Die Busbranche in Dortmund kann sich vor Arbeit kaum retten, immer mehr Menschen nutzen Busse, um von A nach B zu kommen. Doch immer wieder wird klar: Für die vielen Aufträge gibt es zu wenige Busfahrer. Wie gehen Busunternehmer in Dortmund damit um – und wie sehr trifft das Problem die öffentlichen Nahverkehrsbetriebe wie die DSW21?

Viel von der Welt sehen und nicht ständig den blöden Büronachbarn riechen – romantisch betrachtet ist der Beruf des Busfahrers ganz toll. In der Praxis sieht das wiederum anders aus. Abende auf der Straße statt bei der Familie, Wochenenden, die für Dienste draufgehen, und dann noch der bescheidene Lohn. Bei vielen Busunternehmen in ganz Deutschland macht sich das bemerkbar – und zwar in Form von Busfahrermangel.

Beim Dortmunder Reisedienst Schulz hat sich das Problem auch schon bemerkbar gemacht. „Wir können zum Teil nicht alle Fahrten bedienen und müssen Aufträge abgeben, weil wir nicht genug Busfahrer haben“, sagt Wolfgang Sachweh, der selbst seit 17 Jahren im Betrieb ist. Das Unternehmen fährt die Jugendmannschaften des BVB zu den Auswärtsspielen oder BVB-Fanclubs zu den Spielen der Profis. Arbeit ist also genug da.

Problematisch sei es etwa in den Monaten August bis Oktober, wenn besonders viele Menschen mit dem Reisebus unterwegs seien. „Kegelclubs, Sparclubs oder Schulklassen machen dann besonders viele Ausflüge“, sagt Sachweh. Falle dann ein Busfahrer im Unternehmen aus, wirke sich das katastrophal aus.

Zeit der Busfahrerromantik offenbar vorbei

Neue Busfahrer zu finden wird für Busunternehmen wie den Reisedienst Schulz immer schwieriger. Die Zeit der Busfahrerromantik scheint vorbei zu sein. „Wochenenden braucht man gar nicht großartig für Freizeit einplanen“, erzählt Sachweh. Denn genau dann seien viele Busunternehmen besonders oft im Einsatz. Wer den Beruf machen wolle, müsse ihn einfach lieben. Und dann seien da noch die unrealistischen Gehaltsvorstellungen, die mancher Bewerber habe. Im Schnitt verdienen Busfahrer in der Reisebusbranche um die 2500 Euro brutto. Das wollen viele Bewerber offenbar nicht wahrhaben.

Das nächste Problem: Um überhaupt Busfahrer zu werden, braucht man den Führerschein dafür. Doch genau dafür müssen Bewerber in Vorleistung gehen. Ab 5000 Euro aufwärts muss man für den Führerschein der Klasse D gut und gerne einplanen. Geld, das nicht jeder hat. In bestimmten Fällen übernehmen die Agenturen für Arbeit zwar die Kosten dafür, doch das sei laut eines Sprechers von der „Fördervoraussetzung“ eines jeden Bewerbers abhängig.

Der Busbahnhof in der Nordstadt ist vor allem im Sommer gut besucht – der Zeitraum, in dem besonders viele Busfahrer gesucht werden. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Unterdessen schlägt der Bundesverband der deutschen Omnibusfahrer Alarm: „Wir haben in vielen Regionen praktisch keine Arbeitslosen mehr, die sich auf offene Stellen bewerben könnten“, sagte Karl Hülsmann, Präsident des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer, gegenüber Spiegel-Online. Beim Dortmunder Bus-Unternehmen Lange-Reisen hat man derzeit zwar keine Personalprobleme, weiß aber um die Schwierigkeit der Personalsuche. „Es gibt einfach keine geeigneten Bewerber“, sagt eine Sprecherin. Viele von ihnen kämen auf Vorschlag des Arbeitsamts, hätten aber eigentlich kein Interesse am Beruf des Busfahrers. „Die möchten wir dann natürlich auch nicht haben.“

Weil es bei Lange-Reisen mal Probleme aufgrund des Busfahrermangels gab, entschied man sich dazu, das Schichtsystem zu ändern. Gab es einst Vormittags-, Nachmittags- und Wochenendschichten, setzt man nun auf geregelte Arbeitszeitmodelle. Wochentags von 7 bis 16 Uhr. Für die Fahrten am Wochenende gäbe es bestimmte feste Fahrer.

DSW21 kann noch zufrieden sein

Während der Busfahrermangel bei der Reisebusbranche also voll zu spüren ist, zeigt man sich bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben in Dortmund recht zufrieden. Personalprobleme, erzählt Sprecherin Britta Heydenbluth, habe man bei der DSW21 noch nicht. 1000 Bewerbungen bei aktuell 550 besetzten Stellen gingen laut Heydenbluth Jahr für Jahr bei dem städtischen Unternehmen ein. Wohl auch, weil hier die Voraussetzungen andere sind als in der freien Wirtschaft.

Das beginnt etwa beim Tariflohn. 2400 Euro brutto Grundgehalt gibt es als Busfahrer am Anfang. Gezahlt wird nach Tarifvertrag Nahverkehr in der Entgeltgruppe 5a. Mit den Dienstjahren steigt das Gehalt, für Wochenenddienste und Sonderfahrten gibt es Zuschläge. „Trotzdem ist es so, dass auch wir mehr und mehr das Problem haben, geeignete Kandidaten zu finden“, sagt Britta Heydenbluth. Einen Grund dafür zu finden, sei schwierig und könne nicht an einem Punkt festgemacht werden. Und so überlegt man bei der DSW21, mehr Werbung für den Beruf des Busfahrers zu machen.

Die DSW21 hat noch genügend Bewerbungen für den Job als Busfahrer. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Die Hürden für den Beruf sind relativ niedrig: Man muss mindestens 21 Jahre alt sein, und seit mindestens zwei Jahren einen Führerschein haben. Gute Deutschkenntnisse, Flexibilität, Belastbarkeit und Pünktlichkeit kommen als nötige Fähigkeiten dazu – wie in fast jedem Beruf also. „Alles andere – wie etwa die Preistarife oder das Verhalten in Stresssituationen lernen die Bewerber bei uns“, sagt Heydenbluth. Es bestehe sogar die Möglichkeit, den Busführerschein bei der DSW21 zu machen.

Am Ende wird zumindest in Dortmund also klar: Das Problem ist nicht unbedingt der Beruf des Busfahrers, sondern die Art und Weise, wie er ausgeübt wird. Die Dortmunder Stadtwerke jedenfalls haben (noch) gut lachen.

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