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Neues im Fall der Loveparade-Katastrophe von Duisburg: Ein Gutachter hat dem Landgericht Duisburg den letzten Teil seines Gutachtens vorgelegt. Seiner Meinung nach hätte das Unglück verhindert werden können.

Die Untersuchungen von Gerichtsgutachter Prof. Jürgen Gerlach haben neue Erkenntnisse hervorgebracht: „Im Rahmen des Planungs-, Genehmigungs- und Abnahmeprozesses gab es mehrere Anhaltspunkte, um die Nichteignung des Veranstaltungsgeländes für die erwarteten Besuchermengen feststellen zu können“, sagte Gerlach.

Koordinierte Steuerung der Besucher wäre nötig gewesen

Bedeutet: Das Gelände war für diese Menge an Besuchern kaum geeignet – und das hätte man merken können. Auch am Veranstaltungstag selber hätte man das Loveparade-Unglück nach Meinung des Gutachters noch verhindern können.

Notwendig wäre eine koordinierte Steuerung der Besucher gewesen. Für denkbar hält Gerlach etwa eine zeitweilige Schließung von Vorsperren und Vereinzelungsanlagen an den Einlasstellen. Auch ein verstärkter Einsatz von sogenannten Pushern, die die Besucher zum Weitergehen auffordern, hätte geholfen.

Unpassende Anordnung einer Polizeikette

Als direkte Ursachen für die tragischen Ereignisse nennt Gerlach zum einen eine nicht abgestimmte Öffnung der beiden Vereinzelungsanlagen wegen eines massiven Rückstaus. Zum anderen „eine unpassende Anordnung“ einer Polizeikette auf der Hauptzugangsrampe.

„Gleichwohl wäre es auch ohne Polizeiketten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer Menschenverdichtung im unteren Bereich der Rampe Ost gekommen“, so Gerlach.

Gutachten umfasst 3800 Seiten

Das komplette Gutachten zur Loveparade 2010 in Duisburg ist 3800 Seiten lang und wurde seit 2016 bearbeitet. Wann Gerlach das Gutachten in der Hauptverhandlung vorstellt, ist noch offen. Wie es im Loveparade-Prozess weiter geht, erfahrt ihr hier.