Bild: Bund Dortmund

Zugepflasterte Beete oder Gärten voll Kies: In Dortmund ist das teilweise bereits verboten. Jetzt wollen weitere Städte in NRW nachziehen. So pflegeleicht, wie gedacht, sind Steingärten nämlich gar nicht.

Grün statt Grau ist die Devise – zumindest wenn es um die Vorgärten in den Städten geht. Denn jetzt geht die Debatte um Steingärten in NRW weiter. Was einigen als vermeintlich pflegeleicht gilt, wird von den Kommunen zunehmend kritisch betrachtet. Grund: Sie seien schädlich für das Mikroklima in den Städten.

Der Garten- und Landschaftsbauverband NRW (Galabau NRW) hat sogar erkannt: Die Bahntrassen sind mittlerweile grüner als so mancher Steingarten. „Früher war das Gleisbett einer Straßenbahn zumeist mit Schotter angefüllt oder mit Asphalt versiegelt. Seit einigen Jahren hat hier ein Umdenken stattgefunden“, teilt der Verband am Samstag (12. Januar) mit.

Studien hätten gezeigt: Regenwasser wird so besser im Boden gespeichert und verdunstet im Sommer. Die Folge: Die Luft kühlt sich merklich ab. Bei Schotterflächen sei das nicht der Fall. Die Steinflächen würden zudem den Verkehrslärm stärker reflektieren als bepflanzte Flächen.

Steingärten-Verbot hat viele Gründe

Das Problem liegt laut NABU darin, dass kleinere Grünflächen eine besondere Bedeutung für die Artenvielfalt und das Klima in der Stadt haben. Insekten und Vögel nutzen grüne Vorgärten als Trittsteine, auf ihrer Suche nach Nahrung und Nistplätzen. Vorgärten dienen ihnen also als kleiner Rastplatz, um von einem Ort zu anderen zu kommen.

Außerdem würden auch kleine Grünflächen einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die Luft in den Städten sauber und frisch bleibt. Kies- und Steinflächen heizen sich dagegen stärker auf.

Steingärten wurden bereits vor rund 250 Jahren in England angelegt. Mit vielen Steinen und Kies sollten sie Gebirgspflanzen als Lebensraum dienen. Die brauchen meist nur wenig Wasser.

Die Schotterflächen, die daraus mittlerweile geworden sind, gelten indes nicht mehr als echte Steingärten. Denn bepflanzt sind sie meistens nicht wirklich.

Das bekommen Stadtbewohner besonders im Sommer zu spüren, wenn sich auch nachts die Luft kaum abkühlt: Kies- und Steinflächen speichern Wärme besonders stark und strahlen sie nachts wieder ab.

Der Sommer 2018 war einer der wärmsten der Geschichte der Wetteraufzeichnung. Selbst noch im September herrschten teilweise über 25 Grad. Bei solchen Temperaturen werden die vielen Steinflächen zum zunehmenden Problem.

Städte diskutieren das Verbot der Steinwüsten

Auch deshalb nimmt die Stadt Dortmund seit Juni 2018 keine weiteren Steingärten in Bebauungspläne in Teilen von Hombruch und Wickede auf. Flachdächer müssen zudem begrünt werden, wenn sie neu gebaut werden oder in Hitzeinseln liegen.

Diskutiert wird ein Verbot von Steingärten nun auch in weiteren NRW-Kommunen. Im Kreis Gütersloh soll etwa eine „lebensfeindliche Umgebung“ verboten werden. Dann hätte sich das mit dem Kies-Beet im Garten erledigt.

Steingärten sollen in NRW künftig verboten werden. Das Verbot hat unterschiedliche Gründe. Foto: Bund Dortmund
Steingärten sollen in NRW künftig verboten werden. Das Verbot hat unterschiedliche Gründe. Foto: Bund Dortmund

Zuletzt wollten die Grünen in Dortmund durchsetzen, dass Vorgärten „standortgerecht bepflanzt“ werden. Die CDU wies das als Eingriff ins Privateigentum der Bürger zurück.

Auch in Kamp-Lintfort, Moers und Oberhausen sind ähnliche Anträge in den Stadträten gestellt worden. Sie alle haben das Ziel, diese von Umweltschützern als „Gärten des Grauen“ gescholtenen Ecken zu verbieten. Bestehende Gärten sollen davon meist ausgenommen sein.

„Gärten des Grauens“ auf Facebook

Welche Auswüchse der Trend zum Stein im Vorgarten treibt, kann man in der Gruppe „Gärten des Grauens“ sehen. Dort werden besonders eindrucksvolle Beispiele gezeigt, wie man Pflanzen aus dem Garten verbannt:

„Es sprießt an allen Ecken und Enden“

Der Bund Dortmund zeigte sich über den Erfolg bereits vor einigen Monaten erfreut. Gegner des Steine-Verbots argumentieren hingegen auch mit leichterer Pflege der Gärten. Klar: Rasenmähen und Heckenschneiden fällt weg.

Dem widerspricht Galabau NRW deutlich, und zitiert aus einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung. Demnach hielten viele Hausbesitzer einen Steingarten für pflegeleicht. Das sei ein Trugschluss – besonders im Herbst.

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Würde man etwa Laub zwischen den Steinen liegen lassen, bilde sich dort ebenfalls Humus. Darauf wachsen anschließend trotzdem Pflanzen. Sprich: Es sprießt trotz Steinen „an allen Ecken und Enden“, so der Galabau NRW. In einem bepflanzten Vorgarten seien zudem deutlich mehr Tiere zu finden.