Bild: Foto: Dortmund24/Malin Schneider-Pluppins

Rund 350 zusätzliche Arbeitskräfte, Dreischichtbetrieb statt nur zwei Schichten und Roboter, die beim Pakete stapeln helfen – so rüstet sich Amazon für das Weihnachtsgeschäft. Doch nicht nur wegen der rund 15 Millionen Pakete, die das Dortmunder Logistikzentrum bald wöchentlich durchlaufen, kommt keine richtige Festagsstimmung auf.

Das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür. Nicht nur Einzelhändler in Dortmund haben längst die goldenen Christbaumkugeln in den Schaufenstern dekoriert. Auch bei Amazon sind die Vorbereitungen für das Fest in vollem Gange. Doch mit Besinnlichkeit hat Weihnachten bei dem Versandriesen wenig zu tun.

Schuften statt Besinnlichkeit

Für die Mitarbeiter des DTM2 – wie das Logistikzentrum in Dortmund an der Westfalenhütte bezeichnet wird – bedeutet es vor allem eine Menge Arbeit. Schon jetzt arbeitet die Belegschaft nicht mehr nur in den üblichen zwei Tagschichten. Auch nachts werden in Dortmund nun Pakete gescannt, sortiert und verladen. Am Tag kommen die regulär 1650 Mitarbeiter zurzeit auf zwei Millionen Pakete.

Während des Weihnachtsgeschäfts durchlaufen 15 Millionen Pakete das Amazon Logistikzentrum in Dortmund. Foto: Dortmund24/Malin Schneider-Pluppins

Zwar gibt es für die Nachtschicht Zuschläge, trotzdem bleibt es für die Mitarbeiter bei einem Stundenlohn von 13,63 Euro (2340 Euro brutto/Monat) – wenn sie es denn geschafft haben, länger als 24 Monate dabei zu bleiben. Vorher gibt es bei einer 40-Stundenwoche rund 1930 Euro Brutto.

Wenig meinen die einen, Amazon nennt es „wettbewerbsfähige Löhne“. Auch seien die Löhne höher, als sonst in der Logistikbranche üblich. Das Unternehmen bemüht sich redlich, seinen Ruf als schlechter Arbeitgeber los zu werden: Es gibt Weihnachtsgeld und Entgeldumwandlung. Es werden viele Langzeitarbeitslose eingestellt und betriebliche Sozialarbeiter helfen, dass diese sich gut wieder in den Arbeitsalltag integrieren.

Kaum Leiharbeit, aber viele befristete Verträge

Selbst die Saisonkräfte sind direkt bei Amazon angestellt und kommen nicht über Leiharbeitsfirmen. Lars Krause, Manager am Standort Dortmund, findet, mit den Bedingungen die Amazon biete, müsse man sich nicht verstecken.

Und auch der erst vor einem Jahr gewählte Betriebsrat scheint durchweg mit seinem Arbeitgeber einverstanden. „Auf den Sklaventreiber mit der Peitsche warte ich noch immer.“ Doch bis jetzt sei er nicht gekommen, scherzt Betriebsratvorsitzender Osman Oezkan.

Das Amazon Logistikzentrum Dortmund rüstet sich mit 350 Saisonarbeitern. Die Mitarbeiter mit den orangen Westen haben die Anlernphase bereits erfolgreich durchlaufen. Foto: Dortmund24/Malin Schneider-Pluppins

Er vertritt seit diesem Jahr die Arbeitnehmer bei Amazon und fühlt sich als Sprachrohr zwischen Geschäftsführung und Arbeitern. Dennoch: Ein paar Dinge gäbe es schon, wegen denen der Betriebsrat mit der Geschäftsführung im Gespräch wäre. Wegen der Arbeitszeiten zum Beispiel, und der Lohnabrechnungen.

Worum es dabei genau geht, will der Vorsitzende aber nicht erklären. Schließlich sei man auch da mit der Geschäftsführung auf einer Linie. Alles gut also?

Bonuszahlungen für selten krank geschriebene

Bei genauerem Hinsehen läuft bei Amazon aber dann doch nicht alles ganz so flauschig, wie an einem kuscheligen Vorweihnachtsabend. Nur gut 20 Prozent der Angestellten arbeiteten in unbefristeten Verträgen. Außerdem gibt es Anwesenheitsprämien für Gruppen, die per Losverfahren innerhalb der Mitarbeiterschaft gebildet wurden.

Heißt: Wenn nur selten jemand in der eigenen Gruppe fehlt – zum Beispiel krankheitsbedingt – dann gibt es für alle einen Bonus. Einen ähnlichen Bonus gibt es auch bei guter Produktivität oder Qualität der Arbeit. Druck soll das laut der Geschäftsführung aber nicht auf die Mitarbeiter ausüben. Kruse: „Das ist gängige Praxis auch bei anderen börsennotierten Unternehmen.“

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Amazon ist weiter auf Wachstumskurs

Die Kunden stört der Ruf von Amazon sowieso kaum. Denn Amazon wächst. Und zwar rasant – In 24 Jahren von einer US-Garagenfirma zum weltweiten Versandriesen. Und das alles nur durch „Technology and Innovation“.

So sieht es zumindest Stefano La Rovere, der die neuen Roboter bei Amazon mitentwickelte, die seit Frühjahr 2018 die Mitarbeiter in Dortmund entlasten. Sie heben vor allem die schweren schwarzen Kisten, in denen mehrere kleine Warenpakete zusammengepackt werden. Rückenschonend ist das in jedem Fall. Und Arbeitsplätze sollen die innovativen Roboter auch nicht gekostet haben. Und alles geht jetzt natürlich etwas schneller.

Denn am Ende bleibt es laut La Rovere bei Amazon immer bei der Frage: „What can we do, to make the customer happy?“ Und die Antwort darauf lautet schlicht: „Deliver. Always faster and cheaper.“