Bild: Privat

Hausverwalter Carlo Mahler hat seiner Mieterin Angela Jankowski schon im Dezember 2016 gekündigt. Ausgezogen ist sie aus ihrer Wohnung in Brackel seitdem nicht. Weil ein Brand ihre Wohnung zerstört hatte, musste sie am Dienstag (3. Juli) nun zwangsläufig raus. Jetzt eskaliert der jahrelange Streit zwischen Mieterin und Hausverwalter. Es geht um Geld, Mängel in der Wohnung und um zwischenmenschliches Verhalten.

Angela Jankowski wohnte mit ihrem Lebensgefährten Sven Broeke und zwei Kindern sieben Jahren lang in einer Wohnung im zweiten Stock an der Geleitstraße 15 in Brackel. In ein paar Monaten erwartet die 28-Jährige ihr drittes Kind. Seit Dienstag (3. Juli) ist die Familie wohnungslos. Ein Brand hat ihre Wohnung verwüstet. Und der Hausverwalter hatte keine Ersatzwohnung für sie. Jetzt wohnt Jankowski mit ihrer Familie vorübergehend in der Zwei-Zimmer-Wohnung ihrer Mutter.

„Wir haben null Leerstand an Wohnungen“, erklärt Hausverwalter Carlo Mahler vom Unternehmen Mon-Real gegenüber Dortmund24. Er hat wenige Stunden nach dem Brand mit Jankowski telefoniert. „Ich wollte hauptsächlich wissen, ob sie eine Hausrat- und Haftpflichtversicherung hat“, sagt Mahler. Die habe die Mieterin nicht. Deshalb müsse sie selbst für die Entsorgung des Hausrats und die Schäden aufkommen, die den anderen Mietern durch den Brand entstehen.

Beleidigung und Drohung

Außerdem habe er die Zahlungsrückstände von mehr als tausend Euro angesprochen. Deswegen habe er der Mieterin bereits am 21. Dezember 2016 gekündigt. Ausgezogen ist sie seitdem nicht – obwohl sie laut Mahler bereits im November 2017 ein Schreiben von seinem Anwalt bekommen hat.

Jankowski bestätigt gegenüber Dortmund24, dass ihr bereits Ende 2016 gekündigt wurde und dass Zahlungen ausstehen. Sie habe aus privaten Gründen die Miete nicht zahlen können. Jedoch sei die Forderung von 3.700 Euro, die Mahler am Telefon gemacht hätte, zu hoch. Außerdem beschwert sie sich über Mahlers Umgangston beim Telefonat. „Das war hauptsächlich Beleidigung und Drohung“, sagt sie. Am Ende habe er einfach aufgelegt.

„Sprechen kann man mit dem Mann nicht“, beklagt sich Jankowski. Sie habe sich jahrelang wegen Mängeln in ihrer Wohnung beim Hausverwalter beschwert. Sobald die Sprache darauf kam, habe er immer aufgelegt.

Wohnung voller Mängel

Dabei sei die Liste an Mängeln in ihrer Wohnung lang. Decken und Fenster seien kaputt, sie habe Schimmel in den Räumen. Die CO2-Werte in ihrer Wohnung seien ständig zu hoch, mahne der Schornsteinfeger jedes Mal an. „Und die Reparateure der Gastherme sagen, dass da längst eine neue rein müsste“, sagt Jankowski. Ihr Nachbar Marco Krieg hat nach dem Brand Fotos in der Wohnung gemacht, die die Mängel zeigen:

Brand Wohnung Brackel Geleitstraße Wohnungsbrand Mahler Mon-Real
So sieht es in der Brandwohnung an der Geleitstraße 15 aus. Foto: Privat
Brand Wohnung Brackel Geleitstraße Wohnungsbrand Mahler Mon-Real
Der Putz bröckelt ab. Foto: Privat

Krieg, der seit einem Jahr in der Wohnung neben Jankowski wohnt, sagt: „Dass mit dem Stromnetz mal was passiert, war abzusehen.“ Die Wohnung seiner Nachbarn habe keinen FI-Schalter. Außerdem könne sie nicht Waschmaschine und Staubsauger gleichzeitig laufen lassen. Mahler weiß angeblich nichts davon. Er habe von der Mieterin nie eine Beschwerde bezüglich des Stromnetzes erhalten.

Doch Jankowski ist nicht die einzige mit Mängeln in der Wohnung. Auch Krieg beklagt sich darüber. „Es ist eine Katastrophe, in der Wohnung zu leben“, sagt er. „Wir haben uralte Stromleitungen, das Wohnzimmerfenster fällt halb aus dem Mauerwerk, der Putz bröckelt von der Decke und wir haben einen Wasserschaden.“

Hausverbot und Anwalt

Der 31-jährige Krieg lebt seit Mai 2017 mit seiner Frau und vier Kindern an der Geleitstraße 15. Fast genauso lange befindet er sich im Zwist mit Hausverwalter Mahler. Der Mieter hat ebenfalls schon eine fristlose Kündigung erhalten, Anwälte beschäftigen sich mit den Auseinandersetzungen und mit gegenseitigen Vorwürfen sparen die beiden auch nicht.

