Sonntag, 23. September 2018

Hoher Besuch im Polizeipräsidium Dortmund: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Dienstag (13. März) seinen bereits für November geplanten Antrittsbesuch in Dortmund nachgeholt. Mit jungen Polizisten hat er über ihren Beruf, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung, die Nordstadt und BVB-Spiele gesprochen.

Dutzende Journalisten und Polizisten in einem Raum. Alle Kameras sind auf den Treppenaufgang gerichtet, an dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit seiner Frau Elke Büdenbender erscheint. Die beiden setzen sich mit zehn Polizisten im Alter zwischen etwa 25 bis 40 Jahren in einen Stuhlkreis. Dazwischen Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange und NRW-Innenminister Herbert Reul. Eine Konstellation, die die Haltung unterstreicht, die Frank-Walter Steinmeier ausstrahlt: Erzählen Sie mir von Ihrem Beruf, ich höre gespannt zu.

Bundespräsident Steinmeier Dortmund Polizei
Im Stuhlkreis: Polizeipräsident Gregor Lange (Zweiter von links), Elke Büdenbender, Frank-Walter Steinmeier und NRW-Innenminister Herbert Reul. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Steinmeier selbst kommt nicht viel zu Wort. Hauptsächlich stellt er eine knappe Stunde lang Fragen – interessiert und verständnisvoll. Die Hauptthemen: Nordstadt, BVB-Spiele, der Polizistenberuf und das sinkende Sicherheitsgefühl der Bevölkerung.

Nordstadt

Nicht lange fackeln, sondern direkt los. Der Bundespräsident beginnt gleich mit einem Dortmunder Problemthema: Der Nordstadt. „Ich weiß, dass die Situation in einem Stadtteil in Dortmund besonders schwierig ist. Deshalb will ich wissen: Wie nehmen Sie die Situation wahr?“, fragt er in die Runde der jungen Polizisten.

Eine kleine dunkelhaarige Frau in Uniform meldet sich zu Wort. Stefanie Goncalves Peixote arbeitet seit zweieinhalb Jahren in der Polizeiwache in der Nordstadt – freiwillig. „Ich habe mich bewusst entschieden, dort hinzugehen“, sagt die 25-Jährige. Sie habe in dem Stadtteil gelebt, bis sie 14 Jahre alt war. „Ich hatte nie Angst, mich dort zu bewegen“, sagt sie entschieden. Und es gebe viele Menschen, die gerne in der Nordstadt leben würden.

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Stefanie Goncalves Peixote arbeitet seit zweieinhalb Jahren in der Polizeiwache in der Nordstadt. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Auch Steinmeiers Frau Elke Büdenbender wirft hin und wieder Fragen ein. „Ist es für Sie wichtig, dass Sie dort Präsenz zeigen?“, fragt sie. Sehr wichtig, meint die 25-jährige Polizistin. Das komme bei vielen Bürgern sehr gut an, die sich auch dankbar zeigen. Sie schenken den Beamten angeblich kleine Geschenke zu Weihnachten.

BVB-Spiele

Nächstes Dauerthema in Dortmund: BVB-Spiele. Christoph Nikolas, der im Rufdienst arbeitet, will etwas dazu sagen. „Wenn man Glück hat, sind die Vereine nur rivalisierend“, meint er mit Anspielung auf die zunehmenden Fan-Verfeindungen. Die Runde lacht.

Die Ultra-Gruppen hätten in den vergangenen Jahren viel Zulauf bekommen. Die Polizisten erzählen, dass bei einem Spiel gegen Augsburg vielleicht eine Hundertschaft Polizisten reicht. Aber gegen Schalke seien schon acht bis neun Hundertschaften nötig.

Polizistenberuf

„Was haben denn Ihre Freunde gesagt, als sie erfuhren, dass Sie Polizisten werden möchten?“, will Steinmeier als Nächstes wissen. Das war bei den jungen Beamten ganz unterschiedlich. Die Auszubildende Sarah Christin Levèvre antwortete: „In meiner Familie haben sie sich gefreut, aber meine Freunde haben mich nicht verstanden.“ Sie hätten gefragt, warum sie das mache. Aber eigentlich ist es ein ganz normaler Beruf, meint Levèvre.

Ganz anders ist es bei ihrem Azubi-Kollegen Ajwad Rostom. „Alle haben damit gerechnet, dass ich mal Polizist werde“, sagt er. „Und meine Mutter war stolz.“ Laut NRW-Innenminister Reul bewarben sich im vergangenen Jahr 11.600 Bewerber auf 2.000 Stellen – was seiner Ansicht nach zeigt, wie beliebt der Job ist.

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Auszubildender Ajwad Rostom erzählte, dass seine Mutter stolz auf seine Berufswahl ist. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

Sicherheitsgefühl

Der Bundespräsident spricht zuletzt das subjektive Empfinden von Sicherheit an. Das ist in den vergangenen Jahren gesunken – laut Polizeipräsident Lange im Gegensatz zur tatsächlichen Sicherheit. Die sei eigentlich gestiegen. „Wir konnten die Kriminalität zurückfahren, vor allem auch in der Nordstadt“, sagte er.

Er nennt ein paar Zahlen: Fast 20 Prozent weniger Straßenkriminalität. Halb so viele Straßenraub-Fälle wie vor fünf Jahren. Eine Aufklärungsquote von 63 Prozent in der Nordstadt. „Aber kein Mensch will das wissen“, sagte Lange. Er denkt, dass das Gefühl von Unsicherheit auch von globalen Bedrohungen wie dem Terrorismus kommt.

In Dortmund werde derzeit immer häufiger ein wirksames Mittel gegen Kriminalität eingesetzt: beschleunigte Verfahren bei der Staatsanwaltschaft. Dazu schildern noch einmal die jungen Beamten ihre Erfahrungen. Stefanie Goncalves Peixote aus der Nordstadt-Wache erklärt, dass die Verfahren zum Beispiel bei Ladendiebstählen oder bei wohnungslosen Straftätern eingesetzt werden. Statt die Täter wie früher nach der Bestandsaufnahme direkt wieder aus der Wache zu entlassen, kommen sie über das beschleunigte Verfahren direkt in Untersuchungshaft.

Als die letzten Minuten des Besuchs anbrechen, will Steinmeier eine konstruktive Lösung finden: Wie könne man das Sicherheitsgefühl der Menschen wieder steigern? Schwierige Frage. Der Polizeipräsident meint, man müsse den Bürgern zeigen, dass die Polizei Konzepte habe und Probleme angehe. Eine Polizistin meinte: „Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig.“ Das haben sie an diesem Dienstag auf jeden Fall erledigt.

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Der Medienrummel beim Antrittsbesuch war groß. Foto: Sandra Schaftner/Dortmund24

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