Bild: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Weil die Baubranche boomt, wächst der Druck auf die Stadtverwaltung. Sie beklagt Engpässe bei Planern, Handwerkern und sogar Material. Grund seien aufwendige Vergabeverfahren. Doch Besserung scheint nicht in Sicht.

Bereits vor Monaten hatte die Stadtverwaltung beklagt, geplante Projekte nicht umsetzen zu können. Insbesondere die hohen Hürden für die kommunalen Investitionsförderprogramme sorgen für Probleme. Denn auch die Baufirmen müssen sich daran halten. Doch viele Unternehmen scheuen den Aufwand des Vergabeverfahrens – und Aufträge gibt es schließlich auch woanders genug.

Trockenbauer und Dachdecker nehmen daher lieber private Aufträge an – und die Stadt steht ohne Angebot da. Von 2014 bis 2017 wurden so 100 Projekte im Jahr abgebrochen. Die Tendenz bei den Vergabeverfahren ist steigend. Und wenn dann doch ein Angebot eintrudelt, liege es mitunter 50 Prozent über dem Kostenplan.

Als Beispiel gibt die Stadt den Rohbau der Reinoldi-Grundschule in Westerfilde (Plus 47 Prozent) und die Container an der Grundschule Brechten (Plus 30 Prozent) an. Auch Straßenerhaltung (bis plus 65 Prozent), Neubau und Ampeln (bis plus 20 Prozent) und Brandschutz am Hauptbahnhof (plus 55 Prozent) kosten teils deutlich mehr, als geplant.

Investitionen nehmen zu – und führen zu Engpässen

Weil viele Förder- und Kreditprogramme parallel laufen, nehmen die Investitionen weiter zu. Von den 4,5 Milliarden Euro an Fördermitteln stehen Dortmund 250 Millionen Euro zu. Damit werden zwischen 2015 und 2023 etwa die kommunalen Investitionsförderprogramme I und II (KIF I, II) sowie das Kreditprogramm „Gute Schule“ finanziert.

Die kommunalen Investitionsförderprogramme I und II (KIF) stellen nach dem Kommunale Investitionsförderungsgesetz (KInvFöG) finanzschwachen Kommunen Gelder für Infrastruktur und Bildungseinrichtungen zur Verfügung. Ziel ist, die Wirtschaftskraft im Bundesgebiet anzugleichen.

Die Gelder werden pauschal zur Verfügung gestellt. So können die Städte eigene Schwerpunkte setzen. Sie zahlen einen Eigenanteil von zehn Prozent.

Ein Flaschenhals ist dabei unter anderem die boomende Baubranche. Denn die Handwerksfirmen haben zwar volle Bücher, suchen aber auch händeringend nach Fachkräften. Deshalb hat etwa der Landesbetrieb Straßen.NRW die Ingenieursbüros angewiesen, die Eckwerte ihrer Projekte um bis zu 30 Prozent zu erhöhen. Und das erst zehn Monate nach der letzten Erhöhung. Zudem seien gute Architektur- und Ingenieursbüros ebenfalls überlastet.

Es fehlt sogar an Baumaterial

Die Stadt wägt dann ab, ob teurer gebaut wird oder sich das Projekt verzögern muss. Geht es dann doch los, fehlten aber oft Baumaterialien: „Vor allem im Tiefbau gibt es vermehrt Engpässe: Schotter, Splitt oder Kies stehen nicht rechtzeitig zur Verfügung, da die Steinbrüche ihre Kunden nicht fristgerecht beliefern können“, klagt die Stadtverwaltung. Bereits bei früheren Konjunkturpaketen sei Stahl knapp geworden.

Auch Spielgeräte würden teils erst nach mehr als einem Jahr Wartezeit geliefert, da die Hersteller am Rande der Kapazität arbeiten.

Was kann die Stadt tun?

Offenbar nicht viel. Mit der Kreishandwerkerschaft Dortmund-Lünen, der Immobilienwirtschaft und dem Vergabezentrum der Stadt gab es bereits eine Info-Veranstaltung. Ob die Handwerker dem dort gemachten Aufruf nachkommen, häufiger an Ausschreibungen teilzunehmen, bleibt abzuwarten.

Im Garten- und Landschaftsbau habe der geforderte Baubeginn von zwölf Tagen nach Auftragserteilung dazu geführt, dass kaum noch Angebote eingingen. Jetzt beugt sich die Stadt – und gewährt längere Fristen.

Damit möglichst wenige Fördergelder flöten gehen, schichtet die Verwaltung nun innerhalb der Förderprojekte um. Dass sich die Lage in der Baubranche kurzfristig entspannen wird, erwartet dort jedoch niemand.