Bild: Marcel Kusch/dpa

In der Silvesternacht raste ein 50-jähriger Essener in Bottrop und Essen in mehrere Gruppen von ausländisch aussehenden Menschen. Er verletzte dabei acht Menschen, darunter auch Kinder. Eine Frau schwebte zeitweisen in Lebensgefahr. Der Kriminologe Hans-Dieter Schwind befürchtet: Solche Attacken werden sich fortsetzen.

„Es brodelt in den Leuten, und dann kommt es plötzlich zum Ausbruch“, sagte Schwind der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in der Donnerstagausgabe. „Das ist eine gefährliche Entwicklung. Ich habe einen solchen Fall schon viel früher erwartet.“

Schwind befürchtet weitere Angriffe

Schwind lehrt derzeit an der Ruhr-Universität Bochum und an der Uni Osnabrück. Für ihn ist klar: Solche Amokfahrten und zudem auch die Angriffe auf Flüchtlinsunterkünfte der vergangenen Monate seien die extreme Spitze einer allgemeinen Entwicklung, „und ich befürchte, dass sich dies fortsetzt“, so Schwind. „Die Willkommenskultur ist am Ende“, fügt er an.

Auch der Bielefelder Konflikt- und Gewaltforscher Andreas Zick äußerte sich zu dem rassistisch motivierten Anschlag. Laut Zick radikalisieren sich immer mehr Menschen aus der Mitte der Gesellschaft – Leute, die eigentlich keinen Bezug zu rechtsextremen Ideologien hatten.

„Diese Selbstermächtigung der Bürger besorgt mich sehr“

„Der Essener Täter war mit Sicherheit vorher im Internet unterwegs und hat sich zudem anstecken lassen von einer Bewegung, die meint, das Land werden überfremdet und die Politik habe die Kontrolle verloren“, sagte Zick der WAZ.

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„Es gibt eine wachsende Stimmung in der Bevölkerung, die von nationaler Identität spricht, von Widerstand und von Kontrolle, die man wieder in die eigene Hand nehmen müsse. Diese Selbstermächtigung der Bürger besorgt mich sehr.“ (Mit Material von der dpa)