Samstag, 22. September 2018

In der Silvesternacht war in Dortmund einiges los. Am Platz von Leeds haben rund 1000 Menschen gefeiert und geböllert. Vereinzelt musste dabei auch die Polizei einschreiten, weil Feuerwerkskörper auf Polizisten und in die Menschenmenge geworfen wurden. Unbekannte versuchen jetzt aber mit einem gefälschten Video Stimmung gegen syrische Flüchtlinge zu machen.

Dortmund – „Silvesterbilder aus der Dortmunder Innenstadt erinnern an Szenen aus Aleppo“, heißt es in der Beschreibung eines Videos, das unter anderem bei Facebook und Twitter geteilt wird. In dem Video sieht man einige Menschen, die sich gegenseitig mit Feuerwerk beschießen. Man hört lautes Knallen und immer wieder auch laute Rufe. Unter dem Video heißt es weiter: „Hunderte Anhänger der Terrormiliz Freie Syrische Armee schrien in der Innenstadt der Ruhrmetropole unter bombenartigem Geknalle fanatisch „Allahu Akbar“. Am Montagnachmittag hatte das Video bei Youtube bereits mehr als 900 Aufrufe.

Tatsächlich war am Platz von Leeds auch eine Gruppe von Syrern. Wie der Ruhr-Nachrichten-Journalist Peter Bandermann berichtete, haben diese dort auch den vorläufigen Waffenstillstand in ihrer Heimat gefeiert.

Video stammt nicht aus Dortmund

Der Haken an der Geschichte: Das Video, das an „Szenen aus Aleppo“ erinnern soll, stammt gar nicht aus Dortmund. Es stammt wohl nicht einmal aus Deutschland. Und es ist auch nicht in der Silvesternacht entstanden. Höchstwahrscheinlich wurden die Szenen bereits einige Wochen zuvor im nordafrikanischen Land Algerien aufgenommen.

Am 14. Dezember wurde das Originalvideo zum ersten Mal bei Youtube hochgeladen. Der ursprüngliche Titel deutet darauf hin, dass es zwei Tage zuvor gedreht wurde. Die Feuerwerkskörper wurden wohl anlässlich eines islamischen Festes zu Ehren des Propheten Mohammed gezündet.

Offenbar wurde dieses Video heruntergeladen und mit dem gefälschten Hinweis auf die Silvesternacht in Dortmund neu hochgeladen. Ein Twitter-Nutzer, der das Video verbreitet, postete gleichzeitig auch Verweise auf eine Website die von Dortmunder Neonazis betrieben wird.

Übrigens: Dasselbe Video kursiert online auch als angebliches Silvester-Video aus Berlin-Wedding und wurde als solches bislang über 80.000 mal angesehen. 

So erkennt ihr Fake News im Internet

Mit ein paar Tricks sind Fälschungen wie dieses Video im Internet oft leicht zu erkennen. Die Suchmaschine Google bietet beispielsweise eine Rückwärtssuche für Bilder an. Dort kann man die Internetadresse eines Bildes eingeben. Bei Youtube-Videos funktioniert das mit dem Vorschaubild des Videos.

Google zeigt daraufhin alle Websites an, auf denen das Bild zuvor bereits veröffentlicht wurde. Um die Rückwärtssuche zu benutzen, müsst ihr im Suchfeld der Bildersuche auf das Kamera-Symbol klicken. Teilweise machen die Erschaffer solcher Fakes es aber etwas schwerer und spiegeln die Bilder vor der Veröffentlichung, oder verwenden nur einen Ausschnitt des Originals.

Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, könnt ihr euch aber auch auf mehreren Websites erkundigen. Der österreichische Verein „Mimikama“ hat sich auf das Aufdecken von Internet-Fakes und Betrügereien spezialisiert. Dort könnt ihr auch potentielle Fakes einschicken und überprüfen lassen.

Die Initiative „Hoaxmap“ hat sich auf Gerüchte und Falschmeldungen über Flüchtlinge und Asylbewerber spezialisiert. Aufgedeckte Gerüchte könnt ihr dort auf einer Google-Map finden.

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