Muffins in Brustform und eine traditionelle Bäckerei: Wie passt denn das zusammen? Die Traditionsbäckerei „Fischer am Rathaus“ in Dortmund ist eigentlich für ihre guten, bodenständigen Backwaren bekannt. Jetzt gibt es dort aber „Titti-Muffins“, also kleine Küchlein in Brustform. Ein Image-Wandel durch anzügliche Aktionen?

Dortmund – Keine Sorge, die Bäckerei „Fischer“ bleibt so bodenständig wie sie ist. Die Mini-Brüste sind Teil einer Aktion des Westfälischen Brustzentrums des Klinikum Dortmund und werden am morgigen Samstag (1. Oktober 2016) kostenlos von den Mitarbeitern zwischen 10 und 14 Uhr dort verteilt, „ergänzt um einen Infoflyer über Brustkrebs-Früherkennung“, sagt Marc Raschke. Der Leiter der Unternehmenskommunikation des Klinikum Dortmund ergänzt: „Neben dem Direktor der Frauenklinik, Prof. Dr. Thomas Schwenzer, werden auch Oberärztinnen aus der Klinik sowie Pflegekräfte am Infostand stehen und die Passanten über die Möglichkeiten der Früherkennung von Brustkrebs beraten.“

Warum gerade jetzt so eine Aktion?

Prof. Schwenzer mit dem Vorsorge-T-Shirt. Foto: Klinikum Dortmund
Prof. Schwenzer in dem Vorsorge-T-Shirt. Foto: Klinikum Dortmund

Das Westfälische Brustzentrum im Klinikum Dortmund feiert in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen. Also stand ein Brainstorming zwischen den Mitarbeitern aus dem Zentrum an, um zu überlegen: Wie macht man auf das Thema Vorsorge und Früherkennung aufmerksam? Und zwar abseits von Flyern, die einem nur in die Hand gedrückt werden oder Vorträgen, zu denen ja doch nur immer die gleichen Verdächtigen kommen. Wie wäre es also mit einer Aktion, die viele erreicht und irgendwie unkonventionell ist? „Inspiriert wurden wir durch ein T-Shirt, das die Brustkrebs-Selbsthilfegruppe „Mamazone e.V.“ vertreibt. Diese T-Shirts werden die ‚Verteiler‘ der Muffins übrigens am Samstag auch am Stand tragen“, verrät Marc Raschke. Auf dem T-Shirt ist zu lesen: „Busen, Tittis, Melonen, Dinger, Knospen, Bälle, Möpse, Glocken, Brüste – nenn Sie, wie Du willst. Aber geh zur Früherkennung. Denn Deine zwei Brüste sind einmalig.“

„Ich persönlich fand die Aufschrift recht mutig, aber zugleich auch sehr angenehm unverkrampft. Es geht schließlich um Menschenleben und vermeidbare Komplikationen einer tückischen Erkrankung, wenn man doch nur endlich das Thema Früherkennung und Brüste etwas tabubefreiter wahrnimmt“, findet der Leiter der Unternehmenskommunikation.

Geburtstagskuchen mal anders

Der "Geburtstagskuchen". Foto: Klinikum Dortmund
Der „Geburtstagskuchen“. Foto: Klinikum Dortmund

Also stand schon mal fest: Unverkrampft soll die Aktion sein. Was noch? „Zum Geburtstag gibt es normalerweise Kuchen. Und wenn wir den mit möglichst vielen Menschen teilen wollen, sind Muffins klasse. Ich hätte natürlich im Traum nicht dran gedacht, dass wir eine Bäckerei finden, die uns diese Muffins backt“, muss Raschke zugeben. Dass auch noch Dortmunds älteste Bäckerei zusagt, hat dann doch überrascht. Auch die Kosten für die Produktion übernimmt das Traditionsunternehmen. Der Teig der etwas skurrilen Muffins ist übrigens ein Buttercreme-Teig, das Topping besteht aus Marzipan. Insgesamt 600 Stück werden produziert und liegen zum Verteilen bereit.

Das Motto der Aktion: „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, dann kommt der Prophet zum Berg – also, raus in die Stadt. Und mit Muffins, die Aufmerksamkeit erzeugen und mit denen das Thema Brustkrebs-Früherkennung quasi ‚in aller Munde‘ ist: im direkten und übertragenen Sinne“, findet Raschke. Wer jetzt sexistische oder perverse Hintergedanken hat, sollte diese ganz schnell vergessen. „Ausdrücklich wollen wir dabei festhalten, dass es uns nicht darum geht, Frauen in ihrer Weiblichkeit zu verletzten oder dem Sexismus manch eines Zeitgenossen einen Gefallen zu tun. Aber wenn ein bisschen Teig und Marzipan dabei helfen, dass wir vielleicht zehn, 20 oder gar 100 betroffene Frauen in Dortmund vor dem Brustkrebs-Tod bewahren können, weil sie durch einen Muffin oder durch Mund-zu-Mundpropaganda von unserer Aktion erfahren haben und rechtzeitig zur Früherkennung kommen, dann hat sich die Aktion gelohnt.“

Mehr Infos zu Brustkrebs

Das Ganze geht aber nicht nur Frauen an. Auch wenn das auf den ersten Blick natürlich so wirkt. Denn auch Männer können an Brustkrebs erkranken – das sind aber deutschlandweit nur einige wenige hundert pro Jahr. Dagegen erkranken 72.000 Frauen pro Jahr in Deutschland an Brustkrebs. 80 Prozent der Knoten in der Brust werden von den Frauen sogar selbst entdeckt, die sich meist recht laienhaft untersuchen, wie Marc Raschke weiß. So seien die Knoten dann schon so groß, dass eine Heilung schwierig werde. Ein solcher Zufallsbefund sei in der Regel durchschnittlich dann bereits 36 mm groß.

Früh erkannt sei aber eine Heilung des Brustkrebses heutzutage möglich. Deshalb sei es auch so wichtig, sich in der Selbstuntersuchung schulen zu lassen. Das ist zum Beispiel am Klinikum Dortmund durch sogenannte „Brustfachschwestern“ möglich. Die Methode heißt „MammaCare“ und ermöglicht, dass geübte Laien bereits Befunde ab einer Größe von 3-5 mm selbst ertasten können.

Übrigens ist die Muffin-Aktion nur Teil einer ganzen Reihe von Aktionen rund um „zehn Jahre Brustzentrum“. Für betroffene Patientinnen sollen zum Beispiel Wolldecken zum Wärmen gestrickt werden. „Oder wir werden durch Verwaltungsgebäude (u.a. der Westfalenhallen) laufen und an die Bürotüren Türhänger anbringen mit der Aufschrift ‚Diese Klinken fassen Sie jeden Tag an – und ihre Brust?‘; auf der Rückseite der Flyer gibt es dann auch Hinweise zur Selbstuntersuchung und Früherkennung von Brustkrebs“, sagt Marc Raschke. Und: Am 5. Oktober wird es eine offizielle Feier zum Jubiläum im Industrieclub Dortmund geben.