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Das Weltwirtschaftsforum hat Deutschland im Jahr 2018 als das innovativste Land der Welt auserkoren. Ein Titel, auf den man durchaus stolz sein kann – doch was steckt dahinter? Denn gerade in Sachen technischen Produktideen hinkt Deutschland etwas hinterher.

In einer ausführlichen Analyse hat das Weltwirtschaftsforum die Wettbewerbsfähigkeit von 140 Ländern verglichen. Hierbei belegen die USA den ersten Platz. Doch wenn es um neue Ideen und Innovationen geht, liegt Deutschland laut dem Globalen Wettbewerbsbericht 2018 vor den USA und allen anderen Ländern. Hier sei die Bundesrepublik Spitzenreiter.

Wie viel Innovation steckt in der deutschen Wirtschaft?

Dem sind wir ein bisschen genauer auf die Spur gegangen. Wie viel Innovation steckt wirklich in der deutschen Wirtschaft? Und in welchen Bereichen hinkt das Land vielleicht doch etwas hinterher?

Bezahldienst Apple Pay startet in Deutschland
Bezahldienst Apple Pay startet in Deutschland Foto: Lino Mirgeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

Spätestens seit „Google Pay“ und dem in Deutschland frisch gestarteten „Apple Pay“ ist das bargeldlose Bezahlen auch hierzulande in aller Munde. Vergleicht man Deutschland auf diesem Gebiet jedoch mit Staaten wie den USA, China oder Großbritannien, lassen sich deutliche Entwicklungsrückstände erkennen.

Denn während „Apple Pay“ in den USA bereits seit vier Jahren von den Menschen genutzt wird, ist der iphone-Bezahldienst in Deutschland erst seit dem 11. Dezember verfügbar. Mit „Apple Pay“ kann man im Laden mit dem iPhone oder der Apple Watch wie mit einer Kreditkarte bezahlen.

London und Hong Kong mit eigenen Bezahlsystemen

Hierzulande funktioniert der Bezahldienst jedoch bisher nur mit Kredit- oder Debitkarten einiger Banken. Die Sparkasse sowie die Volksbank sind zunächst nicht mit an Bord – sie setzen auf eigene Bezahl-Apps.

In London oder Hong Kong hingegen nutzt man andere Bezahlsysteme zum Beispiel auch für Bahntickets. Mit der „Octopus-Card“ kann man in Hong Kong sogar nicht nur Nahverkehrs-Tickets kaufen, sondern auch kleine Beträge am Kiosk bezahlen – alles ohne Bargeld.

Bezahlen per Becher: Hier geht’s. Foto: dpa

Mit dem „Bezahlen per Becher“ geht man In London noch einen Schritt weiter: Der „Clever Cup“ der britischen Kette „Coffee Costa“ kostet 15 britische Pfund und über einen eingebauten NFC-Chip im Boden kann der Nutzer seinen Kaffee bargeldlos bezahlen. Dabei spart er sogar noch Geld, denn er bekommt jeden Kaffee 25 Pence günstiger.

Fahrten mit der London Underground bezahlen die Leute übrigens mit der „Oyster Card“. Das ist unkompliziert und außerdem auch noch billiger als einzelne Fahrscheine zu kaufen.

Und wo wir gerade schon beim Thema Nahverkehr sind: Auch hier gibt es Verbesserungsbedarf. Dafür muss meinen seinen Blick nur mal durch Europa wandern lassen. In Großstädten wie Paris oder London gibt es in den U-Bahnhöfen automatische Fahrkarten-Barrieren. Sie machen Kontrollen überflüssig und für die Tickets gelten Einheitspreise.

In Japan mit der Suica-Card die Zug-Fernreise bezahlen

In Japan geht man sogar noch einen Schritt weiter. Die „Super Urban Intelligent Card“ (Suica) ist für die Menschen in Tokio für sämtliche öffentliche Verkehrsmittel nutzbar.

Die Karte sucht die billigsten Konditionen und rechnet auch nur diese ab. Auch Fernreisen mit dem Zug sowie ein Einkauf am Kiosk lassen sich damit bezahlen. Für Deutsche scheinen solche Möglichkeiten noch in ferner Zukunft zu liegen.

Aktuelle Top-Themen:

Bleiben wir beim Thema Bezahlen. In Deutschland bieten Unternehmen wie Ikea oder Decathlon ihren Kunden an, ihre Ware an einer Scannerkasse zu bezahlen und auch selbst zu scannen. Das soll lange Schlangen an den Kassen verhindern. Doch es geht noch besser: In Schweden und den Niederlanden wird der Kunde schon während er durch den Markt läuft zum Kassierer.

Eine Mitarbeiterin kassiert in einer gestellten Szene am (28.02.2015) in einem IKEA Möbelmarkt in Köln (Nordrhein-Westfalen) an einer Selbstbedienungskasse Artikel ein. Foto: Henning Kaiser/dpa (zu lnw-KORR: „Selbstbedienung 2.0: Wenn der Kunde der Kassiererin Konkurrenz“ vom 04.03.2015) +++(c) dpa – Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Bevor der Kunde hier den Warenbereich eines Geschäfts betritt, bekommt er einen Scanner in der Größe eines EC-Kartenlesers. Damit kann er, während er die gewünschten Produkte auswählt, diese einscannen. Am Ende wird an einer speziellen Kasse bezahlt, ohne dass die Ware noch einmal ausgepackt werden muss.

In London verzichtet man ganz auf Kassen

In London sind Kassen teilweise gänzlich überflüssig geworden. In Ketten wie „M&S“ und „WH Smith“ scannt der Kunde zum Beispiel in den Filialen an Bahnhöfen seine Artikel selbst an einem Terminal ein und bezahlt sie per Karte.

Allein diese Beispiele zeigen, dass Deutschland in Sachen wirtschaftlicher Innovationen zwar einer der Spitzenreiter sein mag. Doch gerade, wenn es um praktische neue Ideen für den Alltag der Menschen geht, ist durchaus noch Luft nach oben da.

Wie wäre es zum Beispiel mit flächendeckendem WLAN in großen deutschen Städten? In vielen Städten im Ausland, wie in Helsinki oder Oslo, wird schnelles und kostenloses WLAN ganz selbstverständlich von den Menschen genutzt.