Bild: René Werner

Es ist der 24. Oktober gegen 22 Uhr abends. Die 37-jährige Nancy Hanif kann sich vor Schmerzen nicht mehr bewegen. „Es war, als ob mein Bauch platzen würde“, erzählt sie. Ihr Ehemann tut das einzig Richtige und wählt den Notruf. Was dann passiert, ist unglaublich.

Ein Rettungswagen mit drei Sanitätern kommt zur Wohnung der vierköpfigen Familie in der Nordstadt. Die Vitalwerte von Nancy Hanif werden gemessen. Die Rettungskräfte können erst einmal nichts Schlimmes feststellen.

Vorwurf des Sanitäters: Nancy Hanif simuliert

Für einen der drei Sanitäter anscheinend Grund genug, der Frau zu unterstellen, dass sie simuliert. Sinngemäß habe er gesagt, dass Nancy Hanif schauspielert. Ihr Mann drängt trotzdem darauf, dass sie mit ins Krankenhaus genommen wird.

Nancy Hanif Foto: privat

Dort ist schon nach einer kurzen Untersuchung klar: die 37-Jährige muss sofort operiert werden. Durch eine unbemerkte Eileiterschwangerschaft ist der Eileiter geplatzt. Die Mutter hatte bereits zwei Liter Blut im Bauchraum. Ohne die Operation wäre sie vermutlich gestorben.

37-Jährige hofft auf Entschuldigung

Die behandelnde Ärztin riet der Frau, bei der Feuerwehr Beschwerde einzureichen, was diese auch umgehend getan hat. „Ich wünsche mir eine Entschuldigung. Wer so mit Menschen umgeht, hat den falschen Job gewählt.“

So habe der Sanitäter immer weder gesagt, dass die Schmerzen von Nancy Hanif ja wohl nicht so schlimm sein könnten. Die Fahrt ins St. Josefs Hospital erfolgte erst auf ausdrückliche Bitte der Familie. Dabei habe der Mann noch mit gehässigem Unterton gesagt, dass sie die Fahrt dann aber selbst bezahlen müssten.

„Das war die schlimmste Fahrt meines Lebens“

Da Nancy Hanif weder liegen noch sitzen konnte, ist sie die zwei Stockwerke bis zum Krankenwagen mithilfe eines anderen Sanitäters gelaufen. Dort angekommen, ging es mit den Sprüchen weiter: ‚Sehen sie, so schlimm kann es ja nicht sein, sie sind gerade zwei Etagen hinunter gelaufen‘, soll der Mann ihr gesagt haben.

Auch im Krankenwagen hätten die Sticheleien nicht aufgehört, sodass Nancy Hanif heute sagt: „Das war die schlimmste Fahrt meines gesamten Lebens.“ Inzwischen geht es ihr den Umständen entsprechend wieder besser.

Vertrauen in Rettungsdienst erschüttert

Psychisch sei es aber immer noch schwer zu verstehen, was da genau passiert ist. Denn eigentlich ist ihr Vertrauen in den Rettungsdienst immer hoch gewesen. Sollte noch einmal etwas passieren, möchte sie aber am liebsten keinen Krankenwagen mehr rufen.

Inzwischen klärt die Feuerwehr Dortmund, was an dem Abend passiert sein könnte. Die Beschwerde von Nancy Hanif wurde angenommen. Zuerst wurde geklärt, wer genau an diesem Abend Dienst auf dem Rettungswagen hatte.

Sanitäter müssen Stellung nehmen

Das sind nicht nur städtische Mitarbeiter, sondern können auch Sanitäter von Hilfsorganisationen wie den Maltesern oder den Johannitern sein. Die Rettungskräfte müssen eine Stellungnahme abgeben. Daraufhin bekommt Nancy Hanif eine Antwort, wahrscheinlich in Form einer Entschuldigung.

Bei gravierenden Fällen könnte, wie Pressesprecher André Lüdecke erklärt, auch Schadenersatz gezahlt werden. Das komme aber nur sehr selten vor. Unter das Siegel gravierende Schäden fallen dabei ‚Folgeschäden aufgrund von Fehlbehandlungen.‘

Für die entsprechenden Mitarbeiter kann ein solches Verhalten ebenfalls Konsequenzen haben. Das geht von der Rüge bis zum Rausschmiss, wobei Pressesprecher Lüdecke kein solcher Fall in den vergangenen Jahren in Dortmund bekannt ist.

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„Wir sind auch nur Menschen“

Wahrscheinlich ist auch, dass der Fall von Nancy Hanif Eingang in die jährlichen Schulungen der Mitarbeiter findet. Dort könnte beispielsweise daraufhin sensibilisiert werden, dass auch Bauchschmerzen etwas Schlimmes bedeuten können.

Pressesprecher Lüdecke sagt außerdem: „Jeder hat mal einen schlechten Tag, auch wenn das im Dienst eigentlich nicht passieren sollte. Wir sind auch nur Menschen.“