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Wer als freiberufliche Krankenschwester oder Pflegekraft arbeitet, geht einer selbständigen Tätigkeit nach. Das behaupten zumindest die Freiberufler. Im Berufsalltag stoßen sie jedoch häufig auf den Vorwurf der Scheinselbständigkeit. Daraus ergeben sich Probleme in der Jobfindung.

In der Pflege ist ständig Not am Mann, hört man immer wieder. Doch greifen Krankenhäuser und Pflegeheime möglicherweise nicht auf alle ihnen mögliche Ressourcen zurück?

Krankenschwester findet trotz Ausbildung keinen Job

Jacqueline Koca arbeitet als freiberufliche Krankenschwester und hat Probleme, einen Job im Krankenhaus zu finden. Das erzählt sie im Gespräch mit Dortmund24.

Im Rahmen der neuen Verordnung von Bundesgesundheitsminister Spahn las die 28-Jährige von dem offenen Brief, den die Dortmunder Kliniken Ende Oktober an den Minister geschrieben haben.

Die besagte Verordnung sieht vor, dass es ab dem 1. Januar 2019 eine Mindestgrenze für Pflegekräfte in deutschen Kliniken geben soll. 

Der Wunsch nach einer freien Zeiteinteilung

Wie kann es sein, dass eine examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin in diesen Zeiten keinen Job bekommt? Jacqueline Koca machte ihren Abschluss im Jahr 2013 und war zunächst in einem Krankenhaus angestellt. Die Probleme entstanden, als die junge Frau eine Familie gründete. Heute hat sie zwei kleine Kinder und möchte sich ihre Arbeitszeit freier einteilen.

„Am Anfang habe ich nebenher gearbeitet und Nachtdienste gemacht. Als ich meinen alten Arbeitgeber dann auf einen neuen Vertrag ansprach, gab er mir zu verstehen, dass das Krankenhaus keine Nachtschichtverträge mache“, sagt Koca gegenüber Dortmund24.

Danach hat die 28-Jährige dann immer mal wieder auf 450-Euro-Basis in Pflegeheimen gearbeitet. Im Mai 2018 kam ihr dann die Idee mit der Selbständigkeit in den Sinn. „Soweit ich weiß, darf man sich in jedem Beruf selbständig machen“, erklärt sie ihr Handeln. Seit August versucht sie nun als freiberufliche Krankenschwester einen Job zu finden.

Deutsche Rentenversicherung spricht von Scheinselbständigkeit

Doch bisher ohne Erfolg. Die Gründe hierfür liegen für sie auf der Hand: Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) mache den Freiberuflern Probleme in der Ausübung ihrer selbständigen Tätigkeit.

Außerdem hätten Krankenhäuser und Pflegeheime oft Angst vor der DRV, weil diese behaupten würde, Krankenschwestern wären scheinselbständig und führen ihren Job ausschließlich auf Anweisung von Ärzten aus. Auf Anfrage von Dortmund24 heißt es von Seiten der DRV:

„Die Pflege in einem Krankenhaus bzw. Alten- oder Pflegeheim wird durch eine Vielzahl von abhängig beschäftigten Pflegekräften sichergestellt. Wird eine solche Stelle zeitlich begrenzt durch eine Ersatzpflegekraft besetzt, wird die Ersatzkraft in das Gesamtgefüge eingegliedert und ist ebenfalls abhängig beschäftigt.“

Krankenhäuser sollten bei der Zusammenarbeit mit freiberuflichen Pflegekräften einiges beachten. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Außerdem seien die „freiberuflichen“ Pflegepersonen weisungsgebunden und ihre Arbeitsleistungen unterschieden sich nicht von der der fest angestellten Pflegepersonen. Deshalb spräche man in einem solchen Fall von einer Scheinselbständigkeit.

So ist die Situation im Dortmunder Klinikum

„Das Klinikum Dortmund arbeitet mit Freiberuflern zusammen. Wenn eine Krankenschwester jedoch fünf Tage in der Woche in ein und derselben Einrichtung arbeitet, hat sie im Prinzip nur einen Arbeitgeber. Da wird man dann natürlich schon skeptisch“, sagt Klinikums-Pressesprecher Marc Raschke gegenüber Dortmund24.

Dann müssen die Krankenhäuser möglicherweise mit Konsequenzen rechnen. Denn „sofern im Rahmen einer Betriebsprüfung festgestellt wird, dass in einem Krankenhaus Pflegekräfte als selbständig Tätige abgerechnet werden, die tatsächlich abhängig beschäftigt sind, werden Gesamtsozialversicherungsbeiträge und Arbeitgeberumlagen für die Beschäftigungszeiträume nachgefordert.“

Krankenschwestern sind nicht überall einsetzbar

Solche Prüfungen werden regelmäßig durchgeführt. Hier würden laut der Deutschen Rentenversicherung die vertraglichen Vereinbarungen und die tatsächlichen Verhältnisse der Ausgestaltung der Arbeitsleistung geprüft. Hier gelte also Vorsicht.

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Marc Raschke vom Klinikum Dortmund gibt außerdem zu bedenken, dass viele Krankenschwestern nicht in allen Fachbereichen einsetzbar sind. „Es wird ja vor allem Pflegepersonal für die Intensivpflege gesucht. Und das ist gar nicht so einfach“, so Raschke.