Bild: Stadt Dortmund

Dortmund braucht Wohnungen, und weil der Platz dafür begrenzt ist, erscheint es sinnvoll, alte, ausgediente Immobilien umzubauen. So wie im Fall der ehemaligen Polizeiwache in Dortmund-Hörde. Was viele nicht wissen: Das Gebäude hat eine dunkle Vergangenheit.

Denn das Haus an der Alten Benninghofer Straße 16-18 wurde 1929 gebaut, dann von den Nationalsozialisten als Gefängnis genutzt. Die Gestapo (Geheime Staatspolizei) sperrte hier unter anderem Dortmunder oder deren Verwandte ein, die verdächtigt wurden, Juden ein Geheimversteck geboten zu haben.

Wie Historikerin und Stadtsprecherin Katrin Pinetzki in ihrem Buch „Dunkle Geschichten aus Dortmund“ schreibt, holte die Gestapo an der Alten Bennighofer Straße immer wieder Menschen aus dem Keller, um sie zu verhören und auch zu foltern.

Der Krieg hat das Gebäude fast gänzlich zerstört.

Das jetzige Gebäude wurde erst 1968 errichtet. Nach der Nutzung als Polizeiwache war es zwischenzeitlich als „Wächterhaus“ genutzt. Bis 2017 war die ehemalige Wache für circa zwei Jahre ein Wohnheim für Flüchtlinge.

Neuer Wohnraum in altem Gebäude

Jetzt wird das Gebäude für Wohnraum umgebaut. Es handelt sich um ein selbstverwaltetes, gemeinschaftliches und genossenschaftlichen Wohnprojekt. Mehrere Generationen sollen möglichst ab Frühjahr 2020 hier einziehen und Räume, Freiflächen und Dachgarten gemeinsam nutzen.

Hier liegt das Wohnprojekt ab der Alten Benninghofer Straße. Quelle: Post Welters Architekten
Hier liegt das Wohnprojekt ab der Alten Benninghofer Straße. Quelle: Post Welters Architekten

Das Gebäude befindet sich im Burgunderviertel – mitten in Hörde – in unmittelbarer Nähe zum Hörder Bahnhof. Die Hälfte der Wohnungen sind öffentlich gefördert.

Zu haben sind Wohnungen unterschiedlicher Größen – von 40 bis 120 Quadratmetern. Zudem umfasst das Angebot auch sogenannte Cluster-Wohnungen (CoHousing). Das sind eigenständige Kleinwohnungen mit Küche und Bad, die sich darüberhinaus einen gemeinsamen Wohnraum bzw. eine Wohnküche teilen.

2019 soll die Bauphase starten

Das Projekt wird voraussichtlich schon 2019 in die Bauphase gehen können und ab 2020 bezugsfertig sein. Es wird von der Initiative Wir aufm Revier und dem Verein W.I.R. e.V. geplant und genossenschaftlich organisiert.

Aktuelle Top-Themen:

Jeder künftige Mitbewohner muss zunächst eine Einlage in Höhe von rund 600 Euro pro Quadratmeter in eine Dachgenossenschaft einzahlen. Die Einlagen der Mitglieder bilden das Eigenkapital der Genossenschaft, um die Wohnungen überhaupt umzubauen.

Anders als bei einer gekauften Immobilie ist das Geld aber nicht weg, sondern es bleibt als Einlage bestehen – beim Auszug bekommt man es zurück. Wer so viel Eigenkapital nicht aufbringen kann, kann sich das Geld über ein zinsgünstiges Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW leihen.

Vermieter oder Investoren mit Gewinn-Interessen gibt es nicht. Das Geld der Wohnungskäufer fließt mehr oder weniger in die eigene Tasche. Am Ende zahlen die Bewohner die normale Miete. Über 50 Prozent der Bewohner sind bereits gefunden.

Infos: Ansprechpartnerin für Interessenten ist Frau Birgit Pohlmann, Tel.: 0231/5865080. Mehr Infos hier.