Keine Weihnachtsartikel bei Woolworth in einer Dortmunder Filiale? Vor zwei Jahren sorgte diese Nachricht für einige Aufregung. Stimmt alles nicht, sagt heute die Unternehmenskommunikation von Woolworth.

+++Update: Seit mittlerweile zwei Jahren hält sich das hartnäckige Gerücht, Flüchtlinge hätten in einem deutschen Einkaufscenter einen Weihnachtsbaum geplündert. Das ist FALSCH. Hier ist unser Text, der alles aufklärt+++

Der Grund für die Aufregung damals: Rund um die Münsterstraße wohnen vor allem Muslime – und die würden keine Weihnachtsartikel kaufen. Daraufhin hatte sich die Filiale entschieden, ihr Angebot in Sachen Weihnachtsdeko auf ein Minimum zu reduzieren.

Das sei völliger Unsinn, erklärt heute (7. Dezember 2018) Diana Peisert aus der Woolworth Zentrale: „In jeder Filiale können Kunden ein und dasselbe Sortiment finden.“ Wenn ein Sortiment angepasst wird, dann nur, weil manche Läden kleiner als andere seien. Aber selbst dann könnten Kunden die gleichen Angebote finden – nur eben in kleineren Mengen.

„Einzig wirtschaftliche Aspekte spielen eine Rolle“

Dass die Kunden vor zwei Jahren in der Münsterstraße aufgrund des Wohnumfelds kaum Weihnachtsdeko finden konnten, sei falsch. Einzig wirtschaftliche Aspekte würden bei der Entscheidung für oder gegen ein Angebot eine Rolle spielen – also zum Beispiel, wenn Kunden einer Filiale ein Angebot gar nicht kaufen?

Und so berichteten wir 2016: Diese Meldung sorgte am Dienstagmorgen (22. November 2016) in Dortmund für Aufsehen: „Warum dieses Kaufhaus Weihnachtsartikel abschafft“, hieß es bei Bild.de über die Woolworth-Filiale an der Münsterstraße. Dabei ist das nur die halbe Wahrheit. Dortmund24 war vor Ort.

In der Münsterstraße in der Dortmunder Nordstadt am Dienstagmorgen: Geschäftiges Treiben in den Läden, die Nordstadt erwacht langsam aus ihrem Schlaf. In der Woolworth-Filiale ist auch schon ordentlich Betrieb. Der zuständige Woolworth-Bezirksleiter weiß schon, worum es geht: Seine Weihnachtsdeko.

Die Filiale von Woolworth an der Münsterstraße in der Dortmunder Nordstadt hat sein Weihnachtssortiment ausgedünnt. Im Bild: Filialleiterin Seda Capalcur
Die Filiale an der Münsterstraße hat zwar noch Weihnachtsdeko im Angebot – nur nicht mehr so viel, wie vor zwei Wochen. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Die Filiale an der Münsterstraße hat sich jüngst dazu entschlossen, in Sachen Weihnachtsdekoration ordentlich abzuspecken – und nicht ganz auf sie zu verzichten.

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„Es war eine reine kaufmännische Entscheidung“, so der Bezirksleiter. Nach wie vor gibt es in der Filiale Weihnachtsdeko, nur nicht mehr so viel, wie zu Beginn der Weihnachtssaison.

Muslime kaufen kaum Weihnachtsdeko

Das Problem am Standort Münsterstraße: Hier leben viele Muslime, die nicht so viel Weihnachtsdeko kaufen. „Wir haben uns gedacht, dass wir die Masse rausnehmen, bevor wir unsere kleine Filiale damit volllaufen lassen“, sagt der Bezirksleiter. Wirklich ungewöhnlich sei das nicht. „Das war im vergangenen Jahr das selbe Problem und wir haben genauso reagiert.“

Die überschüssige Ware wurde in den letzten Tagen peu à peu auf die übrigen Filialen in Dortmund verteilt – zum Beispiel auf die viel größere Filiale am Westenhellweg.

Geteilte Meinung über Woolworth-Sortiment

Und was sagen die Woolworth-Kunden in der Nordstadt über den Schritt der Filiale? Dortmund24 hat sich umgehört:

Achmed (42): „Meine Frau ist Christin, ich bin Moslem. Wir feiern also Weihnachten und das, was hier angeboten wird, reicht doch aus. Man bekommt alles und auch noch günstiger als woanders.“

Elfriede (81): „Dass es jetzt in dieser Filiale weniger Weihnachtsdeko gibt, finde ich nicht gut. Ich bin nicht so mobil und bin auf die Geschäfte in der Münsterstraße angewiesen. Ich verstehe aber die Entscheidung der Filiale, da hier nicht mehr viele Christen leben und die Nachfrage daher nicht so groß ist. Man muss es nehmen, wie es ist.“

Sale (49): „Ich feiere Weihnachten und finde, dass es hier einfach zu wenig Dekoartikel gibt. Den Schritt der Filiale kann ich also nicht verstehen. Vor allem Geschenkartikel fehlen mir hier.“

Monika (62): „Wirtschaftlich kann ich es schon nachvollziehen, dass man diesen Schritt geht. Diese Straße ist nunmal ein Ballungsraum für viele Nicht-Christen, die die Deko dann oftmals einfach nicht kaufen.“

Sikora (58): „Dass es weniger Ware ist, habe ich gar nicht gemerkt. Es reicht für mich aus – und ist auch noch günstig.“

Jasmin (23): „Wenn man nicht so viel Geld hat, kann man nicht viel für Deko ausgeben. Von daher reicht es, was in dieser Filiale angeboten wird. Ich kann den Schritt nachvollziehen.“