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Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Und schon jetzt ist sich NRWs Innenminister Herbert Reul (CDU) sicher, dass es weniger Kriminalität gab, als in den Jahren zuvor. Doch das Gefühl vieler Bürger sagt was anderes – Angsträume bleiben bestehen.

Es sind die rückläufigen Zahlen der Kriminalitätsstatistik, die Innenminister Reul positiv stimmen. Zwar sieht auch er noch einige Herausforderungen, die es 2019 zu bewältigen gibt, zunächst einmal sehen die Zahlen für 2018 aber gut aus.

Wohnungseinbrüche gehen stark zurück

Vor allem Wohnungseinbrüche, Straßenkriminalität und Cyberkriminalität werden immer weniger. In der Zeit von Januar bis November 2018 gingen die Zalen im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum bei Wohnungseinbrüche um rund 23 Prozent zurück. So gab es 27 354 dokumentierte Fälle in dem genannten Zeitraum – das sind 8045 Fälle weniger als im Vorjahr.

Bei der Cyberkriminalität sieht es ähnlich aus. Hier gab es ein Minus von fast 20 Prozent. Im Bereich der Straßenkriminalität – genauer gesagt bei den Fällen von Straßenraub – gibt es einen Rückgang von immerhin 14 Prozent.

Aufklärungsrate sinkt

Auch in Dortmund gehen die Fälle von Wohnungseinbrüchen, Straßenraub und Cyberkriminalität zurück. Vergleicht man die November-Zahlen aus dem Jahr 2017 und 2018, gibt es deutlich weniger dokumentierte Fälle.

Was aber auffällt: Während die Kriminalität zurück geht, sinkt gleichzeitig auch die Aufklärungsraten – wenn auch nur dezent. So hat es 2017 beispielsweise laut Statistik 212 Wohnungseinbrüche in Dortmund gegeben. 2018 waren es nur noch 161. Dabei wurden 2017 aber noch gut 12,7 Prozent der Fälle aufgeklärt. 2018 waren es nur noch knapp 10,6 Prozent.

Dass das keine unbekannte Größe ist, lässt ein Rechenbeispiel beim GdP-Bundeskongress vermuten. Vorsitzender Oliver Malchow: In Deutschland wären 20 000 Polizisten zusätzlich nötig, um Massendelikte wie Kellereinbrüche, Fahrraddiebstähle oder Schmierereien vernünftig ahnden zu können. „Das geht nicht“, betonte Reul. NRW werde aber im kommenden Jahr mit 2500 neuen Kommissaranwärtern das Mögliche ausschöpfen.

Menschenhandel nimmt zu

Ganz anders dagegen die Zahlen in Bezug auf Menschenhandel. Ein heftiger Zuwachs von mehr als 40 Prozent taucht hier in den Statistiken auf. 152 Fälle wurden allein NRW registriert.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch Reul gegenüber der dpa äußert, dass es einige Herausforderungen gibt, die im kommenden Jahr bewältigt werden müssen. Neben einer wirksameren Terrorabwehr gehöre dazu auch der Kampf gegen die Clankriminalität. Das Treiben von rund 50 Clans in NRW besorge ihn „extrem“, so Reul gegenüber der dpa.

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Während gegen Einbrüche in Wohnungen und Autos auch technische Vorkehrungen geholfen hätten, waren es bei der Clankriminalität vor allem die vielen Razzien, die die Polizei in den letzten Wochen durchführte – Ein Anfang um gegen die kriminellen Strukturen vorzugehen.

Angriff auf den Rechtsstaat

„Sie [die Clans] erheben den Anspruch, zu bestimmen, was auf der Straße passiert. Das ist ein frontaler Angriff auf den Rechtsstaat“, beschrieb Reul das Problem der dpa. Schon Mitte der 80er Jahre seien viele nach NRW gekommen. Als sich dann im Laufe der Jahrzehnte kriminellen Strukturen gebildet hätten, habe der Staat nicht zugegriffen. Das sei ein Fehler gewesen, so Reul, der jetzt aufarbeitet wird.

In NRW werde nun eine Strategie der „1000 Nadelstiche“ gefahren. Gemeint sind Razzien in Shisha-Bars, Wettbüros, Spielhallen und einschlägigen Szene-Treffs. Reul: „Wir schaffen Unruhe und signalisieren: Ihr könnt nicht machen, was Ihr wollt.“

Angsträume bleiben bestehen

Doch die Clans, gegen die auch in Dortmund Razzien liefen, sind nicht das einzige Problem, das Reul sieht. Die Angst, die viele Bürger begleitet, wenn sie durch die Städte laufen, ist auch eines.

„Es gab und es gibt No-Go-Areas, wo sich Bürger nicht ‚rein trauen, weil sie Angst haben – manchmal ist das die Bahnunterführung abends. Wir versuchen, sie zu minimieren. Aber es gibt keine No-Go-Areas für Polizisten“, so Reul. Denn wenn sich die aus bestimmten Bereich heraushalten würde, würde das einer Kapitulation gleich kommen, so die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Und das, so die Gewerkschaft weiter, sei ausgeschlossen.

Mit Material von der dpa