Bild: Anika Hinz/Dortmund24

Beim Fußball muss vieles beachtet werden: Wohin der Ball rollt, welcher Spieler in der Nähe ist und die Strecke zum Tor. Kaum vorstellbar, dass so ein Sport blind gespielt wird. Doch genau das ist beim sogenannten Blindenfußball der Fall. Wir waren dabei und haben uns das Spektakel ganz genau angesehen.

Er ist so klein wie ein Futsal und mit ordentlich Gerassel ausgestattet: Der Fußball für Menschen ohne Augenlicht. Durch den Lärm, den der kleine Ball verursacht, können sich die Blindenfußballer besser orientieren und den Spielverlauf nachvollziehen. Neben der Rassel setzen sich die Spieler aber auch selbst akustische Reize, indem sie während des gesamten Spiels Geräusche machen. Das ermöglicht ihnen, die Mitspieler hören und Unfälle vermeiden zu können.

Beim Blindenfußball muss gut aufeinander geachtet werden. Foto: Anika Hinz/Dortmund24

Bewusstsein für Behindertensport soll gestärkt werden

Hauptziel des Aktionstages zum Blindenfußball ist die Förderung der Aufmerksamkeit gegenüber Sportlern mit Behinderungen. Das sei laut Julia Landauer, Übungsleiterin im Auftrag der Telekom, auch zwingend notwendig. Denn „momentan kennen die Menschen Behindertensport nur von den Paralympics. Es wäre schön, wenn sich das künftig ändert, denn er existiert schließlich nicht nur alle zwei beziehungsweise vier Jahre“. Sie spielt auf die Sommer-und Winterspiele an, die in einem Turnus von jeweils vier Jahren stattfinden. Dabei folgen die Paralympics, der höchste Wettbewerb für Sportler mit Einschränkungen, den regulären olympischen Spielen.

In Deutschland sind bei einem richtigen Spiel Helme Pflicht. In anderen Ländern allerdings nicht. Foto: Anika Hinz/Dortmund24

Blindenfußball ist seit 2004 olympisch und nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. So muss etwa das Spielfeld genaue Maße haben und die Spieler dürfen nur mit einer lichtundurchlässigen Brille spielen. Letzteres wurde festgelegt, weil auch Menschen mit wenig Sehkraft an dem Spiel teilnehmen dürfen. Die Brillen sorgen für eine Chancengleichheit unter den Spielern. Der Torwart ist die einzige sehende Person, die auf Grund ihrer Spielposition keine Brille tragen muss.

Interessierte konnten das Blindsein testen

Während des Aktionstages hatten interessierte Besucher die Möglichkeit, selbst einmal Blindenfußball spielen zu können. Miterleben statt Zuschauen lautete hierbei die Devise. Julia Landauer weiß um die Vorzüge eines solchen Angebots: „Dadurch wissen Außenstehende, wie schwer es ist, ohne Augenlicht Fußball zu spielen. Und überhaupt: Wo und wann hat man schon mal die Möglichkeit, das auszuprobieren?“

Hendrik Scheufen hat das Blindsein für wenige Minuten getestet. Foto: Anika Hinz/Dortmund24

Hendrik Scheufen ist einer der Personen, die sich dazu entschieden haben, temporär blind zu werden. Er hat bisher keine Erfahrung mit Sehgeschädigten gemacht, weshalb er unbedingt einmal blind spielen wollte. „Das war auf jeden Fall eine richtig interessante Erfahrung und wunderbar mitzuerleben“, sagt er in dem Zusammenhang und fügt hinzu: „Es ist wirklich schwierig, aber jetzt kann ich besser nachvollziehen, was die Betroffenen durchmachen müssen“.

Diese bekannten Sportler waren beim Aktionstag dabei

Mit dem Bewusstsein für Behindertensport, steigt auch die Bekanntheit seiner Sportler. Zwei dieser Persönlichkeiten waren bei dem Aktionstag im Fußballmuseum dabei. Eine von ihnen: Cornelia Dietz. Die 56-Jährige ist Torballerin beim BVB und war bereits sechsmal bei den Paralympics im Goalball am Start. In Atlanta hat sie die 1996 sogar gewonnen. Bei der Eröffnungsfeier in Peking 2008 hat sie die Fackel getragen und ist Europa-, sowie Weltmeisterin.

Das andere bekannte Gesicht der Runde war Hasan Altunbas. Er ist Nationalspieler beim BVB und wurde 2014 Weltmeister in Japan. Seine Wurzeln hat der blinde Kicker in Dortmunds Nordstadt.

Altunbas in Aktion. Er kommt aus Dortmund und kickt für den BVB als Nationalspieler. Foto: Anika Hinz/Dortmund24

Die lichtundurchlässige Brille hat Besucher für einen kurzen Moment blind gemacht. Doch als diese abgenommen wurde, kehrte auch die Sicht zurück. Anders als bei den sehgeschädigten Fußballern. Blindsein ist Teil ihres Lebens und wird sie für immer begleiten. Umso beeindruckender deshalb, was sie zwischen Bande und Tor abliefern.