Bild: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Sind die Luftwerte in Dortmund doch nicht so schlecht, wie viele meinen? Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Dortmund hat daran jedenfalls ihre Zweifel. Ein Forscher der FH Dortmund unterstreicht die Bedenken. Einige Messstationen würden verfälschte Sickstoffdioxid-Werte liefern.

An der B1 gibt es gleich zwei Messstationen, die den Stickstoffdioxidwert in der Luft messen. Eine weitere steht in der Nähe des Borsigplatzes an der Brackeler Straße. Das Reizgas – auch NO2 genannt – kann die menschliche Gesundheit nachhaltig schädigen. Deshalb gibt es dafür bestimmte Grenzwerte, die eingehalten werden müssen.

Um zu überprüfen, ob sie überschritten werden, gibt es in Dortmund acht Messstellen. Der Grenzwert liegt bei bei 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter als Jahresmittelwert. Und der wird in Dortmund an einigen Messstationen überschritten. Was wiederum zur Frage führt, wie man den Wert senken könnte.

Stickstoffdioxid überwiegend von Diesel verursacht

Das geht zum Beispiel, indem der Verkehr in Dortmund reduziert wird – Stichwort Dieselfahrverbote. Diesel-Pkw sind laut Umweltbundesamt die Hauptquelle für Stickstoffdioxid. Gegen die Stadt Dortmund läuft diesbezüglich eine Klage der Umwelthilfe.

Oder, so die Überlegung der CDU im Rat der Stadt Dortmund, man schaut, ob überhaupt richtig gemessen wird.

Uwe Waßmann ist umweltpolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion in Dortmund und davon überzeugt, dass mit den Messwerten nicht alles stimmen kann. „Es gibt berechtigte Zweifel“, sagt Waßmann, der mit seiner These Unterstützung von Prof. Dr. Gerhard Wiegleb bekommt.

Prof. Dr. Gerhard Wiegleb vom Fachbereich Elektrotechnik, Lehrgebiet Umwelttechnik, an der Fachhochschule Dortmund.  Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24
Prof. Dr. Gerhard Wiegleb vom Fachbereich Elektrotechnik, Lehrgebiet Umwelttechnik, an der Fachhochschule Dortmund. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Wiegleb forscht und doziert seit 25 Jahren im Fachbereich Elektrotechnik, Lehrgebiet Umwelttechnik, an der Fachhochschule Dortmund und meint: „Man muss darauf achten, was und wie man es misst.“

Messstation an der B1 mit verfälschten Ergebnissen?

Als Beispiel zieht der Professor die Messstation mit dem Kürzel DOB12 am Rheinlanddamm, Höhe Kreuzung Märkische Straße, heran. Das Gerät zur Messung des Stickstoffdioxidwerts liegt etwa einen halben Meter von der Straße entfernt und hängt ein paar Meter über dem Boden.

Hier befindet sich der genaue Standort:

Und hier sieht Wiegleb das erste Problem: Unmittelbar vor der Messstation sind Parkplätze. „Die Messwerte werden dadurch verfälscht“, sagt Wieleb, der auf die europäische Richtlinie zur Messung von Stickstoffdioxid verweist. In einem Passus heißt es dort:

„Der Messeinlass darf nicht in nächster Nähe von Quellen angebracht werden, um die unmittelbare Einleitung von Emissionen, die nicht der Umgebungsluft vermischt sind, zu vermeiden.“

Die direkt an der Messstation stehenden Autos würden beim Starten des Motors aber laut Wiegleb sehr wohl die Werte verfälschen. Dazu käme die Tatsache, dass die Messstelle in der Nähe des B1-Tunnels unter der Märkischen Straße ist. Die Gase der Autos würden je nach Windrichtung aus einer Seite des Tunnels entweichen und den Messwert am Rheinlanddamm beeinflussen.

„Bürger nicht benachteiligen“

„Diese Messstelle ist nicht repräsentativ“, meint CDU-Mann Waßmann abschließend, der jetzt eine Debatte über die korrekte Anbringung der Messstationen entfachen will. Am Ende will er damit Dieselfahrverbote in Dortmund verhindern. „Die Bürger sollten nicht benachteiligt werden, bevor das nicht endgültig geklärt ist“, sagt Waßmann.

Uwe Waßmann ist umweltpolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion in Dortmund. Foto: Joshua Schmitz/Dortmund24

Uwe Waßmann ist umweltpolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion in Dortmund. Foto: Joshua Schmitz/Dortmund24

Der umweltpolitische Sprecher der CDU in Dortmund ist der Ansicht, dass Diesel-Fahrzeuge nicht per se schlecht seien. Er plädiert dafür, ältere Diesel mit der Euro-Diesel-Norm 3 oder 4 zu eliminieren. Moderne Motoren dürften aber nicht von der Straße verbannt werden. „Das hätte Enteignungscharakter.“

Während Professor Wiegleb und CDU-Mann Waßmann die Standorte der Messstellen anzweifeln, stellt sich die Frage, wer die Standorte überhaupt veranlasst und wer sie geprüft hat. Auch darauf gibt es bereits eine Antwort.

LANUV wählte Standorte aus

In NRW war das LANUV, das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz, für die Auswahl der Standorte verantwortlich. Der TÜV Rheinland bestätigte jüngst, die Standorte seien gesetzeskonform.

Mit ihren Zweifeln an den Messstationen zweifeln die CDU und Professor Wiegleb damit also auch an der Kompetenz zweier Institutionen: der des LANUV und der des TÜV Rheinland.

Nicht nur schlechte Beispiele

Doch es gibt für die beiden nicht nur schlechte Beispiel für Messstationen in der Westfalenmetropole. So sei die Messstelle an der B1 am Westfalendamm – Kürzel DOB11 – 3,80 Meter von der Straße entfernt. Und siehe da: Die Messerwerte liegen hier im Jahresmittel unter der geforderte Grenze von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter.

Und: „Trotz der ungewöhnlichen Platzierung der Messstation am Rheinlanddamm würden die Messwerte in wenigen Jahren auch ohne weitere Maßnahmen den Grenzwert unterstreichen“, rechnete Professor Wiegleb aus. Im Jahr 2024 sei laut seiner Prognose allein durch verbesserte Fahrzeugtechnik der Grenzwert unterschritten – rechnet man die aktuell sinkenden Stickstoffdioxidwerte weiter.

Aktuelle Top-Themen:

Jetzt warten die politischen Gremien in Dortmund auf eine Auswertung des LANUV bezüglich der Messstellen, die der Stadtverwaltung noch nicht vorliegen. „Diese wäre dann die Grundlage für eine Debatte“, sagt Uwe Waßmann.

Info: In einer früheren Version dieses Textes hatten wir geschrieben, der TÜV habe nur jene Messstellen in NRW auf die korrekte Auswahl des Standortes überprüft, die besonders hohe Werte angezeigt hatten. Diese seien aber nicht in Dortmund gewesen. Inzwischen hat der TÜV aber auch die übrigen Messstellen in NRW geprüft – auch jene in Dortmund – und ihren Standort für einwandfrei befunden.