Am Samstag haben in Dortmund etwa 600 Neonazis demonstriert. In der gesamten Stadt kam es zu zahlreichen Gegen-Demonstrationen, die weitgehend friedlich verlaufen sind. 

Schon am Morgen herrscht in der Stadt angespannte Stimmung. Das übliche Bild aus Familien beim Shoppen und Junggesellenabschieden wird unterbrochen von massiver Polizeipräsenz. Über der City kreist pausenlos ein Helikopter. Der Wallring ist teilweise gesperrt.

Wer vom Hauptbahnhof in Richtung Westenhellweg will, bekommt an der Katharinentreppe das Grundgesetz von den beiden Jugendorganisationen der CDU und der FDP, der Jungen Union und den Jungen Liberalen. geschenkt. Die Aktion ist nur ein Gegenprotest von vielen an diesem Tag.

Neonazi-Demo Dortmund am 14. April 2018 Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24
Von den Jungen Liberalen und der Jungen Union gab es das Grundgesetz geschenkt. Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24

Die Neonazis sollen sich um 13 Uhr hinter dem Hauptbahnhof treffen. In Sichtweite dazu hat sich seit 11 Uhr vor der Steinwache die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) postiert. Bunte Plakate, Sitzgelegenheiten und Kaffee und Kuchen – das Publikum ist eher älter, lässt es sich aber nicht nehmen, den Neonazis Paroli bieten zu wollen. „Es geht darum, die Steinwache zu schützen“, sagt Ulrich Sander, Bundessprecher der VVN.

Bei Kaffee und Kuchen blickten die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes det Neonazi-Demo entgegen. Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24

Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus mit bunter Gegendemo

Während am Hauptbahnhof nach und nach die ersten Neonazis eintreffen, formiert sich gegen 12.30 Uhr in der Kampstraße die erste große Gegen-Demonstration des Tages. Der Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus macht sich mit rund 1.000 Teilnehmern auf den Weg durch die Kampstraße in Richtung Wall und dann über den Ostenhellweg zur Katharinenstraße.

Bei diesem Protest versammeln sich unter anderem Mitglieder der Kirchen in Dortmund, der SPD, der Grünen, der Arbeiterwohlfahrt (Awo) sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Aus Boxen auf einem Bulli ertönt laute Musik. Die Teilnehmer wirken gut gelaunt und entspannt.

Zusammentreffen von Polizei und linken Demonstranten

Wer auf Twitter dem Hashtag #do1404 folgt, bekommt einen guten Eindruck, was außerdem in Dortmund los ist. Linksextremisten sind in großer Zahl angereist. Sie halten die Polizei seit den Morgenstunden auf Trab. In einer ersten Pressemitteilung berichtet die Polizei gegen 14.30 Uhr: „Im Bereich des Klinikviertels versuchten seit dem Vormittag mehrere Störergruppen die Sperren der Polizei zu überwinden. Dies konnte die Polizei bislang verhindern. Des Weiteren kommt es hier aktuell zu sogenannten „Laufspielen“ um die Polizei zu binden.“

Einen guten Eindruck gibt dieses auf Twitter geteilte Video, auf dem zu sehen ist, wie Polizei und Demonstranten im Westpark aufeinanderprallen. Ebenfalls im Westpark wurde wohl eine Frau verletzt, was die Polizei gegenüber den Ruhr Nachrichten bestätigte.

BlockaDo startet mit Verspätung, dafür mit 2.000 Mann

Parallel zur Gegendemonstration des Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus sammelt sich das Bündnis BlockaDo am Stadthaus. Gegen 14.15 Uhr brechen etwa 2.000 Menschen auf, um ebenfalls ein Zeichen gegen Rechts zu setzen. Hier sind unter anderem Mitglieder der Partei Die Linke, der Partei und der Antifa. Iris Bernert-Leushacke, Sprecherin von Blockado, zeigt sich gegen 13.30 Uhr optimistisch: „Es sind nur 200 Nazis gekommen.“

Neonazi-Demo Dortmund am 14. April 2018 Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24
Beim BlockaDo-Bündnis gab es kreativen Protest zu bestaunen. Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24

Diese Aussage bestätigt sich im Tagesverlauf nicht, denn hinter dem Hauptbahnhof sind währenddessen rund 600 Neonazis zusammengekommen, die ihre Kundgebung gegen 14 Uhr beginnen. Gegen 14.43 Uhr gehen auch die Neonazis auf die Straße und beginnen ihre Demonstration. Die ersten Meter verlaufen ereignislos, aber schon kurz darauf muss ein Sprecher die Demonstration bitten, Rufe wie „Ausländer raus“ zu unterlassen.

Neonazi-Demo Dortmund am 14. April 2018 Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24
Neonazi-Demo auf ihrer Route über die Brinkhoffstraße. Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24

Zusammentreffen von Neonazis und Gegendemonstranten verläuft lautstark, aber friedlich

Die Route führt die Neonazis am Westentor vorbei. Hier treffen sie auf Gegendemonstranten des Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus. Und auf ein schallendes Pfeifkonzert. Ein paar Meter weiter kurz vor der Kreuzung in die Unionstraße hat sich währenddessen die Antifa versammelt. Während die Demonstration der Neonazis am Westentor in Sichtweite vorbeizieht, hat die Polizei das an der Kreuzung verhindert, indem zahlreiche Einsatzfahrzeuge und ein großer Wasserwerfer aufgestellt wurden.

Gegendemonstration von Linksextremisten an der Rheinischen Straße Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24

Auch hier laute „Nazis raus“-Rufe, Pfiffe und Trommeln. Ruhiger wird es, als die Neonazis in die Rheinische Straße eingebogen sind. Die linken Gegendemonstranten verteilen sich im Klinikviertel. Das wurde von der Polizei hermetisch abgeriegelt. Niemand darf raus oder rein, wenn er kein Anwohner ist. Dafür sorgen Absperrungen und zahlreiche Polizeibeamte, die verhindern, dass die Demonstranten zusammentreffen.

Gegen 16.40 Uhr kommen die Neonazis auf dem Sonnenplatz an und starten hier ihre Abschlusskundgebung. Ebenfalls unter lautem Protest der Antifa aus den Seitenstraßen, allerdings auch hier nur bedingt in Sichtweite. Gegen 17 Uhr endet die Demonstration der Neonazis und die Abreise beginnt.

Gegenprotest bei der Schlusskundgebung der Neonazis am Sonnenplatz. Foto: Bianca Hoffmann/Dortmund24

Wir berichten weiter, sollte es zu Zwischenfällen bei der Abreise kommen.

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