Bild: Florian Forth/Dortmund24

Weihnachten – Tage der Ruhe und der Besinnlichkeit, des Beisammenseins und des Innehaltens. Oder? Müsste es nicht viel mehr heißen: Weihnachten – Tage der Hektik, des Geschenkeberge anhäufens, des Schlangestehens im Supermarkt, der Völlerei, des Online-Shoppings bis der Postbote fünf mal am Tag klingelt?

Doch es gibt sie noch, die Menschen, die sich an ein anderes Weihnachten erinnern. An ein Weihnachten mit Lametta und Schnittchen in der guten Stube. Wir haben einen Blick in die Vergangenheit gewagt und dabei lustiges, spannendes und erstaunliches entdeckt.

Weihnachten 1954 im Ruhrgebiet/Witten. Foto: Malin Schneider-Pluppins

Lametta! Lametta wohin man nur blickte – an jedem Baum, ob groß, ob klein, hingen die glitzernde Fäden. Bis man irgendwann, es muss wohl Mitte der 80er-Jahre gewesen sein, feststellte, dass sich ein Tannenbaum zwar wunderbar auf dem Kompost entsorgen ließ, Lametta jedoch nicht. Und da kein Mensch imstande ist, Lametta wieder aus einem Baum zu entfernen, hatte damit das letzte Stündlein des Glitzerfadens geschlagen.

Was es damals auch noch gab? Jedenfalls nur selten einen fetten Braten oder eine dicke Gans. So berichtet es zumindest Elisabeth, die 1954 mit „ihrem“ Heiner bei seinen Eltern an Weihnachten bei Schnittchen mit sauren Gurken und Rum-Tee zusammen kam. Geschenke? Ja, eins gab es. Und zwar ein gerahmte Landschaftsbild, welches noch heute im Wohnzimmer hängt.

Weihnachten 1955 in der Steinstraße 30-32. Das Haus gibt es nicht mehr. Das Grundstück teilen sich heute das Jobcenter und das CineStar. Foto: Reinhard Behler

Kaum ein Weihnachtsbaum war vor 40, 50 oder auch 60 Jahren so groß, dass er vom Dielenboden bis zur Decke reichte. In Mode waren vielmehr kleine Bäumchen, die auf Tischchen, Kommoden oder – dem Medium der Wahl dieser Zeit – dem Radio ihren Platz fanden.

Weihnachten 1958 in Dortmund-Kirchhörde. Foto: Erika Hettmanski mit Bruder und kleiner Schwester

Die Wirtschaftswunderzeit naht

Weihnachten 1959 in der Schillerstraße, Nordstadt. Statt Fernseher war damals noch das Radio Medium der Wahl. Toll auch der kleine "Weihnachtsbaum" auf der Kommode.
Weihnachten 1959 in der Schillerstraße, Dortmunder Nordstadt. Foto: Florian Forth

Weihnachten um 1960: Die Nachkriegsjahre sind vorbei, endlich genießen die Familien wieder etwas Luxus – man gönnt sich was! Es ist die Zeit des sogenannten Wirtschaftswunders. Beliebte Geschenke zu der Zeit: Kreisel, Puppen, Spielzeugautos und Schaukelpferde.


 Weihnachten 1961 in Obereving. Foto: Bettina Kaup

Und dann kommt auch endlich Farbe in die Bilder…

Weihnachtsbegeisterung und ganz viel Lametta 1966 in Dortmund-Brechten, Evinger Straße. Foto: Anja Ingenbleek

Zur Tradition in vielen Familien gehörten neben dem Gang zur Kirche oft auch ein ausgedehnten Heiligabendspaziergang durch die nahen Wälder und durch festlich beleuchtete Straßen. Frische Luft schnuppern und – auch damals hofften wohl alle auf weiße Weihnachten – den knirschenden Schnee unter den Stiefel spüren. Und schon war er da, der Zauber von Weihnachten!

Weihnachten in Kirchhörde Anfang der 70….Mit selbstgemachtem Hexenhäuschen. Foto: Bettina Eisenblätter