Freitag, 21. September 2018

Einen Monat vor dem Bombenanschlag auf das BVB-Team will der Angeklagte die Tat mit selbst gebauten Attrappen geprobt haben. Im Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht bleibt der 28-Jährige aber dabei: Er habe niemanden töten oder verletzen wollen.

Im Prozess um den Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund hat der Angeklagte Sergej W. ausgesagt, die Tat mit selbst gebauten Attrappen am Teamhotel geprobt zu haben. Der Probelauf fand demnach bei einem Aufenthalt etwa einen Monat vor dem Anschlag am 11. April 2017 statt. Dafür habe er schon einmal in dem Mannschaftshotel eingecheckt.

W. bleibt dabei: Er habe niemanden töten wollen

Der in Russland geborene Angeklagte mit deutschem Pass bekräftigte am Montag vor dem Dortmunder Schwurgericht, er habe mit dem Anschlag nur Angst und Schrecken verbreiten, aber niemanden ernsthaft verletzen oder gar töten wollen. Der 28-Jährige steht seit Dezember vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 28-fachen Mordversuch vor.

Sergej W. schilderte am Montag, wie er die Bomben nach eigener Darstellung absichtlich so harmlos wie möglich konzipiert habe. Er habe die etwa 60 Metallstifte pro Sprengsatz bewusst in eine dicke Schicht Harz eingegossen. „Der Gedanke war, dass die Bolzen schon für das Durchdringen der Masse so viel kinetische Energie verbrauchen würden, dass sie nicht mehr gefährlich sein würden“, sagte der Angeklagte.

Darüber hinaus habe er die Menge des Sprengstoffs äußerst niedrig angesetzt und sich vorab im Internet über die Beschaffenheit des Mannschaftsbusses informiert. „Überall stand, dass die Scheiben aus Sicherheitsglas bestehen. Ich wusste, wie zäh solche Verbundscheiben sind.“

Vorbild waren Anschläge in Paris

Der Angeklagte beteuerte, er habe den Anschlag verübt, um mit einer Wette auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie viel Geld einzustreichen. Dabei habe er sich die Terroranschläge von Paris 2015 zum Vorbild genommen. „Damals hatte ich registriert, dass viele Aktienkurse gefallen waren“, sagte der 28-Jährige.

Bei dem Bombenanschlag war der damalige BVB-Verteidiger Marc Bartra im Bus schwer am Unterarm verletzt worden. Ein Motorradpolizist hatte ein Knalltrauma erlitten. Die für diesen Abend geplante Partie in der Champions League gegen AS Monaco wurde abgesagt und am nächsten Tag nachgeholt.

(dpa)

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