Mit dem Fahrrad durch die Dortmunder Innenstadt und das ohne parkende Autos auf dem Fahrradweg? Das soll durch den geplanten Radschnellweg Ruhr bald in Dortmunds Stadtbezirken möglich sein. Die Strecke konnte am Sonntag (25.6.) von Interessenten abgefahren werden. Wir sind mitgeradelt.

Dortmund – Die Stadtbezirke Innenstadt-Ost, Innenstadt-West und Brackel sollen schon bald zum geplanten Radschnellweg Ruhr gehören. Die SPD-Stadtbezirke haben zu einer Radtour durch die Viertel eingeladen. Die hat gezeigt, dass es um die Radwege in der Stadt nicht gut bestellt ist.

Oft werden Fahrradwege durch parkende Autos blockiert, oder es ist gar nicht ersichtlich, wo der Radweg beginnt oder endet. Das führt zu Irritationen und teilweise auch zu Wut bei Radliebhabern. Schon zu Beginn wird klar: der Radschnellweg Ruhr ist zwar eine schöne Sache, birgt aber auch Schwierigkeiten.

Kreuzviertel als Problem-Fahrradviertel

Besonders umstritten ist das Kreuzviertel in den Gesprächen um den Radschnellweg Ruhr. Betroffen sind hier der Sonnenplatz und die Sonnenstraße: die Fahrbahn ist sehr eng und die Parkplätze sind rar. Durch den Umbau in eine Fahrradstraße würden viele Parkplätze wegfallen und die Parksituation noch verschlimmert. Staus könnten entstehen und dadurch auch die Verkehrssituation verschlechtert werden.

Fahrradfahrer G. Ernst sagt, dass die meisten Leute im Kreuzviertel einen Vorbehalt gegen den RS1 haben. Wenn aber die Parkflächen der Fachhochschule und das Parkhaus des Klinikums genutzt werden können, würde sich die Situation vielleicht entspannen und auch im Kreuzviertel zu mehr Akzeptanz führen.

Fahrradtour der RS1-Strecke in Dortmund. Foto: Ann-Kristin Pott/Dortmund24
Fahrradtour der RS1-Strecke in Dortmund. Foto: Ann-Kristin Pott/Dortmund24

Erneuerung der Sonnenstraße bis 2018

Eine Brücke kommt im Kreuzviertel nicht infrage, dazu fehlt der Platz. Brücken über die Hohe Straße und die Ruhrallee seien aber geplant. Dieser Ausbau wird aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Sonnenstraße soll bis 2018 als Fahrradstraße erneuert werden. Dafür wird die Fahrbahn neu asphaltiert. Das ist auch nötig, denn die Schlaglöcher sind bei herkömmlichen Fahrradsätteln deutlich spürbar.

An der Kreuzung Sonnenstraße / Hohe Straße befindet sich ein 5 Meter breites Gleisbrett, das nicht mehr genutzt wird und als Fahrradtrasse dienen könnte. Allerdings wird noch mit der Bahn verhandelt, ob die Bahnbrücke tatsächlich als Fahrradtrasse genutzt werden kann.

Innenstadt-Ost unkomplizierter

Im Osten der Dortmunder Innenstadt ist das Problem des RS1-Umbaus weniger groß. Auf der Strecke befinden sich weniger Kreuzungen und Ampeln und die Trassenführung ist recht einfach: Der RS1 soll entlang der S4 bis zum Heiliger Weg führen. Die mitradelnden SPD-Mitglieder betonen während der Stopps, dass nicht nur an die Fahrradfahrer, sondern auch an die Autofahrer gedacht werden muss und nach einer zukunftsreifen Lösung für alle gesucht wird.

Fahrradtour der RS1-Strecke in Dortmund. Foto: Ann-Kristin Pott/Dortmund24
Fahrradtour der RS1-Strecke in Dortmund. Foto: Ann-Kristin Pott/Dortmund24

Einige Autofahrer scheinen so ihre Probleme mit Fahrradfahrern zu haben. Das wurde auch auf der Radtour deutlich. Wenn eine so große Gruppe von Radlern geschlossen eine Straße überquert, kann das schon einige Minuten Wartezeit für Autofahrer bedeuten. Ein Fahrer wurde sogar so ungeduldig, dass er fast losgefahren wäre. Zum Glück konnte er sich dann doch noch zurückhalten und hat sich für ein Hupkonzert mit zwei anderen Autofahrern entschieden.

Radschnellweg-Konzept insgesamt positiv

Insgesamt scheint die Idee einer umweltfreundlichen Verkehrsvariante positiv aufgenommen zu werden. Fabian Menke, Teilnehmer der Radtour und Teammitglied von VeloCityRuhr, findet es positiv, dass sich die Politik für Radfahrer und dadurch auch für eine Politik, die dem Klimaschutz entgegenkommt, einsetzt. Es liegt aber auch beim Menschen selbst zu überlegen: Muss ich für diese kurze Strecke jetzt wirklich ein Auto nutzen, oder geht das auch zu Fuß oder mit dem Rad?

Fabian Menke von VeloCityRuhr bei der RS1-Probefahrt. Foto: Ann-Kristin Pott/Dortmund24
Fabian Menke von VeloCityRuhr bei der RS1-Probefahrt. Foto: Ann-Kristin Pott/Dortmund24

Menke wünscht sich ein „intuitives Fahrradstraßensystem, das erlebt und gelebt werden kann“. Das muss aber erstmal umgesetzt werden. Denn gerade in der Innenstadt fangen manche Radwege irgendwo an und enden ganz plötzlich. Es gibt auch Kreuzungen, an denen nicht eindeutig ist, wie abgebogen werden muss. Solche Hindernisse sollen beseitigt werden.

Der RS1 könnte eine Alternative bieten und ein Anreiz für Städte sein, um solche Probleme lösen. Bis wir ein endgültiges Ergebnis sehen, müssen wir uns noch bis mindestens 2020 gedulden. Aber der Startschuss ist gemacht.