Es ist eigentlich ein simples Arbeitsblatt, das die Tochter einer Hartz-IV-Empfängerin am 15. Januar (Dienstag) auf Twitter gepostet hat. Es sieht aus, wie jedes andere Arbeitsblatt für Grundschüler. Doch es kam bei Erwachsenen zum Einsatz – und sorgt aktuell für kontroverse Diskussionen.

Die Mutter der Twitter-Nutzerin sollte im Rahmen einer Hartz-IV-Maßnahme einen Test bei der Agentur für Arbeit durchlaufen. Auf dem dafür vorgesehenen Arbeitsblatt stehen simple Aufgaben, die bestenfalls für Grundschüler geeignet sind. Bei der ersten Aufgabe sind Bilder abgebildet – von einer Mütze, einem Herz oder einer Kerze. Die Person soll den passenden Begriff zu dem Bild aufschreiben.

„Schreibe bekannte Wörter mit „tz“ auf“

Bei der zweiten Aufgabe sollen die Wörter aus den Bildern, die mit „tz“ geschrieben werden, in eine Tabelle eingetragen werden, Wörter wie Katze oder Schatz. Anschließend sollen noch weitere bekannte Wörter mit „tz“ aufgeschrieben werden.

„Meine Mutter ist seit gestern in einer #Hartz4 Maßnahme und soll dort solche Aufgaben lösen. Das ist pure Erniedrigung erwachsener intelligenter Menschen. Aber wenn sie fort bleibt, drohen #Sanktionen“ schreibt Tochter Mila dazu.

Die Tochter habe eine sachliche Mail an die Bundesagentur für Arbeit geschrieben, mit der Hoffnung damit etwas verbessern zu können, ohne dass ihre Mutter Schwierigkeiten bekommt, twittert sie. In dem sozialen Netzwerk bekommt sie viel Zuspruch. Ihr Tweet wurde am Donnerstagmittag bereits mehr als 3000 Mal retweetet. Hinzukommen fast 900 Kommentare wie diese:

Ich bin fassungslos 😱😱😱😱😱 das darf nicht wahr sein… Wie respektlos, würdelos und wirklich erniedrigend ist das – als nächstes kommt dann Malen nach Zahlen oder was.. Beschämend 😢😢😔😔😔😔😔— Hilde / Hillach (@Hillach1) 15. Januar 2019

Und da wird man einfach so geduzt? Das ist ja obendrein auch noch frech.— Kein Kommentar (@Zeugenaussage) 15. Januar 2019

Offenbar sind Mila und ihre Mutter nicht die einzigen Betroffenen, die sich ärgern, wie diese Tweets zeigen:

Ja das kenne ich. Durfte sowas auch machen. Es gibt da ein paar Dinge, wie man die Leute da – legal – auf die Palme bringen kann. Und im Zweifel spricht man einfach mal mit dem Arzt seines Vertrauens. Und: Anwalt! Unbedingt. Der ist kostenlos und wirkt nachhaltig.— ᴹᴱᴿᴵᴰᴬ (@_never_gr0w_up) 15. Januar 2019

Es tut mir so leid dass deine Mutter das mitmachen muss… Ich war auch einmal in einer Maßnahme, zum Glück keiner so schlimmen, aber es war dennoch erniedrigend und hat mein Pensum im Bewerbungen schreiben deutlich geschmälert. Danach hab ich den nächstbesten miesen Job genommen— Abyseñor (@Abessinier) 15. Januar 2019

Es gibt jedoch auch gegenteilige Meinungen, wie dieser Tweet zeigt:

Wer je Bewerbungsschreiben lesen musste, weiß, warum dieser Fragebogen so einfach gehalten ist. Es gibt eine Menge Menschen, die solche einen Bogen nicht schaffen.— Marianne 🌹🇩🇪🇪🇺 (@ichbinschoener) 16. Januar 2019

Aktuelle Top-Themen:

Auch die Agentur für Arbeit äußerte sich bereits via Twitter:

Könnten Sie uns dazu mal eine E-Mail an zentrale.presse@arbeitsagentur schicken? Wir wollen uns das mal näher anschauen, danke!— Agentur für Arbeit (@Bundesagentur) 15. Januar 2019

Mittlerweile hat die Bundesagentur bestätigt, dass das Blatt tatsächlich in einigen ihrer Kurse zum Einsatz kommt – um auch Teilnehmer mit schlechten Deutschkenntnissen zu integrieren. Außerdem wird es tatsächlich in Grundschulen genutzt.