Bild: Innenministerium NRW

Auf den ersten Blick sehen die Plakate aus wie Propaganda der Terrororganisation IS – dahinter steckt jedoch das Innenministerium in NRW. Eine neue Kampagne soll auf Aussteigerprogramme aufmerksam machen.

Wer in den kommenden Tagen durch die Dortmunder Nordstadt läuft, den könnte bei diesem Anblick ein mulmiges Gefühl beschleichen: Schwarze Plakate im Stil der Terrororganisation „Islamischer Staat“ – kurz IS – zieren manche Straßen in der Dortmunder Nordstadt.

Dahinter stecken jedoch keine Propagandaversuche des Islamischen Staats, sondern das NRW-Innenministerium. Die arabisch anmutende Schriftzeichen vermitteln keine Hassbotschaft. Stattdessen fragen sie: „Du willst im Hier und Jetzt leben?“.

Mit der Kampagne will das Innenministerium auf das Aussteigerprogramm für Islamisten und Salafisten aufmerksam machen. 680 Plakate wurden dafür gedruckt. Seit Anfang November hängen sie in 18 Städten in NRW – bevorzugt in Stadtteilen, in denen viele Muslime leben. Auch die Dortmunder Nordstadt gehört dazu.

Diese Slogans sollen radikale Muslime ansprechen

Mit weiteren Slogans wie „Dein Islam braucht kein -ismus?“ will das Innenministerium für das Beratungsangebot „API – Aussteigerprogramm Islamismus“ werben. „Die Programme verfolgen das Ziel, junge Menschen am Beginn einer möglichen Radikalisierung aufzufangen“, so Innenminister Herbert Reul.

Laut einer Sprecherin des Innenministeriums habe es nach dem Start der Plakataktion Anfang November einige Kontaktaufnahmen gegeben. Ob das tatsächlich an den Plakaten liege, könne man jedoch nicht eindeutig sagen. Bei den Kontaktaufnahmen handele es sich manchmal auch um Angehörige oder Menschen, die sich informieren möchten.

Verärgerte Muslime sehen Islam verleumdet

Aber nicht alle haben die Plakataktion positiv aufgefasst. Einige verärgerte Muslime finden, dass der Islam dadurch in ein schlechtes Licht gerückt wird. Die Antwort der Ministeriumssprecherin: „Das ist natürlich nicht unsere Intention. Wir verwenden keine Symbole des Islam, sondern benutzen der verbotenen Terrororganisation ähnelnde Zeichen.“

Ein weiteres Problem mit den Plakaten: Um die Botschaft zu verstehen, müssen die Betroffenen auch Deutsch können. Eine arabische Übersetzung gibt es nicht. Laut Bogdan habe das mit der Zielgruppe zu tun: „Salafisten sprechen untereinander Deutsch – gerade die, die schon in der Szene drin sind.“

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Plakate in Dorstfeld richten sich an Rechtsextreme

Das Innenministerium will mit seiner Plakatkampagne aber nicht nur Islamisten und Salafisten ansprechen. In Dorstfeld sollen Rechtsextreme durch die Plakate auf das Aussteigerprogramm „Spurwechsel“ aufmerksam gemacht werden. Auch hier soll vor allem die Optik ins Auge stechen.

Das Innenministerium will mit Plakaten Rechtsextreme auf ihr Aussteigerprogramm Spurwechsel aufmerksam machen.
Das Innenministerium will mit Plakaten Rechtsextreme auf ihr Aussteigerprogramm Spurwechsel aufmerksam machen. Foto: Innenministerium

„Den Nazi-Stempel wäre ich nie mehr losgeworden…“ ist nur einer der Slogans, mit denen das Innenministerium Rechtsextreme zum Aussteigen ermutigen möchte.