Bild: Florian Forth/Dortmund24

In Dortmund musste sich der Immobilienkonzern Vonovia zuletzt im Sommer gegen heftige Vorwürfe wehren. Mieter aus Dortmund Wambel hatten protestiert, als der Einbau einer neuen Heizung als Modernisierung, und nicht als Sanierung verzeichnet wurde – und die Kosten so auf die Mietpreise umgelegt werden konnten.

Es ist eine Gratwanderung: Was zählt als Modernisierung und was als Instandhaltung? Warum diese Frage so wichtig ist: Bei letzterer müssen Mieter nichts zuzahlen. Bei einer Modernisierungsmaßnahme durften Vermieter dagegen bisher elf Prozent der Kosten auf die Jahresmiete aufschlagen. Ab 2019 dürfen es nur noch maximal acht Prozent sein.

Als Modernisierung gilt gemeinhin zwar auch eine neue Heizungsanlage, wie in dem Wohnhaus in Wambel. Dort gestaltete sich die Sachlage aber nicht ganz so eindeutig. Der Vorwurf der Mieter damals: Das Unternehmen ließ eine bestehende Heizung verfallen. So sparte das Unternehmen die Kosten für die Sanierung und kaufte dann eine neue Heizung. Diese Kosten konnten dann auf die Mieter umgelegt werden, da es sich nunmehr um eine Modernisierung und keine Sanierung handelte.

Vonovia beklagt fehlende gesellschaftliche Akzeptanz

Angesichts dieser und ähnlicher Konflikte, denen sich Vonovia immer wieder ausgesetzt fühlt, hat das Unternehmen beschlossen, seine Investitionen in Modernisierungen drastisch zu kürzen. Hintergrund sei eine „dramatisch zurückgegangene gesellschaftliche Akzeptanz für die in der Regel mit Mietsteigerungen verbundenen energetischen Modernisierungen“, so Vonovia-Chef Rolf Buch im Gespräch mit der dpa.

Der Vorstandsvorsitzende der Vonovia Rolf Buch. Foto: Marcel Kusch/dpa

Der Konzern ziehe die „Notbremse“. Vonovia will nicht mehr am Pranger stehen, sagt Hans-Jochem Witzke, Landesvorsitzender des Deutschen Mieterbunds Nordrhein-Westfalen.

Vonovia hatte bislang durchschnittlich sieben Prozent der energetischen Modernisierungskosten – etwa für die Dämmung von Fassaden oder den Austausch alter Fenster – jährlich auf die Miete umgelegt. In Einzelfällen führte das zu Mieterhöhungen von mehr als drei Euro pro Monat und Quadratmeter.

Vonovia investiert in Schweden

Doch das soll sich jetzt ändern. Die energetischen Investitionen sollen um rund 40 Prozent gekürzt werden. Bislang lag die Modernisierungsquote bei Vonovia bei etwa fünf Prozent des Wohnungsbestands. Dieser Wert reduziert sich mit den Kürzungen auf rund drei Prozent. Das Unternehmen will nun nach Angaben von Buch die frei werdenden Mittel verstärkt in Neubauten und in Modernisierungen in Schweden investieren. Hier sei die Akzeptanz deutlich größer.

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Trotzdem: Positiv sieht Vonovia die Maßnahme nicht. „Der zunehmende Verzicht auf energetische Modernisierungen bedeute gleichzeitig einen Rückschlag für den Klimaschutz,“ so Buch. Doch auch hier hält der Mieterbund dagegen. Modernisierungen würden oft gar nicht zu deutlichen Energieeinsparungen führen. „Wenn Häuser immer dicker gedämmt werden, heißt das noch lange nicht, dass sie unbedingt viel Energie einsparen“, so Mieterbund-Sprecherin Silke Gottschalk.

Ihr Vorschlag: Statt die Modernisierungskosten einfach nur anteilig auf die Kaltmiete umzulegen, sei es sinnvoller, sich bei der Umlage an den tatsächlich eingesparten Betriebskosten zu orientieren.

Mit Material der dpa