Der Mieter hat Hausverbot in allen Gebäuden der Siedlung außer dem, in dem er wohnt. Krieg hatte gemeinsam mit anderen Mietern eine Internetseite erstellt, auf der sie die Schäden in ihren Wohnhäusern auflisteten. Laut Mahler war diese Seite voller Lügen. Er habe eine einstweilige Verfügung dagegen erwirkt. Seitdem sei die Seite nicht mehr online. Krieg sagt, man habe die Seite freiwillig vom Netz genommen, um den Streit mit Mahler zu beruhigen.

Außerdem hat Mahler auch gegen Krieg einen Anwalt eingeschaltet. Es ging wie bei Jankowski um Geld. Laut dem Hausverwalter hat der Mieter Stromrechnungen in Höhe von 1870 Euro nicht bezahlt. Krieg sagt, das seien gar nicht seine Rechnungen. „Es ist so, dass ich mich im Mai 2017 neu für die Wohnung bei Donetz angemeldet habe. Der Vermieter Faktum-b hat die Wohnung jedoch nicht abgemeldet“, sagt der Mieter. Jetzt versuche der Hausverwalter „mit fadenscheinigen Rechnungen“ das Geld von Krieg zurückzuholen.

Falsche Angaben

Mahler stellt die Situation ganz anders dar. Krieg habe sich nicht bei Donetz angemeldet. „Dann hätte er die Rechnung bekommen“, sagt der Hausverwalter. „Es ist sicher, dass der Strom auf Faktum-b gelaufen ist.“

Beim Anwalt war Mahler auch schon, weil Krieg „vorsätzlich falsche Angaben“ gemacht habe. Er habe fälschlicherweise angegeben, dass er eine 1A-Bonität und keine Schulden habe. Die Daten bei der Schufa würden das widerlegen.

Doch selbst um die Schufa-Auskunft gibt es Streit zwischen Krieg und Mahler. Der Hausverwalter bezieht sich auf die Daten, die die Schufa unter dem Namen „Marco Matthias Krieg“ führt, mit Kriegs Geburtsdatum und Voranschrift. Der Mieter wiederum sagt, dass sei nicht er. Er heiße nur „Marco Krieg“.

Unendliche Liste

„Er erzählt, was er will“, wirft der Hausverwalter Krieg vor. „Wer selbst seine Todesanzeige in die Zeitung setzt…“ Den Satz führt er nicht mehr zu Ende, aber die Aussage ist klar. Und die unendliche Liste an Auseinandersetzungen geht weiter.

Zwischen den beiden gibt es sogar Streit über eine Sache, die jahrelang zurückliegt. Krieg wohnte nämlich schon als Jugendlicher in der Siedlung an der Geleitstraße. Mahler sagt, er habe von einem Mieter erfahren, dass Krieg damals in den Hausmeisterraum und Kellerräume eingebrochen sei. Dazu gebe es Akten bei der Polizei.

Krieg bestreitet das: „Ich bin in der Anlage nie irgendwo eingebrochen.“ Er nennt den Mieter, auf den Mahler sich beruft, unglaubwürdig. Der Hausverwalter wiederum kündigt gegenüber Dortmund24 an, dass man Krieg wegen des Falls vor Gericht befragen werde. „Dann werden wir einen Antrag stellen, ins Zentralregister Einsicht zu nehmen.“

Krieg sagt, dass die ganze Angelegenheit eine Racheaktion des Hausverwalters ist. Die Ruhr Nachrichten hätten im Frühsommer 2017 über die Mängel in der Anlage berichtet. „Seitdem schikaniert Mahler alle Mieter, die in dem Artikel vorkamen“, wirft der Mieter dem Hausverwalter vor.

Laut Mahler ist Krieg jedoch der einzige Mieter, mit dem er solche Probleme hat. Nur zehn andere Mieter seien beim Mieterverein. „Da geht es aber um Betriebskostenabrechnungen“, so der Hausverwalter. „Das ist auch das Recht des Mieters, sich dafür Hilfe zu suchen.“

Drei Brände in einem Jahr – „kein Zufall“

Im Gegenteil mache seine Firma Mon-Real für die Mieter mehr, als die Firma müsste. „Wir sanieren die Wohnungen nach fast jedem Auszug“, sagt Mahler. Was ihm jedoch zu denken gibt, ist, dass es innerhalb eines Jahres in den Anlagen an der Geleitstraße dreimal gebrannt hat. „Das kann kein Zufall sein“, meint der Hausverwalter.

Im Oktober 2017 brannten im Keller der Geleitstraße 14 gelagerte Gegenstände der Mieter. Laut Mahler hat sich inzwischen herausgestellt, dass es Brandstiftung war. Der zweite Fall war an Silvester. Am späten Abend brannte ein Balkon im zweiten Stock. Der Brand am Dienstag macht die Reihe komplett. Nach Aussage der Brandsachverständigen war dieses Mal ein defektes Ladegerät eines Handys schuld. Aber die Ermittlungen zu dem Fall laufen noch. Und zu Ende ist die ganze Geschichte längst noch nicht.