Sonntag, 23. September 2018

Seit Donnerstag (8. März) läuft das Projekt der Deutschen Bahn „Müllbeseitigung via WhatsApp Messenger“ am Dortmunder Hauptbahnhof – und bundesweit. Aber funktioniert dieses augenscheinlich einfache System tatsächlich? Wir waren am Hauptbahnhof und haben den Selbstversuch gemacht.  

Da der Dortmunder Hauptbahnhof, wie viele andere Stationen in Deutschland, immer wieder zugemüllt wird, hat die Deutsche Bahn jetzt ein einfaches Konzept entwickelt, um die Müllsituation in den Griff zu bekommen. Per WhatsApp kann seit Donnerstag jeder Fahrgast den Reinigungskräften Bescheid geben, falls ein Teil des Bahnhofs verdreckt ist. Die DB-Reinigungskräfte kümmern sich dann laut Plakat schnellstmöglich um die Beseitigung des Drecks. Wir haben den neuen Service getestet und eine ganz alltägliche Situation nachgestellt.

Der Selbstversuch

Morgens um 11 Uhr gehe ich zum Dortmunder Hauptbahnhof. Müll ist hier blöderweise kaum zu sehen. Ich beschließe also, selbst welchen zu produzieren. Um die Müdigkeit ein wenig aus dem Kopf zu kriegen, kaufe ich schnell einen Kaffee beim Bäcker. Zwei Schlücke runtergekippt, dann geht es samt Kaffeebecher zum Gleis. Auf dem Weg durch die Bahnhofshalle treffe ich durch Zufall Christoph Metzelder. Ich will über Müll am Hauptbahnhof recherchieren und dann läuft mir diese BVB-Legende über den Weg. Ich schüttle dem Ex-Profi die Hand, wir wechseln zwei Worte. Für Metze geht es dann nach München, für mich ans nächste Gleis.

Wollte über Müll recherchieren und traf Metze am Gleis: Dortmund24-Mitarbeiter Kevin Mattes. Foto: Kevin Mattes/Dortmund24

Müll finde ich auch hier nicht. Ich suche eine Sitzmöglichkeit, der Kaffeebecher kommt auf eine Ablage. Und schwups, schon ist es passiert. Durch eine kleine „Unachtsamkeit“ meinerseits wird mein eigener Ellenbogen zum Auslöser eines Unfalls. Der Kaffeebecher fällt um und saut gleichzeitig den Sitzplatz zusammen mit dem Boden ein (@Deutsche Bahn: Es tut mir wahnsinnig Leid, aber wir mussten euren Service testen!!).

So sah es am Bahnsteig aus, nachdem unser Kaffee-Becher umkippte. Foto: Kevin Mattes/dpa

Zum Glück gibt es den neuen WhatsApp-Service der Bahn. Die Handynummer sowie eine kurze Erklärung findet sich auf diversen Plakaten am Hauptbahnhof. Es sollte also alles reibungslos funktionieren. Ich speichere die Nummer und schreibe schnell eine Nachricht mit dem Inhalt „Liebes DB Team, in der Kabine am Gleis X wurde ein Kaffeebecher über dem Sitz verschüttet“.

Schnelle Reaktion der Deutschen Bahn

Die Reaktion der Bahn lässt nicht lange auf sich warten. Zwei Minuten später folgt die Antwort:“Danke für Ihre Nachricht. Wir kümmern uns um ihr Anliegen. Nach Erledigung werden wir ihre Rufnummer bei uns löschen.“

Diese Nachricht haben wir der Deutschen Bahn via WhatsApp zugestellt. Foto: Kevin Mattes/Dortmund24

Jetzt wird es spannend. Ich stelle mich etwa 50 Meter von der „Unfallstelle“ hin und beobachte, was passiert. Laut Bahn wird sich „schnellstmöglich“ um dieses Problem gekümmert.

Nach zehn Minuten kommt mir ein freundlicher Bahnmitarbeiter mit Wischmob und Wassereimer entgegen. Allerdings läuft er an unserem Testgleis vorbei, stellt seinen Wischmob in die Ecke und genießt offensichtlich seine Raucherpause. Anschließend verschwindet er im Bahnhofstrubel. Er war scheinbar nicht für unseren Kaffeefleck verantwortlich. Ich warte also weiter. Nach einer Stunde ist noch nichts passiert und die Kaffeepfütze scheint sich von selbst aufzulösen. Eine weitere Stunde und zwei Milchkaffees in der Redaktion später erhalten wir eine weitere WhatsApp-Nachricht mit folgendem Inhalt:

Ein kurzer Marsch zurück zum Bahnhof bestätigt den Inhalt der Nachricht. Der Kaffeebecher ist beseitigt und der Sitz wieder benutzbar. Von unserem Unfall ist nichts mehr zusehen.

Service funktioniert, braucht aber etwas Zeit

Über die Qualität der erledigten Arbeit kann man nur lobende Worte verlieren. Das Timing bzw. die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern der Deutschen Bahn könnte noch etwas optimiert werden.

Es bleibt festzuhalten, dass der angebotene Service funktioniert und der Müll entsorgt wird. Es ist also langfristig denkbar, die Verschmutzung im Hauptbahnhof so besser in den Griff zu bekommen. Voraussetzung dafür ist aber, dass genügend Leute diesen Service annehmen und das Personal nach Möglichkeit schneller eingreift. Aber der Service ist ja noch jung.

Update, 4. April, 12:35 Uhr: Im ersten Monat ihres Schmutz-Meldedienstes per WhatsApp in NRW ist die Bahn nach rund 200 Hinweisen von Kunden tätig geworden. Das Projekt sei gut angelaufen und werde gut genutzt, teilte ein Sprecher der Bahn der Deutschen Presseagentur am Mittwoch in Düsseldorf mit.

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