Bild: Foto: Florian Forth/Dortmund24

Eichlinghofen ist einer der letzte Stadtteile im Südwesten Dortmunds, bevor man Witten erreicht. Etwas ländlich gelegen und vom Studentenleben geprägt, hat es aber einige Überraschungen zu bieten. Vorausgesetzt, man verlässt den Ortskern.

Erst wirkt alles noch recht stabil, dann aber rattert es und wackelt in der Bahn, die sich sogar leicht in die Kurve lehnt. Die H-Bahn ist das Alleinstellungsmerkmal der Uni. Mit ihr kommt man aber – mit einem Umstieg und reichlich Schwung – auch direkt nach Eichlinghofen. Die Fahrt ist mit 85 Cent so billig, wie sie kurz ist. Als ich dort aus der Gondel steige, regnet es in Strömen. Ich passiere den Campus Süd der TU, die Studenten in der Mensa und suche Zuflucht beim Bäcker im nächsten Supermarkt.

Vom Campus Süd gondelt man recht zügig nach Eichlinghofen. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Bei einem Kaffee beobachte ich die Eichlinghofer beim Einkaufen. Viele junge Leute, aber offenbar auch ein paar ältere Stammgäste. Sicher ist das Sortiment auf die Studenten ausgerichtet. Viel billige Tiefkühlpizza, kistenweise Bier, günstiger Wein. Doch weit gefehlt: „Die Studenten haben Kohle“, sagt eine Mitarbeiterin des Rewe. Billiges Müsli komme den Studierenden hier nicht in den Einkaufskorb. Billiger Schnaps aber auch nicht. Der steht in einer eigenen Vitrine. Ich bin etwas verwundert. Aber die Zeiten ändern sich eben.

Futterdreieck im Zentrum

Als Regen und Kaffee versiegen, traue ich mich wieder raus. An der Straße hat wohl seit Samstag die Kneipe „Zwischenstück“ geschlossen, wie ich im Supermarkt erfahren habe. Warum, weiß keiner so recht. Eine Anwohnerin, die seit 17 Jahren an der Baroper Straße wohnt, meint, so richtig gut besucht sei die Gastwirtschaft nie gewesen. Der Besitzer soll aber lange der gleiche gewesen sein, wissen die Damen aus dem Lottoladen ein Stück weiter.

Das nahe gelegene Zentrum bilden eine Pizzeria, ein winziger Falafel-Laden und ein Restaurant. Quasi das rechtwinklige Futterdreieck für die hungrigen Studenten. Doch so richtig erschwinglich soll der Wohnraum in Eichlinghofen für sie nicht mehr sein, erzählt mir eine rauchende Studentin an der H-Bahn-Station. „Eichlinghofen ist die Grenze dahin, wo die Preise richtig hoch werden“, sagt sie. Für eine Ein-Zimmer-Bude könne man hier gut und gerne 350 Euro hinlegen. Sie wohne seit kurzem im nahen Oespel, weil ihre Wohnheimzeit nach vier Jahren zu Ende ist. Da sei es deutlich billiger. Nach einem letzten hastigen Zug an der Zigarette eilt sie in die nächste Bahn.

Dirk und die Brettspiele

Am Ende der Stockumer Straße gibt es ein Geschäft mit ausladendem Schaufenster. Hier werden Brettspiele aller Art verkauft, erklärt mit Dirk Pullem, der hier zusammen mit seiner Lebensgefährtin arbeitet. Vor gut eineinhalb Jahren sind sie in diesen Laden gezogen. Der Platz in Uninähe sei gut. „Wir haben in Eichlinghofen angefangen und sind dann hier hängengeblieben“, sagt Dirk. Er hat damit sein etwas kauziges Hobby zum Beruf gemacht. Neben deutschen Brettspielen gibt es auch Spielfiguren zum anmalen und die entsprechenden Rollenspiele zu kaufen. Eine völlig andere Welt aus Fantasy, Science-Fiction, oder beidem. Dicke Regelbücher säumen die Regale. „Manche können die auswendig“, weiß der Spielefan.

Dirk verkauft in dem Laden an der Stockumer Straße Brettspiele aller Art. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Kunden und Freunde kommen nach der Arbeit gerne vorbei, um mit Gleichgesinnten eine Runde zu spielen – oder auch nur Figuren zu bemalen. „Das kann so zwischen zwei und 20 Stunden dauern“, sagt Dirk – je nach Figur. Statt selber zu malen, investiert Dirk seine freie Zeit in die Lokalpolitik. Er ist Vorsitzender des Kreisverbands der Piratenpartei. Auch wenn er Beruf und Politik lieber trennen möchte, sprechen wir über die letzte Wahl, bei der seine Partei „richtig zerlegt“ wurde, wie er sagt.

„Digitalisierung ist nicht der Feind“

Das Problem: keinem sei so recht bewusst, welchen Einfluss die Digitalisierung auf fast alle Lebensbereiche habe. Auf autonomes Fahren. Die Industrie. Den öffentlichen Nahverkehr. Dieser Bereich werde von der bisherigen Politik nicht genügend mitgenommen. Ein großer Fehler, findet Dirk: „Die Digitalisierung ist ja nicht der Feind.“ Es gelte aber, sie sinnvoll zu nutzen.

Thorsten Jäschke verkauft in einem Hinterhof Zirkuswagen aller Art. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Als der nächste Regenschauer vorüber ist, ziehe ich weiter. Das Sturmtief „Burglind“ pustet mich dennoch fast von den Beinen. Trotzdem sieht es um die Ecke nicht nur ländlich aus, es riecht auch so. Nach Pferdemist. Bis hinunter zur A45 wechseln sich Häuser und Wiesen ab. Witten ist nicht mehr weit, am Ortsausgangsschild drehe ich um, biege falsch ab und stehe kurz darauf auf dem Hof von Thorsten Jäschke.

Er verkauft hier restaurierte Bau- und Zirkuswagen für Kultur, Essensstände – und zum Wohnen. „Viele Menschen merken gerade, dass es eigentlich ganz cool ist, so einen Zirkuswagen zu haben“, sagt er und begrüßt kurz darauf einen Interessenten für einen schicken dunklen Wagen. Bis zu sieben Meter lang sind die Holzhänger, die es auch bereits voll ausgestattet gibt.

Man kommt gut hin – und weg

Ich verabschiede mich und laufe durch den Regen zurück zur H-Bahn, die mich in Windeseile wieder zur Uni bringt. Von dort aus ist man per S-Bahn schnell in der Stadt. Aber die gute Verkehrsanbindung, die hatten hier ohnehin alle gelobt.