Das Klinikum Dortmund bekommt einen neuen Mitarbeiter auf vier Pfoten. Seit Dienstag (25. April) ist es amtlich: Lotte hat die Abschlussprüfung für die Therapie-Ausbildung bestanden und kann sich offiziell Therapiebegleithündin nennen. Ab sofort ist sie in der Geriatrie (Altenmedizin-Abteilung) im Einsatz.

Dortmund – „Mit sechs Monaten wurde die Labrador-Hündin zufällig bei einem Spaziergang von einer Hundeausbilderin gecastet. Daraufhin begann die Ausbildung zur Therapiebegleithündin“, erzählt Gaby Kalle. Sie ist Lottes Frauchen und stellvertretende Pflegebereichsleiterin im Klinikum Dortmund. Lotte wird Frau Kalle in einzelne Therapiestunden begleiten und dort mit Patienten zusammenarbeiten.

An zwei Tagen in der Woche arbeitet Lotte jeweils für vier Stunden in der Altenmedizin-Abteilung. Foto: Akin/Dortmund24
An zwei Tagen in der Woche arbeitet Lotte jeweils für vier Stunden in der Altenmedizin-Abteilung. Foto: Akin/Dortmund24

Lotte soll die Patienten ganz intuitiv mobilisieren, aufmuntern und ihnen das Gefühl geben gebraucht zu werden. „Heute an ihrem ersten Tag auf der Arbeit ist sie noch ein wenig nervös“, sagt Kalle. Die Labrador-Hündin kann den Menschen zur Hand gehen, Gehstöcke aufheben und zurückbringen. Weitere Aufgaben würden mit der Zeit folgen, erklärt Kalle. An zwei Tagen in der Woche arbeitet Lotte jeweils für vier Stunden in der Altenmedizin-Abteilung.

Die Ausbildung zum Therapiebegleithund hat 15 Monte gedauert. Lotte hat gelernt behutsam mit Menschen umzugehen und duldsam zu sein. „Sie läßt sich nicht aus der Ruhe bringen und darf keine Medikamente annehmen“, sagt Kliniksprecher Marc Raschke.

Weniger Medikamente durch Tier-Therapie

Ein Tier könne durch sein unbekümmertes Wesen die Psyche der Patienten und damit letztlich den Lebenswillen spürbar aufhellen, erklärt Dr. Ralf Jelkmann, Direktor der geriatrischen Klinik. „Tiere trösten ohne Worte und helfen allein durch ihre Nähe. Zudem ist jedes Streicheln oder jedes Bücken nach einem Wurfball eine spielerische Bewegungsübung für den Patienten“, sagt er.

Dr. Ralf Jelkmann (links) und Frau Kalle mit der neuen Mitarbeiterin „Lotte“. Foto: Murat Akin/Dortmund42

Wissenschaftliche Studien belegen, dass gerade kranke und alte Menschen durch Tiere tatsächlich das Gefühl gebraucht zu werden vermittelt bekommen. Im Ergebnis kamen sie sogar leichter aus depressiven Phasen heraus. „Die Ausbildung hat insgesamt 7000 Euro gekostet – eine gute Investition, wenn unsere Patienten durch Tier-Therapie auf Medikamente für Vitalität verzichten“, sagt Jelkmann. Eine endgültige Studie, ob Tierbegleittherapien wirklich helfen, gibt es noch nicht. Ein Student der Universität Witten/Herdecke will nun aber seine Masterarbeit über eben genau dieses Thema schreiben. Vielleicht kann seine Arbeit neue Erkentnisse liefern.

Die Idee zum Therapiehund kam aus dem Team. „Als wir die Geriatrie eröffnet haben, kam die Frage auf, warum wir es nicht mit Tieren, speziell mit Hunden ausprobieren, so wie es in Altenheimen seit längerer Zeit üblich ist“, erklärt Frau Kalle und ist stolz auf Lotte, die im Mai zwei Jahre wird.