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Immer mehr Menschen in NRW haben neben ihrer Hauptbeschäftigung auch noch einen Nebenjob. Das Einkommen aus einer Beschäftigung reicht vielen nicht mehr aus. Oder sind es andere Gründe, die zur Nebentätigkeit führen?

Die Zahl der Mehrfachbeschäftigten ist in NRW stark gestiegen. Vor 15 Jahren hatten rund 300.000 Menschen einen Nebenjob. Mitte 2018 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt – 740.000 mit Nebenjob. Das geht aus der Antwort der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

Linken: Pure finanzielle Not

„Für immer mehr Beschäftigte reicht das Einkommen aus einem Job nicht mehr aus“, sagte Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion. „Der überwiegende Teil dürfte aus purer finanzieller Not mehr als einen Job haben und nicht freiwillig.“

Das bestätigt teilweise auch die Einschätzung vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Nebenjobber verdienten in ihrem Hauptjob durchschnittlich deutlich weniger als Menschen ohne Nebenjob, sagte IAB-Forschungsbereichsleiter Enzo Weber.

570 Euro weniger im Monat

Nach einer Studie des Instituts bekommen Nebenjobber in ihrer Hauptbeschäftigung in Deutschland durchschnittlich etwa 570 Euro im Monat weniger, als Personen mit nur einem Job. „Das deutet schon darauf hin, dass relativ viele Nebenjobber auf das zusätzliche Geld angewiesen sind“, so Weber. Das treffe aber nicht auf alle zu.

Die häufigste Kombination eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit mindestens einem Minijob. Das ist in rund 2,9 Millionen Fällen so. In knapp 330 000 Fällen wurden mindestens zwei sozialversicherungspflichtige Jobs kombiniert.

Nebenjob: Nicht nur finanzielle Not

Die IAB-Studie hat heraus gefunden, dass es neben finanziellen Motiven auch andere Gründe für einen Zweitjob gibt. Etwa ergänzen einige den Hauptjob um Tätigkeiten, die Spaß machen oder Prestige einbringen.

Vor allem aber machte Weber darauf aufmerksam, dass der erste Minijob im Nebenjob für den Arbeitnehmer komplett steuer- und abgabenfrei ist. „So eine starke Subvention möchten dann natürlich ganz verschiedene Personen nutzen.“

Bis zur Jahrtausendwende war es gerade der knappe Lohn, der viele Menschen zum Nebenjob führte. Nachdem die Löhne seit Jahren aber wieder deutlich gestiegen sind, sei die Begünstigung von Nebenjobs die wohl wichtigste Ursache für deren Zunahme, so Weber.

„Arbeitsmarktintegration gelinge eher im Hauptjob“

IAB-Forscher Weber wies auch auf Nachteile der Begünstigung von Nebenjobs hin. Für diese Jobs werde meist nicht in die Rentenkasse eingezahlt, sie trügen also nicht zur Alterssicherung bei.

Aktuelle Top-Themen:

„Und die meisten Nebenjobs dürften auch nicht zu nachhaltiger beruflicher Entwicklung und Arbeitsmarktintegration führen. „Bei Geringverdienern könne die Kopplung einer Unterstützung an einen Nebenjob auf ein falsches Gleis führen. Arbeitsmarktintegration gelinge eher im Hauptjob. mit dpa-Material