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Gut 800 Menschen kamen am Sonntagabend ins Schauspielhaus nach Bochum, um den Auftritt von Satiriker und Europa-Politiker Martin Sonneborn zu sehen. Eine Frage aus dem Publikum sorgte für Lacher an diesem äußerst lustigen Abend.

Volle Hütte im Schauspielhaus und ein Publikum, dass das Bochumer Theater sonst nicht zu Gesicht bekommt: Menschen in Uniform mit Armbinden der Satire-Partei „Die Partei“, sehr viel junges Publikum, hier und da ein paar Punker.

Keine Frage, am Sonntag (6. Januar) herrscht eine besondere Atmosphäre in den heiligen Hallen des Bochumer Schauspielhauses.

Martin Sonneborn referiert rund zwei Stunden über den Aufstieg der Satire-Partei „Die Partei“, trinkt nebenbei genüsslich ein Fiege Pils aus der Flasche und pöbelt die Zuschauer in der „Kleinstadt Dings“ nicht selten von der Bühne an.

Sonneborn von Gast im Publikum überrascht

Was Sonneborn nicht zu wissen scheint – im Publikum sitzt der Bochumer Satire-Punker Wolfgang Wendland, der jüngst von der Parte „Die Linke“ in die SPD übertrat und im Foyer des Schauspielhauses Infomaterial seiner neuen politischen Heimat verteilte.

Wolfgang Wendland war auch mal Bürgermeisterkandidat in Bochum. Foto: dpa
Wolfgang Wendland war auch mal Bürgermeisterkandidat in Bochum. Foto: dpa

Als Sonneborn während seines satirischen Vortrags das Publikum zur Fragerunde auffordert, ergreift ein junger Zuschauer aus den vorderen Reihen die Initiative. Was Sonneborn denn zu führenden Politikern deutscher Spaßparteien sagen würde, die jetzt in „seriöse“ Parteien übergingen.

Gemeint ist natürlich „Wölfi“ Wendland, der einst auch Mitglied in der APPD (Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands) war, einer Kleinpartei, die in politischen Kreisen nicht ganz mit Ernst betrachtet wurde. Zuletzt kandidierte „Wölfi“ für „Die Partei“ für die Landtagswahl in NRW im Mai 2017.

Kein böses Wort über Wendland

Sonneborn reagiert souverän, weiß sofort, um wen es geht. Ja, den Wolfgang, den kenne er natürlich. Die Frage sei jetzt nicht, was Wölfi mit der SPD mache, sondern was die SPD mit ihm.

Sonneborn bezeichnet die SPD im Laufe des Abends immer wieder als „kaputte“ Partei, die sich in einem „lustigen Todeskampf“ befinde. Über „Wölfi“ verliert Sonneborn aber kein schlechtes Wort – Spaßpolitiker unter sich halt.

Nur so viel: Mit Wendland bekam „Die Partei“ in NRW eine Zustimmung von einem Prozent. „Er ist dann in SPD gewechselt, um sie auch auf einen Prozent zu bringen“, scherzt Sonneborn.

Dafür kommen Politiker wie Friedrich Merz (CDU) nicht ganz so gut weg. Einst im Satire-Magazin Titanic – in der Sonneborn Chefredakteur war –  als „Fotzen Fritz“ tituliert, fragt er sich in Bochum, warum Merz plötzlich wieder aus seiner Kiste gekommen sei.

„Freunde“ im Europaparlament

Und auch an seinen ganz besonderen Freunden aus dem Europaparlament, in dem Sonneborn für „die Partei“ sitzt, lässt er kein gutes Haar: Günther Oettinger als inkompetenter Digitalminister und ehemals Martin Schulz als Chef des Parlaments bringen ihn auf die Palme.

Und so redet der 53-Jährige über die konservativen Männer, „die die EU in den Zustand gebracht haben, in dem sie gerade ist“. Sonneborns Lieblingsfeind: Der deutsche Politiker Elmar Brok, laut Sonneborn „178 Kilogramm konzentrierte CDU“. Dieser sei unter anderem für die Einführung einer EU-Armee – ein Ziel, das Sonneborn nicht verfolgt.

Sonneborn nimmt Stellung zur EU-Armee

Später stellt eine Zuschauerin zu dem Thema eine Nachfrage. Was denn gegen eine solche Armee spräche. Sonneborn zeigt sich an dieser Stelle zum ersten Mal ganz unironisch, fast ernst.

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Er halte die Aussage, eine EU-Armee würde zum Beispiel den Kauf von Panzern durch Sammelbestellungen günstiger bekommen, für ein Gerücht. Außerdem wolle er sich vom amerikanischen Präsidenten nicht vorschreiben lassen, dass die nationalen NATO-Verteidigungsausgaben um zwei Prozent erhöht werden sollten.

„Warum werden die Ausgaben nicht an anderer Stelle um zwei Prozent erhöht“, fragt Sonneborn, „etwa bei den Sozialausgaben.“ Das Bochumer Publikum spendet wohlwollenden Applaus.

Nicht nur an dieser Stelle wird klar, dass Sonneborn kein reiner Spaßpolitiker ist, sondern Themen durchaus ernst angehen kann. Das zeigen auch Reden aus dem Europaparlament, in denen er Macron, Schulz, Juncker, Erdogan und Co. mutig in die Parade fährt.