Steigende Mieten, knapper Wohnraum: In Dortmund ließ es sich schon mal leichter wohnen. Doch die Stadtplaner sehen sich auf gutem Kurs. In Randbezirken und der Innenstadt sollen zum Teil exotische Wohnungen unter anderem für Studenten und Familien entstehen.

Mehr als 20 Pläne hängen im Saal Tremonia des Dortmunder Rathauses. Auf den bunten Karten zu sehen: neue Wohnungen. Viele davon gibt es bislang nur auf dem Papier. Denn bis die Dutzenden Bauvorhaben geplant, genehmigt und abgeschlossen sind, wird es zum Teil noch eine Weile dauern. Sie alle befinden sich in unterschiedlichen Stadien.

Doch neue Wohnungen müssen her. Denn wegen des geringen Angebots stiegen die Mieten weiter an, sagt Anja Laubrock, stellvertretende Leiterin des Amts für Wohnen. Derzeit werde die Geschossbauweise wieder bevorzugt nachgefragt, etwa in dem fast ausgebuchten Hohenbuschei direkt am BVB-Trainingsgelände. Das Quartier ist besonders für Fans der Schwarzgelben ein Logenplatz. Doch es gibt noch weitere Angebote in Dortmund, die gewisse Besonderheiten haben.

Walter Nickisch Stadtplanungsamt Dortmund
Walter Nickisch, Leiter des Stadtplanungsamts, erläutert, wo neue Wohngebiete entstehen sollen. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Eines dieser Grundstücke liegt zwischen FZW und Dortmunder U. Hier sollen künftig weitere Wohnungen für Studenten entstehen, erklärt Planungsdezernent Ludger Wilde beim Pressegespräch. Doch wie wählt die Stadt neue Flächen aus? Statt nur Baulücken zu nutzen oder bestehende Häuser um ein Stockwerk zu erweitern nutzt die Stadt derzeit vermehrt Brachflächen wie diese.

Mikroapartments für Studierende

„Das ist sicher eine sehr gute Lage“, findet Walter Nickisch, Leiter des Stadtplanungsamts. Rund 400 Wohneinheiten sollen hier für eine Belebung des Viertels sorgen. Die Studenten sollen später in Ein-Zimmer-Apartments wohnen. Ein kostengünstiger Gegenentwurf zu den als Luxuswohnungen gescholtenen Einheiten im alten Karstadt-Technikhaus? Nicht wirklich, sagt Wilde: „Auf dem Preisniveau des Studierendenwerks werden sie nicht liegen.“

Mikroapartments Dortmunder U
Auf dieser Brache zwischen FZW (oben rechts) und dem Dortmunder U (Mitte) sollen zukünftig Studenten in Mikroapartments wohnen. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Direkt an der TU zahlt man für ein Zimmer derzeit zwischen 194 und 325 Euro. In dem geplanten „Base Camp“ im ehemaligen Technik-Haus müssen Studenten – mit allem Drum und Dran – zwischen 450 und 550 Euro berappen. Die Mikroapartments reihen sich demnach wohl in der Mitte ein. Auch deshalb, weil der Standard dort geringer sein wird, als bei den Luxus-Apartments, sagt Wilde.

Wenn die Wünschelrute ausschlägt

Doch es gibt noch exotischere Pläne für Wohnviertel in Dortmund. Das Neubaugebiet „Rahmer Wald“ im Westen Huckardes etwa. Weil die 67 Wohneinheiten in einer Schleife angeordnet sind, die sich in das Gelände einfügt, wurde das Gebilde schon als „Feng-Shui-Viertel“ bezeichnet. Zudem hat die Stadt allen Ernstes zwei Wünschelrutengänger über die Fläche geschickt. „Jeder, der darauf baut, kann sich sicher sein, nicht auf Negativ-Punkten zu bauen“, sagt Wilde leicht amüsiert. Die Nachfrage sei groß.

Klassisch soll es hingegen in Grevel zugehen: Hier wollen die Planer durch eine „behutsame Dorfentwicklung“ das Quartier Stück für Stück erweitern. Dabei soll der Dorfcharakter jedoch erhalten bleiben.

Kritik an Baufirmen

Planung und Genehmigungen brauchen Zeit. Dass die Stadtplaner allein daran Schuld sein sollen, dass es manchmal etwas länger dauert, sehen sie aber nicht ein: viele Baufirmen könnten die große Zahl der Aufträge derzeit schlicht nicht bewältigen – zumindest zu akzeptablen Preisen. „Es gibt Engpässe bei der Umsetzung“, formuliert Wilde es diplomatisch.

Bei Flächen top – beim Wohnraum flop

In jedem Dortmunder Stadtbezirk sei noch Baufläche frei, sagen die Planer. „Die Nachbarstädte westlich von hier beneiden uns darum“, freut sich Wilde. Das Problem ist aber: Die Leerstandsquote liegt bei nur 1,7 Prozent. Das bedeutet, dass noch weniger Wohnungen frei sind, als im vergangenen Jahr (1,8 Prozent Leerstand). „Wir können nicht mehr von einem wirklichen Wohnungsmarkt sprechen“, sagt Wilde. Mieter müssten derzeit eigentlich nehmen, was sie bekommen. Ein Leerstand von drei bis vier Prozent sei erstrebenswert, zwei Prozent sollen kurzfristig erreicht werden.

Keine „komplette Versiegelung“

Daher wird der Wohnungsbau zukünftig auch in die Vertikale gehen. „In der Innenstadt werden wir auch höhere Gebäude zum Wohnen zulassen“, kündigt Wilde an. Mehr als fünf Stockwerke sollen aber nicht werden. Generell begrüße die Stadt eine „Nachverdichtung im Bestand“, also etwa Zusätzliche Stockwerke oder Anbauten. Die Nähe zu Kindergärten oder Nahversorgung seien hier Pluspunkte.

Urbanes Wohnen: Die Lindemannstraße im Kreuzviertel. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

„Wir wollen unsere Innenstädte aber nicht komplett versiegeln“, verspricht Wilde. Doch wie sieht das im Falle des Bauvorhabens im Kreuzviertel aus, zu dem derzeit eine Petition der Anwohner läuft? Laut Wilde gibt es hier keinen Bebauungsplan. Damit gilt ein Recht auf Genehmigung, sofern das geplante Gebäude zu den angrenzenden Bauten passe. Damit könnte möglicherweise ein vierstöckiges Gebäude in einem Innenhof errichtet werden. Das Planungsverfahren läuft noch.

Wohnen nach Zahlen

  • 2016 wurden insgesamt Genehmigungen für mehr als 1000 Wohneinheiten ausgegeben. Im ersten Halbjahr 2017 waren es bereits fast 700.
  • Im Vergleich zu Bund (minus 7,3 Prozent) und Land (minus 16,7 Prozent) liegt Dortmund mit einem Plus von 8,5 Prozent bei den Genehmigungen über dem Trend. 2016 war jedoch ein starkes Jahr, was die Baugenehmigungen anging.
  • Der Leerstand von nur 1,7 Prozent der Wohnungen in Dortmund deutet auf einen angespannten Mietmarkt hin. Zwei bis vier Prozent gelten als normal.
  • Der durchschnittliche Mietpreis für öffentlich geförderte Wohnungen liegt derzeit bei 5,25 Euro (ohne Nebenkosten) pro Quadratmeter. Bei Neubauten liegt er im Schnitt bei 10 Euro.