Bild: Florian Forth/Dortmund24

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Das Festi Ramazan ist genehmigt, die Wochen des Beisammenseins in der Fastenzeit können für die Muslime in Dortmund beginnen. Getrübt wird der Startschuss fürs Fest von hasserfüllten Kommentatoren im Netz, für die man sich nur schämen kann. Redakteur Daniele Giustolisi rechnet im Kracher der Woche mit den Hatern ab.

Da findet ein Fest auf einem Parkplatz an den Westfalenhallen statt und welche Bilder gehen rum? Die einer riesigen Wand von Containern. 100 Meter lang, fast 8 Meter hoch. Die Wand soll einige Anwohner vor Lärm schützen. Was auch gut ist. Aber irgendwie bekommt man auch das Gefühl, als müsse sich das Fest abschotten vor all den Feindseligkeiten, die vor allem im Netz auf die Veranstaltung einprasseln.

Daniele Giustolisi. Foto: Murat Akin/Dortmund24

Beispiel gefällig? Eine Userin stellt unter unserem Artikel über die Lärmschutz-Container die Frage, was denn mit der Geruchsbelästigung sei? Ob man nicht auch dagegen etwas tun müsse.

Geht es noch? Sollen die Veranstalter demnächst auch noch eine riesige Käseglocke über das Gelände ziehen? Ich wette, das würde dann wiederum zu anderen Kommentaren führen. Etwa, warum die Käseglocke vier Wochen lang den schönen Blick auf die B1 versperren würde. Was für eine Unverschämtheit das doch sei!

Irgendwas passt immer nicht

Deutschlands Ex-Bundestrainer Berti Vogts soll mal folgenden Satz gesagt haben: „Wenn ich übers Wasser laufen würde, sagen meine Kritiker: Nicht mal schwimmen kann der.“ Ungefähr so muss sich Festi-Ramazan-Veranstalter Fatih Ilhan aktuell fühlen. Egal was er tut: Irgendwas passt immer nicht. Die Vorbehalte, auch in Teilen der Dortmunder Politik, sind immens.

Plötzlich wollen Kommentatoren, die sich am Wochenende sicherlich mal den einen oder anderen Döner reinpfeifen, gehört haben, dass es auf dem Fest unhygienisch zuginge. Andere kritisieren, wie es denn sein könne, dass man in einem Fastenmonat wie den Ramadan so ein Fest feiern könne.

Man sieht, hier wird mit allen Mitteln gegen ein Fest gekämpft, das in den Augen der Hasskommentatoren nicht sein darf. Da werden dann plötzlich die armen Senioren aus dem Theodor-Fliedner-Heim ins Feld geführt, für die das Fest doch eine Zumutung sei. Instrumentalisierung nennt man sowas. Oder Doppelmoral. Denn wer gegen Konzerte, Messen und andere regelmäßige Events in den Westfalenhallen nichts hat – und da sind die Spiele des BVB im Westfalenstadion gleich nebenan nicht mit eingerechnet – der dürfte auch nichts gegen den Verkehr beim Festi Ramazan haben.

Natürlich gibt es Probleme

Dass es natürlich Probleme gibt, wenn ein Fest vier Wochen lang bis 2 Uhr in die Nacht stattfindet, ist unbestritten. Und es darf sicherlich die Frage gestellt werden, ob das Fest nicht schon um 1 Uhr oder noch etwa früher enden könnte. Auch über eine Verkürzung der Veranstaltung, etwa auf zwei Wochen, müsste künftig diskutiert werden. Verkehr, Lärm, Müll – all das wird es auch dieses Jahr wieder geben. Und man kann es verstehen, wenn sich Anwohner darüber beschweren. Es ist nur komisch, dass sich in der Regel diejenigen aufregen, die davon möglicherweise nichts mitbekommen werden, weil sie auf der anderen Seite der Stadt wohnen. Und die möglicherweise noch nie auf dem Festi Ramazan waren, um ein fundiertes Urteil über das Fest abgeben zu können.

Aufbauarbeiten für das Festi Ramazan. Foto: Florian Forth/Dortmund24
Diese Wand aus Containern soll Anwohner vor Lärm vom Festi Ramazan schützen. Foto: Florian Forth/Dortmund24

Man wird mitunter das Gefühl nicht los, dass es ethnische Fragen sind, um die es hier in Wahrheit geht. Ein muslimisches Fest, vier Wochen, in Dortmund? Das darf für viele nicht sein. Mögen sich die Muslime in Dortmund möglichst still verhalten und unsichtbar bleiben. Als ob Dortmund und Deutschland nicht auch die Stadt und das Land vieler Muslime sei – abgesehen davon, dass das Fest jedermann offen steht. Wir Deutsche gegen die Türken, Araber, Mulime – was soll dieses mieses Spielchen des gegeneinander Aufhetzens?

Meine Botschaft: Geht zum Fest, probiert euch gastronomisch durch, feiert einfach zusammen. Wer Hass sät, sollte lieber einen Döner essen.