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Der Gedanke, mit einem Mal das Zuhause zu verlieren, macht Angst. Diese Angst hat auch die Dortmunder Familie Schikorra. Denn der wurde von ihrem Vermieter, der Dogewo21, die Wohnung gekündigt. Fristlos. Schon am 6. Februar sollen sie raus sein.

Angeblich sei ihre Tochter Maya Elif (2) so laut, dass dadurch eine unzumutbare Lärmbelästigung für die Nachbarn entstanden sei. Doch nicht nur Familie Schikorra selbst macht dieser Vorwurf ratlos. Auch Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins Dortmund und Umgebung, zeigt sich irritiert. „Die Schwelle, wann Kinderlärm als unzumutbare Belastung gilt, liegt sehr hoch.“

Tatsächlich ist schwer vorstellbar, wie ein Kind, das gerade zwei Jahre alt ist, eine solche unzumutbare Lärmbelästigung zustande bringt. Rainer Stücker dazu: „Ist das glaubwürdig?“

Gericht muss entscheiden

Nachbarn hatten laut einem Bericht des WDR in einem Lärmprotokoll festgehalten, wann und wie die kleine Tochter der Schikorras durch das Rennen und Schreien auffällt.

Dieses Lärmprotokoll sei dann auch der Grund für die Dogewo gewesen, der Familie nach einer Abmahnung im Oktober 2018 jetzt fristlos zu kündigen. Die Lärmbelästigung sei den anderen Mietern nicht mehr zuzumuten.

Doch auch hier sieht Rainer Stücker Probleme für die Durchsetzung dieser Kündigung. Mieter müssten eine solche Kündigung nicht einfach hinnehmen. „Am Ende dürfen die Mieter in ihrer Wohnung bleiben, bis ein Gericht das Urteil gefällt hat, dass die Kündigung berechtigt ist.“

Bis dahin dürfen die Schikorras sowieso nicht einfach vor die Tür gesetzt werden. „Spricht der Vermieter eine solche Kündigung aus, geht es danach erst einmal vor Gericht, nicht auf die Straße“, so Stücker.

Lärmprotokoll zweifelhaft

Außerdem sei auch das Lärmprotokoll anzuzweifeln. Nicht nur, weil die Nachbarn laut WDR Lärmbelästigungen an Tagen notiert haben, an denen die Familie nachweislich gar nicht zuhause war, sondern auch, weil sich die notierten Vorfälle auf „ganz normale Tageszeiten“ beziehen, so Stücker. Das Kind war also weder nach 23 Uhr noch früh am Morgen unerträglich laut. „Am Tage muss die Toleranzschwelle noch höher liegen“, betont der Experte.

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Die Dogewo hat nun den Rechtsweg eingeschlagen und äußert sich auf eine Anfrage von Dortmund24 zu dem Fall vorerst nicht. In einer früheren Stellungnahme betont die Dogewo gegenüber dem WDR jedoch „nicht kinderfeindlich“ zu sein. Auch deshalb, so ein Sprecher, sei die Dogewo beizeiten an der öffentlichen Aufklärung des Falls interessiert.