Bild: Garbe Industrial

Einst arbeiteten 25.000 Menschen auf der Westfalenhütte. Doch 2008 wurde dort die Koks- und Stahlerzeugung eingestellt. Seitdem entwickelt die Stadt die Fläche zu einem riesigen Logistik-Areal. Was hat sich inzwischen auf der Westfalenhütte getan und was passiert noch? Wir haben einen Blick auf das riesige Gelände geworfen.

Dortmund – Fast zehn Jahre ist es her, dass der Rat der Stadt Dortmund einen neuen Plan für die Fläche der ehemaligen Westfalenhütte gefasst hat. Seitdem vergeht kein Jahr, in dem nicht Flächen erschlossen und neue Mieter für Areale bekanntgegeben werden. Ganz übersichtlich ist die Entwicklung an der Westfalenhütte allerdings nicht. Wir bringen Struktur in die Angelegenheit.

Um welche Fläche geht es überhaupt? 

Es geht um das Areal zwischen Brackeler Straße (Süden), Rüschebrinkstraße (Osten), Derner Straße (Norden) und Bornstraße (Westen). Es ist etwa 450 Hektar groß. Das entspricht zusammengerechnet einer Fläche von etwa 630 Fußballfeldern. Das Gelände befindet sich nordöstlich der Dortmunder Innenstadt und grenzt im Süden an das Borsig-Platz-Viertel.

Das ehemalige Gelände der Westfalenhütte. Foto: Garbe Industrial
Das ehemalige Gelände der Westfalenhütte. Hier entsteht ein riesiger Logistikpark. Foto: Garbe Industrial

Wie wurde das Gelände früher genutzt?

1871 gründete die Unternehmerfamilie Hoesch ein Hüttenwerk nördlich der Stadt. Hier wurde Stahl erzeugt. Das Werk beschäftigte anfangs 320 Arbeiter und produzierte vorwiegend Eisenbahnschienen. Später stellte Hoesch auch andere Eisenprodukte her. Das große Aus kam am 28. April 2001 mit der Stilllegung des Hochofens 7 auf der Westfalenhütte. Mit dem alten Stahlwerk geschah danach Unglaubliches. Bis zu 1000 Mitarbeiter des chinesischen Stahlunternehmens Shagang zerlegten das komplette Stahlwerk inklusive Hochöfen, Walzwerk und Sinteranlage in Millionen Einzelteile, um es anschließend, 9000 Kilometer entfernt, im chinesischen Zhangjiagang wieder aufzubauen.

Ein historisches Foto der Westfalenhütte. Foto: Unbekannt (Privates Fotoalbum der Familie Jucho) [Public domain], via Wikimedia Commons
Ein historisches Foto der Westfalenhütte. Foto: Unbekannt (Privates Fotoalbum der Familie Jucho) [Public domain], via Wikimedia Commons

Was ist von der alten Stahl- und Eisenproduktion geblieben?

Heute gibt es auf der Westfalenhütte nur noch eine Weiterverarbeitung, bestehend aus einem Kaltwalzwerk mit Kontiglühe und Anlagen zur Oberflächenveredelung von Blechen vorwiegend für die Automobilindustrie. Direkt neben der ehemaligen Hauptverwaltung hat das von der ThyssenKrupp Steel gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft im Jahre 2000 in Betrieb genommene Dortmunder OberflächenCentrum (DOC), das größte Forschungszentrum für die Oberflächenveredelung von Flachstahl in Europa, seinen Sitz.

Was passiert seit Stilllegung der Westfalenhütte auf dem Areal?

Stadt und ThyssenKrupp als Eigentümer haben gemeinsam vereinbart, weite Teile des größten Industrieareals in Dortmund und der Region einer zeitgemäßen Nutzung zuzuführen. Strukturwandel nennt man das. Heißt konkret: Wo früher Stahl gekocht wurde, ensteht gerade ein riesiger Logistik-Standort. Die Flächen werden erschlossen und an Unternehmen vermietet. Mit Anbindung an die A2, den Dortmunder Hafen und den Flughafen bietet die Stadt dafür gute Voraussetzungen.

Welche Unternehmen haben sich auf dem Areal neu angesiedelt?

Die Möbelkette Ikea hat hier seit 2016 ihr Warenlager, die Deutsche Bahn Schenker ein Logistikzentrum, DHL verschickt seine Pakete von hier aus und Kaufland hat ebenfalls ein Warenlager. Aber es gibt hier auch weniger namhafte Unternehmen, wie die NicLen Gesellschaft für Elektronik, Handel und Vermietung mbH. Und immer mehr Firmen wollen sich künftig hier niederlassen. Decathlon (geplante Fertigstellung Anfang 2017) und Amazon (wohl im Herbst 2017 fertig) bauen hier derzeit eigene Verteilzentren. Auch Rewe will hier ab 2018 ein 16 Hektar großes Frischelager bauen. Die Karte zeigt, wie sich das Gelände derzeit aufteilt.

Info: Klickt auf die bunten Flächen und ihr erhaltet Infos dazu.

Warum werden auf dem Gelände der Westfalenhütte so viele Bomben gefunden?

Die vielen Bombenfunde basieren auf schweren Luftangriffen aus dem Zweiten Weltkrieg. 2000 Tonnen Bomben wurden zum Beispiel in nur einer Nacht im Mai 1943 über Dortmund abgeworfen. Ein Ziel: die bedeutende Dortmunder Industrie – und damit auch die Westfalenhütte. Mehr zu dem Thema findet ihr in unserem ausführlichen Artikel dazu.

Was sagt die Stadt zu den Vorwürfen, es gebe kein Verkehrskonzept für das Areal?

Oberbürgermeister Ullrich Sierau sagt, dass es bereits vor Jahren einen Ratsbeschluss dafür gegeben habe. So soll es zur Westfalenhütte eine Stadtbahnanbindung geben und auch eine Erweiterung der bestehenden Busverbindungen. Derzeit endet die Linie U44 an der Haltestelle „Westfalenhütte“, also direkt vor den Toren des Geländes.