“ auch zur Kritik an dieser Praxis genutzt – diese kritischen Stimmen sollen durch die Wahl des Unworts 2017 explizit unterstützt werden.

2016 Volksverräter: Volksverräter ist ein Unwort im Sinne unserer Kriterien, weil es ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten ist. Als Vorwurf gegenüber Politikern ist das Wort in einer Weise undifferenziert und diffamierend, dass ein solcher Sprachgebrauch das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft abwürgt.

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2015 Gutmensch: Als naiv-abwertend im Zuge der Debatte um Flüchtlinge verwendetes Wort, gelangte Gutmensch wiederholt in die Diskussion der Jury.  Hilfsbereitschaft und Toleranz werden mit diesem Wort diffamiert. Der Begriff verhindert durch seine fehlende Sachlichkeit eine demokratische, gewinnbringende Diskussion.

2014 Lügenpresse: Bei „Lügenpresse“ handelt es sich um einen nationalsozialistisch vorbelasteten Begriff, der im Zuge der Pegida-Bewegung gezielt Verwendung findet, dabei jedoch nicht vollständig reflektiert wird. Die Jury drückt mit der Wahl ihre Kritik an der Sprache dieser Bewegung aus. Dass Mediensprache eines kritischen Blicks bedarf und nicht alles, was in der Presse steht, auch wahr ist, steht außer Zweifel. Mit dem Ausdruck „Lügenpresse“ aber werden Medien pauschal diffamiert.

Quelle: Unwort des Jahres