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Das Bundeskriminalamt (BKA) will die Clan-Kriminalität in Deutschland künftig stärker ins Visier nehmen. Im Fokus stehen vor allem sogenannte „ethnisch abgeschottete Subkulturen„.

Erste Details verriet eine Sprecherin der Behörde dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag).

Das BKA werde im Mai oder Juni sein nächstes Lagebild zur Organisierten Kriminalität veröffentlichen, dabei werde es erstmals ein Kapitel geben mit der Überschrift „Kriminelle Mitglieder von Großfamilien ethnisch abgeschotteter Subkulturen“.

Türkisch- und arabischstämmige Großfamilien

Die Sprecherin erläuterte dem RND: „Die Kriminalität von Angehörigen türkisch- und arabischstämmiger Großfamilien zeichnet sich durch eine grundsätzlich ethnisch abgeschottete Familienstruktur aus, die unter Missachtung der vorherrschenden staatlichen Strukturen, deren Werteverständnis und Rechtsordnung eine eigene, streng hierarchische, delinquente Subkultur bildet.“

In den bisherigen Lagebildern habe man das Thema nur gestreift. Schwerpunkte der Ermittlungen gebe es in Berlin, Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, sagte die Sprecherin. Soweit erforderlich, unterstütze das BKA hier die Länder.

50 Clans agieren in NRW

Zum Hintergrund: In Nordrhein-Westfalen sind die Zahlen in der Kriminalstatistik zwar rückläufig, das Treiben der rund 50 Clans in NRW besorgt das Innenministerium dafür aber umso mehr.

„Sie [die Clans] erheben den Anspruch, zu bestimmen, was auf der Straße passiert. Das ist ein frontaler Angriff auf den Rechtsstaat“, beschrieb NRW-Innenminister Herbert Reul jüngst.

Schon Mitte der 80er Jahre seien viele nach NRW gekommen. Als sich dann im Laufe der Jahrzehnte kriminellen Strukturen gebildet hätten, habe der Staat nicht zugegriffen. Das sei ein Fehler gewesen, so Reul, der jetzt aufarbeitet wird.

In NRW werde nun eine Strategie der „1000 Nadelstiche“ gefahren. Gemeint sind Razzien in Shisha-Bars, Wettbüros, Spielhallen und einschlägigen Szene-Treffs. Reul: „Wir schaffen Unruhe und signalisieren: Ihr könnt nicht machen, was Ihr wollt.“

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Im Ruhrgebiet hat es zuletzt am 12. Januar eine große Razzia gegen kriminelle Clans gegeben. mit dpa-Material