Bild: Bianca Schwingenheuer/dortmund24

Schwule und Lesben halten ihre Homosexualität in der Öffentlichkeit oftmals geheim. Zu groß ist die Angst vor Ausgrenzung nach einem Coming Out. Manchmal wissen nur die Familie und die engsten Freunde Bescheid.

Miriam war mutig und hat genau das Gegenteil getan: Sie hat sich auf die Katharinentreppe vor dem Dortmunder Hauptbahnhof gestellt und sich öffentlich geoutet.

Auf dem großen Schild in ihrer Hand stand: „Ich habe eine Frau! Habt ihr Fragen?“ Das ist passiert:

Homosexuelle haben es in der Öffentlichkeit oft nicht leicht. Foto: Michael Reichel
Homosexuelle haben es in der Öffentlichkeit oft nicht leicht. Foto: Michael Reichel

Reporterin Lisa von den Nordstadtbloggern hat Miriams Experiment begleitet und den Passanten Fragen gestellt.

Einige Passanten hegen Vorurteile gegenüber Lesben

Was auffiel: Viele der Vorbeilaufenden hatten gar nicht sofort bemerkt, dass Miriam sich gerade öffentlich in der Dortmunder Innenstadt outet. „Miriam passt nicht ins Klischees. Keine kurzen Haare, keine ausgefallene Kleidung. Da wird ihre Homosexualität nicht direkt erkannt“, so Reporterin Lisa.

Die Passanten reagieren bei der Nachfrage unterschiedlich auf Miriams Coming Out: Ein Passant findet die Aktion „speziell“ und dass das „in der jetzigen Zeit keinen mehr interessiert“.

Ein Mann fragt in einem Witz verpackt: „Sehen die alle so aus wie ihr?“ – und spielt damit auf gängige Vorurteile über das Aussehen lesbischer Frauen an.

Bibelanhänger wahren Abstand zu Miriam

Die zwei jungen Männer, die ebenso an der Katharinentreppe stehen und versuchen, die Menschen für Jesus und ihre Auslegung der Bibel zu begeistern, wollen laut Reporterin Lisa nicht, dass sich Miriam in ihrer Nähe aufhält. Sie baten um Abstand.

Wie unterschiedlich die Leute auch reagieren, Miriams und Lisas Ziel ist erreicht: Sie wollten mit der Aktion zum Nachdenken anregen und Sichtbarkeit für Homosexualität schaffen.

Aktuelle Top-Themen:

Denn nach wie vor seien lesbische Mädchen und ihre Themen auf YouTube, aber auch in der Öffentlichkeit unterrepräsentiert. Aus diesem Grund haben die Nordstadtblogger gleich ein Video für YouTube gedreht.

Kommentar: „Keinen interessiert’s“

Ein Kommentar unter dem Video lautet: „Das ist wie wenn ich mit einem Schild „mein Lieblingsessen ist Lasagne“ in der Innenstadt stehen würde. Keinen interessiert es. Alle sind nur verwirrt. Peinlich. Man muss die Homophobie ja nicht herausfordern.“

Ein anderer: „Mich würde es einmal interessieren, dieselbe Aktion in einer eher ländlichen Kleinstadt zu machen, wie wären da die Reaktionen?“

Auch ein Schwuler hat sich bereits öffentlich geoutet

Die Nordstadtblogger haben das gleiche Experiment bereits mit einem Schwulen gemacht, der sich in der Öffentlichkeit geoutet hat. Das Video gibt es hier.

Auf diesem Link gibt es weitere Infos zu Miriams Coming Out in der Öffentlichkeit.