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Das britische Parlament hat einem mühsam ausgearbeiteten Abkommen zum Brexit zwischen London und Brüssel eine klare Absage erteilt. Für die regionale Wirtschaft ist das eine bittere Nachricht.

Nach dem „Nein“ zu dem Austrittsvertrag wird es immer wahrscheinlicher, dass es zu einem ungeordneten Austritt Großbritanniens aus der EU kommt. Die Folgen für die Wirtschaft werden damit unkalkulierbar.

Schlag für die regionale Wirtschaft

Längst ist auch die regionale Wirtschaft im Ruhrgebiet in Alarm versetzt. Als „schlechte Nachricht“, bezeichnete IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann die Gewissheit, dass das jüngst vorgeschlagene Abkommen vom britischen Parlament abgewiesen wurde.

Schon jetzt ist klar, der Brexit wird die Firmen in Deutschland finanziell enorm fordern. Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer, erläutert: „Die Erhebung von Zöllen würde deutsche Unternehmen mit mehr als drei Milliarden Euro belasten“.

Doch nicht nur das. Auch das Ausfüllen von Zolldokumenten würde Mehrkosten von rund 200 Millionen Euro verursachen.

Notfallplan für den No-Deal-Brexit

Laut IHK haben allein in der Region rund um Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna 300 Unternehmen Handelsbeziehungen mit Großbritannien. Das Vereinigte Königreich (UK) ist der viertwichtigste Handelspartner in NRW.

Ohne Abkommen droht der Brexit völlig ungeregelt abzulaufen. Selbst die kleinste Planungssicherheit in Bezug auf die Wirtschaftsbeziehungen mit der UK würde sich dann völlig auflösen.

Schon jetzt wurde von der EU-Kommission ein „Aktionsplan für den Notfall“ vorgelegt, der zumindest die gravierendsten Verwerfungen eines ungeordneten Brexit abmildern soll.

IHK bietet Checkliste

Auf der Seite der IHK können Unternehmen eine „Brexit-Checkliste“ einsehen, um zu prüfen, ob ihr Unternehmen bereits ausreichend auf einen Brexit vorbereitet ist.

In der Liste finden sich beispielsweise Punkte wie: „Es ist uns bewusst, dass wir uns auf erhöhten bürokratischen Aufwand bei Lieferungen per Straßengüterverkehr einstellen sollten.“ Oder auch: „Wir haben die […] Voraussetzungen für das Erstellen und Verwalten von Zollanmeldungen im eigenen Unternehmen geschaffen.“

Brexit bringt Grenzkontrollen und Zölle

Bisher befand sich Großbritannien zusammen mit allen anderen 28 EU-Länder in einer Zollunion. In dieser Zollunion gilt: Auf Waren, die aus Ländern außerhalb der EU eingeführt werden, werden einheitliche Zölle erhoben. Innerhalb der EU bzw. der Zollunion werden dagegen keine Zölle erhoben.

Aktuelle Top-Themen:

Bei einem harten Brexit, steigt Großbritannien auch aus der Zollunion aus. Es werden dann wieder Zölle erhoben und Grenzkontrollen durchgeführt. Durch längere Wartezeiten, die sich dann an den Grenzen ergeben, könnten beispielsweise empfindliche Waren wie Lebensmittel und Medikamente unterwegs unbrauchbar werden. Auch „Just-in-time“ Zulieferungen wären nicht mehr realisierbar.

Großbritannien will die Europäische Union am 29. März verlassen. Zur Zeit geht es darum ein Abkommen zu schaffen, das die Folgen des Brexit abfedern soll. Eine kurze Verschiebung des EU-Austritts von Großbritannien um einige Wochen, über den derzeit ebenfalls spekuliert wird, würde Folgen und Unklarheiten aufschieben, aber nicht aus dem Weg räumen.