250.000 Haustiere entlaufen jedes Jahr allein in Deutschland. Viele kehren nach ein paar Stunden wieder Heim. Doch was tun, wenn der Hund oder die Katze nicht mehr zurückkommt? Eine Dortmunder Facebook-Gruppe hilft bei der Suche hauptsächlich entlaufener Hunde.

Dortmund – „Touni (3) war acht Wochen verschwunden. Sie kam aus Russland und ist ihrem neuen Besitzer nach zwei Tagen entlaufen. Am 17. Februar wurde sie vermisst und sichern konnten wir sie am 24. April in Dortmund“, erklärt Gruppenmitglied Nikola Rüttgers, die bei der Suche aktiv hilft.

Ende März 2017 wurde die Facebook-Gruppe „Entlaufene/vermisste Hunde Dortmund, Schwerte und Umgebung“ erstellt. Die öffentliche Gruppe hat inzwischen 124 Mitglieder. Viele von sind erfahren in dem Bereich und helfen ehrenamtlich gemeinsam mit der Hundesuchehilfe Neuss und Umgebung bei der Suche. Die Online-Suche hilft vor allem durch die Schnelligkeit und die hohe Reichweite und die gute Zusammenarbeit mit anderen Gruppen dieser Art.

Vor allem Hunde aus dem Ausland und solche, die sich in neuer und ungewohnter Umgebung aufhielten, seien fluchtgefährdet, sagt Nikola Rüttgers. So wie Touni. Die Hündin hat eine lange Strecke zurückgelegt, bis sie gefunden werden konnte. Gesehen wurde sie in Datteln, Waltrop, Castrop-Rauxel und auch in der Dortmunder Innenstadt. Hinter der Hornbach-Filiale in der Nordstadt wurde sie dann über einen längeren Zeitraum angefüttert und mit Hilfe einer Lebendfalle gesichert.

Vermisstenanzeige. Foto: Facebook Hundesuchhilfe Neuss und Umgebung

Die Sicherung vermisster Hunde brauche viel Geduld, erzählt Rüttgers. „Bei Touni haben wir nur circa eine Stunde gewartet, bis das dann mit der Falle geklappt hat. Man muss Ruhe bewahren, um die Nervosität nicht auf den Hund zu übertragen.“

Hund weg – was tun?

Viele Hunde, das betonen die Mitglieder der Gruppe, kehrten nach ein paar Stunden wieder heim. Man sollte auf jeden Fall zuerst am besten die Polizei, die Feuerwehr, Tierheime, Tasso und die Ordnungsämter informieren, raten die Experten. Facebook-Suchgruppen können die Suche beschleunigen und erstellen oft auch Such-Flyer.

Ein weiterer Tipp aus der Gruppe: Den Zugang zum Garten freihalten oder in naher Umgebung des Entlauforts eine Decke oder Kleidung mit eigenem Geruch platzieren, sowie etwas Futter. So können sich Hunde an den Geruch erinnern und zurückkehren.

Futterstellen, Wildtierkamera und Lebendfallen

Kommt es zu einer Sichtung, werden in der Umgebung Futterstellen eingerichtet. Diese locken die Tiere an und sorgen dafür, dass sie einen Ruhe-Ort haben, an dem sie immer wieder zurückkehren.

Als nächstes kommt es zum sogenannten Sand-Test. Dabei wird Sand an der Futterstelle ausgekippt. Durch die Pfoten-Spuren wird dann deutlich, ob das vermisste Tier sich in die Futterstelle begeben hat. Ist dies der Fall, kommt die Wildtierkamera zum Einsatz. Die Aufnahmen werden schließlich ausgewertet. Wenn der entlaufene Hund zu sehen ist, wird eine Lebendfalle aufgestellt. „Man kann eine solche aber nicht überall aufstellen, Genehmigungen müssen vorher eingeholt werden“, sagt Rüttgers. Die Tiere werden durch Futter in die Fallen gelockt und dann gesichert. Es folgt ein Tierarzt-Besuch.

Touni in der Lebendfalle. Foto: Facebook-Gruppe Hundesuchhilfe Neuss und Umgebung

Was tun wenn ihnen ein Hund zuläuft?

Man sieht: Die Suche nach einem entlaufenen Hund ist gar nicht so einfach. Die Vierbeiner verhielten sich in solchen Extremsituationen oft ganz anders, als man es von ihnen normalerweise gewöhnt sei, so Rüttgers. So kann zum Beispiel der Versuch, ein Tier zu rufen, oder anzulocken, genau das Gegenteil bewirken. Beispielsweise könnte man die Tiere verängstigen und verscheuchen. Deswegen rät sie, keine Einfang-Versuche zu unternehmen. „Stattdessen sollte man Sichtungen einfach schnellstmöglich melden“, sagt Rüttgers.

Prävention ist alles

Weiteres großes Problem ist oft, Halter entlaufener Tiere zu finden. Denn nicht immer sind die Tiere durch einen implantierten Microchip oder eine Tätowierung gekennzeichnet. In der Schweiz ist das anders. Dort werden Halterdaten direkt nach Implantieren des Chips vom Tierarzt an die Registrierstelle weitergeleitet. Mithilfe eines Chip-Lesegerätes kann man die Daten des Transponders auslesen und das Tier identifizieren.

Das Video zeigt, wie der Chip funktioniert:

Eine Möglichkeit, sein Haustier schnell wiederzufinden, böten laut Rüttgers sogenannte GPS-Tracker. Diese zeigen den aktuellen Standort des Tieres und machten das Finden einfacher. Mit so einem Tracker wäre wohl auch die kleine Touni schneller gefunden worden. Aber jetzt lebt sie ja wieder in einem schönen und warmen Zuhause.

Welcher Hund in Dortmund weiterhin vermisst wird und weitere Infos zur Facebook-Gruppe findet ihr hier.