Der Winter steht vor der Tür und die Tage werden kälter. Da verbringen wir gerne mehr Zeit in unseren warmen Wohnungen und Häusern. Aber Obdachlose haben diese Möglichkeit nicht. Wer von ihnen will, kann in Einrichtungen nächtigen. Tagsüber jedoch müssen sie in der Kälte ausharren – Aufenthaltsräume gibt es in Dortmund nicht rund um die Uhr.

Obdachlose verbringen den Großteil ihrer Zeit draußen. Sie hocken auf Bänken, betteln vor Geschäften und schlafen im Park. Wie auch woanders gehören Menschen ohne Wohnsitz zum alltäglichen Stadtbild in Dortmund. In den warmen Monaten trifft man sie fast überall in der Innenstadt. Ob direkt im Stadtkern am Platz von Hiroshima oder etwas weiter weg am Stadtgarten. Im Sommer ist das Leben auf der Straße einfacher als zu anderen Jahreszeiten. Die Sonne scheint meist bis abends, die Temperaturen sinken selten unter 15 Grad. Im Winter sieht das Ganze anders aus und ein Leben ohne Dach über dem Kopf wird unangenehmer.

Die Schlafstätte eines Obdachlosen. Alte Matten, Müll und abgenutzte Gegenstände sind die letzten Dinge, die ihnen bleiben. Foto: Bodo Marks

Warme Plätze für Heimatlose in der City

Um es den Menschen einfacher zu machen, bieten Freiwillige und Vereine den Obdachlosen bereits Möglichkeiten zum Übernachten. Zusätzlich gibt es Suppenküchen, in denen sie mehrmals die Woche warme Speisen bekommen. Das wäre allerdings nicht genug, sagt die sozialpolitische Sprecherin der CDU Justine Grollmann: „Darüber hinaus sollte aber auch über eine Aufenthaltsmöglichkeit nachgedacht werden, die den Obdachlosen in den kalten Wintermonaten die Möglichkeit gibt, sich tagsüber im Warmen aufzuhalten.“ Momentan gibt es keine vernünftigen Optionen für Obdachlose, sich tagsüber an einem warmen Ort aufzuhalten. Sie müssen daher auf Passagen und Parkhäuser ausweichen. Die CDU-Fraktion für Soziales, Arbeit und Gesundheit fordert die Verwaltung der Stadt Dortmund daher nun auf, ihr Lösungen und damit geeignete Aufenthaltsmöglichkeiten für Obdachlose vorzuschlagen.

Aktuelle Hilfe für Obdachlose in Dortmund

Als Mensch ohne Wohnsitz lebt es sich nirgendwo gut, doch die Dortmunder tun bereits Vieles, damit es zumindest besser funktioniert. Seit 1995 steht auf der Rheinischen Straße das Gast-Haus, eine Unterkunft für Obdachlose. Sie bietet mehr als einen Schlafplatz. So gibt es etwa den Tagestreff, Sanitäranlagen und Frühstück. Doch die Einrichtung hat begrenzte Kapazitäten und in Dortmund leben rund 300 Menschen auf der Straße.

Schnell kommt das Gast-Haus dabei an seine Grenzen: „Unser Raum fasst
56 Sitzplätze, an dem Vormittagen frühstücken bei uns 250 bis 350 Gäste, an
den Nachmittagen kommen 100 bis 150 Gäste“, sagt Katrin Lauterborn vom Gast-Haus. Sie weist aber auch darauf hin, was im Gast-Haus schon alles getan wird: „Wir vom Gast-Haus sind eine rein ehrenamtliche Initiative mit 160 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die jeden Vormittag Frühstück anbietet, in der Zeit von 8 bis 11 Uhr.“ Zusätzlich können die Obdachlosen an vier Tagen in der Woche, von 17 bis 20 Uhr, in dem Haus verweilen. Die restliche Zeit nutzen die Mitarbeiter, um nach dem Frühstück aufzuräumen und sich um die Logistik zu kümmern. Um den Obdachlosen mehr Zeit im Warmen zu gewährleisten, fehlen Zeit und Räumlichkeiten.

Gäste warten vor dem Dortmunder Gast-Haus. Foto: Gast-Haus
Gäste warten mit ihrem Hab und Gut vor dem Gast-Haus. Sie wollen frühstücken, ihren Abend dort verbringen oder schlafen. Von 11-17 Uhr sind die Türen jedoch geschlossen. Foto: Gast-Haus

Gottesdienste und Straßenmagazin

Neben dem Gast-Haus gibt es weitere ehrenamtliche Einrichtungen, die sich um die Hilfe von Obdachlosen kümmern. Zum Beispiel die Kana Suppenküche an der Mallinckrodtstraße in der Nordstadt. Hier kochen Ehrenamtliche fünfmal wöchentlich für Obdachlose und Menschen mit geringem Einkommen. An manchen Tagen kommen rund 300 Gäste. Zusätzlich bietet die Suppenküche auch Gottesdienste an und beschäftigt ein Grabfeld auf dem Ostfriedhof. Der ehrenamtliche Verein bodo kümmert sich um die Reintegration von Wohnungslosen und beschäftigt mit ihnen auch ein Straßenmagazin. Dessen Erlös fließt wieder in den Verein.

Ehrenämter machen gemeinsame Aktionen

Insgesamt fehlen in Dortmund Aufenthaltsorte für Obdachlose für tagsüber. Die bestehenden Einrichtungen haben weder durchgehend geöffnet noch haben sie genug Kapazitäten für alle Wohnungslosen. Doch die Initiativen überlegen immer wieder, wie man den Obdachlosen helfen kann. So auch in der Vergangenheit, als sie im November zu Spenden aufriefen. Gesucht wurden Schlafsäcke und Isomatten. Dies sei auch wichtig, denn ohne festen Wohnsitz könne es draußen schnell gefährlich werden, sagt Justine Grollmann: „Ein Aufenthalt im Freien bei kalten Temperaturen ist nicht nur sehr unangenehm, er kann für Obdachlose auch schnell zum Fallstrick werden.“ Es bleibt abzuwarten, wie die Stadtverwaltung entscheidet und das Problem künftig angehen wird. Momentan sitzen die Obdachlosen jedenfalls im Freien – zumindest tagsüber.

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