Bild: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Eine 17 Meter hohe Kuppel, dazu ein fast 20 Meter hohes Minarett – diese Zahlen sehen die Pläne für den Bau einer Moschee an den Lindenhorster Straße in Eving vor. Doch in der Bezirksvertretung Eving hat das nun zur Irritationen geführt. Die Politiker fühlen sich von der Verwaltung der Stadt übergangen.

Wer als Politiker in einem Stadtbezirk aktiv ist, der möchte hautnah mitentscheiden, was vor seiner Haustür passiert. Als Kopfnicker und Ja-Sager jedenfalls will niemand herhalten. Im Falle des Moschee-Baus in einem Gewerbegebiet an der Lindenhorster Straße 80a fühlen sich Evings Bezirksvertreter aber übergangen. In einer Vorlage der Verwaltung mussten sie ihrer Meinung nach unvorbereitet zur Kenntnis nehmen, dass die Stadt die Genehmigung für den Bau der Moschee erteilt hat.

„Es gibt bestimmte Strömungen“

Bei allen Parteien in der Bezirksvertretung sorgte diese Vorgehensweise der Stadt für Irritation. „Wir würden gerne mehr Informationen haben, bevor wir so eine Vorlage der Verwaltung zur Kenntnis nehmen“, sagt Peter Räther, Fraktionssprecher der SPD in der Evinger Bezirksvertretung gegenüber Dortmund24. Partei-Kollege und Bezirksbürgermeister Oliver Stens ergänzt: „Wir wollen wissen, wer die Moschee betreibt, denn immerhin gibt es da bestimmte Strömungen, die unter Beobachtungen stehen.“ Zum Hintergrund: An der Lindenhorster Straße 83 lag eine „islamische Schule“. Zu ihr hatte phasenweise auch der Berlin-Attentäter Anis Amri die Schlüssel, wie die Ruhr Nachrichten berichteten.

Dass in der Verwaltung fähige Menschen säßen, die vorher geprüft hätten, wer die Moschee betreiben will, daran hat auch Stens keine Zweifel. „Wir gehen schon davon aus, dass das mit rechten Dinge zu geht.“ Vorzeitig und umfassender informiert werden, das wollen die Bezirksvertreter aber in jedem Fall. Aber grundsätzlich, so heißt es von der SPD, habe man nichts gegen den Bau einer Moschee.

Auf diesem Gelände an der Lindenhorster Straße 80 bis 82 soll künftig eine Moschee entstehen. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Auf Dortmund24-Anfrage heißt es von der Stadt, die Info über die Baupläne für die Moschee seien bereits am 8. März an die Mitglieder der Bezirksvertretung (BV) gesendet worden – also rund zwei Wochen vor der BV-Sitzung. Anders als bei sogenannten Tischvorlagen – die kurzfristig eingebracht werden – seien die die Bezirksvertreter aus Eving also mit Vorlauf informiert worden.

Betreiber noch nicht bekannt

Bisher bekannt ist über die Moschee nur, was die Verwaltung in ihrer Vorlage an die Bezirksvertretung mitgeteilt hat. Demnach ist der Bauantragssteller eine Immobilienverwaltung als Grundstückseigentümerin. Das Gebäude soll nach Errichtung dann weitervermietet werden. An wen genau, das wollen die Bezirksvertreter in Eving jetzt wissen, bevor sie den genehmigten Bauantrag zur Kenntnis nehmen. Die Stadt kann den Betreiber gegenüber den Medien aus Datenschutzgründen nicht nennen. SPD und CDU haben die Vorlage also erstmal geschoben, bis mehr Infos zur Verfügung stehen.

Bis dahin müssen sie sich mit mit folgenden Informationen begnügen:

  • Für die Moschee sind Öffnungszeiten zwischen 6 und 22 Uhr vorgesehen.
  • 190 Besucher sollen zu Spitzenzeiten ins Gebäude passen.
  • Gebetsaufrufe durch Außenlautsprecher oder den Muezzin sind nicht beabsichtigt.
So sehen die Pläne für die Moschee an der Lindenhorster Straße 80a aus. Grafik: Stadt Dortmund

Obwohl die Moschee in einem kleinen Gewerbegebiet an der Lindenhorster Straße entsteht, ist sie baurechtlich zulässig. Denn ausnahmsweise können dort auch Anlagen für kirchliche, kulturelle und soziale Zwecke, unabhängig vom Träger der Einrichtung, zugelassen werden. Einzige Vorgabe: Das Gebäude muss laut Baunutzungsverordnung (BauVO) „der Eigenart der näheren Umgebung“ entsprechen. Das sei laut Planungsdezernent Ludger Wilde der Fall. Das Minarett sei demnach einem Kirchturm gleichzusetzen, „welcher nach ständiger Rechtsprechung nicht an der Einfügung teilnimmt.“ Sprich: Das Gebäude passt in die Umgebung, der Turm zählt ohnehin nicht.

Moschee auf Gelände eines Kultur- und Bildungszentrums

Interessant: Auf dem Gelände des kleinen Gewerbegebiets an der Lindenhorster Straße hat auch die Verwaltung des Regionalverbands Ruhr der Islamischen Gemeinschaft Milli Görus ihren Sitz. Doch auf Dortmund24-Anfrage heißt es dort, man habe mit dem Bau der Moschee nichts zu tun. Ein Sprecher verweist stattdessen auf den Verein „Cagri Vakfi“, der auf dem zukünftigen Moschee-Gelände schon jetzt ein Kultur- und Bildungszentrum betreibt. Genau dort, so zeigen es die Baupläne, soll die Moschee künftig entstehen. Antworten auf Fragen zum Bau der Moschee auf Dortmund24-Anfrage stehen bisher aus.

Der Verein „Cagri Vakfi“ wird in Verbindung mit dem Moschee-Bau gebracht. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24
Info: Nicht zur verwechseln ist der Bau der Moschee an der Lindenhorster Straße mit den Plänen eines weiteren Moschee-Baus ebenfalls an der Lindenhorster Straße – allerdings ein paar Hundert Meter weiter nördlich, an der Ecke Lütge-Heide-Straße. Dort liegt der Stadt eine Bauvoranfrage für den Bau einer Moschee mit Gebetsraum und Minarett sowie einem Mehrfamilienhaus mit 18 Wohneinheiten vor, wie Planungsdezernent Ludger Wilde auf Anfrage der Grünen in der Bezirksvertretung Eving antwortet. Es soll sich demnach um eine bosnische Moschee handeln.