Bild: Stephanie Pilick/dpa

Glänzendes Metall auf den Zähnen oder bunte Plastikschienen mit Draht: Eine Zahnspange zu tragen ist nicht unbedingt ein Vergnügen – und kostet Geld. Es geht dabei oft um gerade, schöne Zähne. Aber ist die Behandlung auch medizinisch wichtig?

Zahnspangen und der regelmäßige Gang zum Kieferorthopäden sind für Millionen Familien Alltag. Doch ob das überhaupt medizinisch sinnvoll ist, konnte ein von der Bundesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten nicht ausreichend belegen.

„Kein patientenrelevanter Nutzen“ bewiesen

Das Berliner IGES-Institut (unabhängiges Forschungs- und Beratungsinstitut für Infrastruktur- und Gesundheitsfragen) hat verschiedene Studien ausgewertet und kommt zum Schluss: Es gibt „keinen Rückschluss auf einen patientenrelevanten Nutzen“ von kieferorthopädischen Behandlungen.

Das Ministerium von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will mit Beteiligten nun über „den weiteren Forschungsbedarf und Handlungsempfehlungen“ sprechen.

Trotzdem: Ein Sprecher von Spahn betonte am Donnerstag (3. Januar), dass das Ministerium nicht an der Notwendigkeit kieferorthopädischer Leistungen zweifle.

Dass Zahnspangen Probleme wie Karies, Parodontitis oder Zahnverlust verringern, könne zwar nicht belegt werden, sei aber der Untersuchung zufolge auch nicht ausgeschlossen. „Prinzipiell bewertet den Nutzen einer Therapie nicht der Gesetzgeber“, hieß es weiter.

Kieferorthopädie: Teure Behandlung

Kieferorthopädische Behandlungen kosten die gesetzlichen Krankenkassen viel Geld – 1,115 Milliarden Euro waren es 2017. Dem Gutachten zufolge stiegen die Kosten zuletzt von Jahr zu Jahr an, obwohl die wichtigste Zielgruppe – Kinder und Jugendliche von 10 bis 20 Jahren – kleiner werde.

Die verschiedenen Daten zu den Behandlungskosten seien aber nur eingeschränkt vergleichbar, heißt es in der Studie.

Eine kieferorthopädische Behandlung wird bis zum 18. Lebensjahr von den gesetzlichen Kassen übernommen, wenn Beißen, Kauen, Sprechen oder Atmen durch die Zahnstellung erheblich beeinträchtigt sind oder beeinträchtigt zu werden drohen. Ab dem 18. Lebensjahr zahlt die Krankenkasse nur bei schweren Kieferfehlstellungen.

Behandlung beginnt schon bei Vierjährigen

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) teilte am Donnerstag mit, er habe schon früher darauf hingewiesen, dass die Forschungslage „relativ dünn“ sei. Sie wollen den Nutzen von Kieferorthopädie prüfen lassen. Abhängig vom Ergebnis könnten dann gegebenenfalls die Leistungen angepasst werden.

Am Anfang der Behandlung steht meist der Zahnarzt, der feststellt, dass etwas nicht stimmt, und an den Kieferorthopäden überweist – zum Beispiel, wenn die falsch stehenden Zähne Probleme beim Sprechen machen.

Teils beginnt die Behandlung schon bei Vierjährigen. Eine aktive Behandlung dauert meist 1,5 Jahre, die Nachsorge gehöre aber auch dazu. Ungefähr jedes zweite Kind in Deutschland trägt einmal eine Zahnspange.

Für ästhetische Behandlungen sollen Patienten blechen

„Wir haben keine Untersuchung, die sagt, wenn du nicht behandelt wirst, dann kriegst du zu soundsoviel Prozent Kiefergelenksbeschwerden, kannst später nicht kauen, verlierst deine Zähne früher“, sagt Hans-Jürgen Köning, Vorsitzender des Berufsverbands der Deutschen Kieferorthopäden, der Deutschen Presse-Agentur.

„Es fehlen uns die unbehandelten Kontrollgruppen.“ Zahnpflege, regelmäßige Zahnarztbesuche und anderes wirke ebenfalls auf die Zähne ein.

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Ziel sei bei jedem Patienten ein gut funktionierendes Gebiss, erklärt Köning. Dann sei auch die Form in Ordnung, dann sehe es gut aus. „Die ästhetische Korrektur ist in der Kieferorthopädie einfach ein Nebenprodukt.“

Eine rein ästhetische Behandlung, etwa das Beseitigen einer Lücke zwischen Schneidezähnen, müsse ein Patient selbst zahlen. Daten dazu gebe es nicht.

Mit Material von der dpa