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Amazon lässt sich in Dortmund nieder, schafft damit bis zu 1500 neue Arbeitsplätze. Dortmund24-Redakteur Daniele Giustolisi erklärt im „Kracher der Woche“, warum die Ansiedlung von Amazon in Dortmund allerdings mit Vorsicht zu genießen ist.

„Wer da anfängt, ist selbst schuld“, „Nicht mal für Geld würde ich bei diesem Steuerprellerverein anfangen“ oder „Wer bei Amazon bestellt, unterstützt die Sklaverei“. Das sind nur einige von vielen Kommentaren, die in dieser Woche zur Ansiedlung von Amazon in Dortmund auf unserer Facebook-Seite eingegangen sind.

So äußern sich einige Dortmund24-Leser über die Ansiedlung von Amazon in Dortmund. Zu Recht? Screenshot: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Natürlich steht Amazon aktuell mit negativen Schlagzeilen in den Medien da. Zum Einen wegen des Steuerdeals mit Luxemburg. Zum Anderen wegen der Weigerung, über Tarifverträge zu verhandeln.

Amazon mit Negativschlagzeilen

Daniele Giustolisi ist Redakteur bei Dortmund24. Foto: Murat Akin/Dortmund24

Trotzdem ist es erstmal eine gute Nachricht, dass Amazon nach Dortmund kommt. Denn für die vielen Langzeitarbeitslosen in unserer Stadt kann das Unternehmen ein erster Schritt weg von der Arbeitslosigkeit sein. Gerade sie sind es, die Amazon hier mit Kusshand empfangen und um einen von etwa 1500 Verträgen kämpfen.

Vorsicht angebracht

Aber es ist Vorsicht angebracht. Denn 1866 Euro brutto für eine Vollzeitstelle als Lagerarbeiter ist ein verdammt niedriger Lohn. Und am Ende reicht dieser Lohn nicht, um vernünftig für das Alter vorzusorgen oder eine ganze Familie zu ernähren. Daher ist es nur gut, dass Verdi immer öfter zu Streiks aufruft, um einen Tarifvertrag auszuhandeln. Das muss so weitergehen, auch in Dortmund! So lange, bis sich die Herrschaften um Chef Jeff Bezos ihre Mitarbeiter fair behandeln. Unverständlich von daher, dass sich viele Kommentatoren im Netz über die Proteste der Amazon-Beschäftigten beschweren, gar lustig machen. Nach dem Motto: „Sollen sie mal froh sein, dass sie nen Job haben.“

Der Amazon-Gründer Jeff Bezoz. Foto: dpa

Es ist nicht alles gut bei Amazon, das muss man wissen und klar aussprechen, wenn man über das Unternehmen redet. Immer wieder wird von hohem Druck auf die Mitarbeiter berichtet. Das zeigen zum Beispiel Recherchen der Süddeutschen Zeitung. Mehrarbeit in Zeiten mit vielen Aufträgen sollen bei Amazon keine Seltenheit sein und langsames Arbeiten oder häufige Fehlzeiten führen, so heißt es, im Extremfall zum Aufhebungsvertrag.

Stress und Druck im Job, den haben in Deutschland viele. Aber so weit, dass psychische Erkrankungen dabei rauskommen, wie ein Amazon-Mitarbeiter aus Bad Hersfeld berichtet, darf es nicht kommen.

Man muss es so klar sagen: Wo gegen gesetzliche Regeln verstoßen wird, da müssen Gewerkschaften und am Ende die Politik eingreifen. Und wo es Grauzonen gibt, müssen Regeln geschaffen werden. Da führt kein Weg dran vorbei! Von daher: Herzlich willkommen in Dortmund Amazon, wir haben dich im Blick.