Eiskalte Nächte im Freien können für Obdachlose lebensgefährlich sein. Auch in Deutschland sterben jeden Winter Menschen auf den Straßen – trotz eines guten Hilfesystems.

Bereits vier Obdachlose sind in Nordrhein-Westfalen in diesem Winter an der Kälte gestorben. Das ergeben Recherchen der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe. Sie wurden in Köln und Düsseldorf erfroren gefunden.

Obdachlose durchlebten kritische Nächte im Herbst

Bundesweit zählt die Arbeitsgemeinschaft zehn Kältetote. Dazu komme ein weiterer Verdachtsfall, sagte Geschäftsführerin Werena Rosenke der Deutschen Presseagentur.

Vor allem die kalten Nächte im Oktober und November seien für Obdachlose ein Problem gewesen. In dieser Zeit seien zwei Männer in Düsseldorf, einer in Köln und einer in Essen gestorben.

Bund, Länder und Kommunen führen keine offiziellen Statistiken zu Kältetoten. Deshalb sei die Definition nicht immer einfach, sagte Rosenke weiter.

314 Fälle seit Beginn der 1990er-Jahre

Die Arbeitsgemeinschaft stütze sich bei ihrer bundesweiten Zählung auf Medienberichte. „Es geht dabei um Menschen, die auf der Straße durch die Einwirkung von Kälte gestorben sind“, erläuterte sie.

„Auch Herzversagen kann dabei mit Unterkühlung zusammenhängen.“ Oft würden Obduktionsberichte aber gar nicht öffentlich – oder gar keine Untersuchungen zu den Todesursachen veranlasst.

Die Arbeitsgemeinschaft zählt Kältetote in Deutschland seit dem Beginn der 1990er Jahre. 314 Fälle seien seitdem dokumentiert, berichtete Rosenke.

Wärmebusse und Kältepatrouillen helfen

Bei 38 weiteren Menschen bestehe der Verdacht, dass Unterkühlung mit zur Todesursache gehörte. Früher seien pro Jahr 20 bis 30 Fälle bekannt geworden.

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„Es hat etwas gebracht, dass es in vielen Großstädten jetzt Wärmebusse oder Kältepatrouillen gibt“, sagt Rosenke. Auch Kältetelefone, über die Bürger Hilfe rufen können, wenn sie Obdachlose nachts draußen sehen, seien eine Hilfe.

Auch Dortmund hat mittlerweile einen Wärmebus. Dort bekommen Obdachlose an drei Tagen in der Woche heiße Suppe – jeden Abend kommen 100 Gäste.

Pfarrer Michael Vogt, der das Projekt zusammen mit den Maltesern organisiert, ist sich sicher: „Die Menschen, die zu uns kommen, sind unglaublich dankbar, dass es uns gibt.“

Mit Material von der dpa