Bild: Nadja Lucas/Dortmund24

Aufatmen bei den Hannibal-Mietern: Sie können auch nach Mittwoch (31. Januar) in ihre Wohnungen. Zwar wöchentlich nur zweimal für 30 Minuten – das allerdings rechtlich geschützt. Der Mieterverein Dortmund erwirkte am Dienstag (30. Januar) eine einstweilige Verfügung gegen Vermieter Intown.

Die Zeit war knapp, die Verwirrung groß. Bereits zum Mittwoch (31. Januar) wollte Intown den Hannibal stilllegen. Das heißt kein Strom, keine Heizung, kein fließendes Wasser mehr. Bis zum 15. Februar sollten die Mieter endgültig ausziehen. Diese Vorgabe hat das Amtsgericht Dortmund jetzt gekippt.

In einem Eilverfahren hat der Mieterverein Dortmund erwirkt, dass die Mieter auch nach Ablauf der Frist vom 15. Februar weiterhin in ihre Wohnungen können und zwar zweimal wöchentlich 30 Minuten.

Eine Stunde statt 72 Stunden pro Woche

Bisher konnten die Mieter von Montag bis Samstag zwischen 8 und 20 Uhr in ihre Wohnungen. Der Antrag für diese langen Öffnungszeiten wurde abgelehnt. Der Mieterverein schreibt dazu in einer Pressemitteilung: „Dass diesem Antrag nicht gefolgt wird, hatten wir erwartet, da eine Mietpartei nicht ein Zugangsrecht für ein so großes ‚Zeitfenster’ beanspruchen kann und deshalb einen Hilfsantrag gestellt, der den konkreten Interessen der klagenden Familie entspricht, für die ein zweimaliger Zugang ausreichend ist.“

Die Entscheidung ist vorläufig. Denn Intown wurde noch nicht angehört. Das Unternehmen hat deshalb Einspruchsrecht. Geschieht das, wird kurzfristig ein Gerichtstermin angesetzt.

Hannibal-Mieter haben keine Ausweichmöglichkeit

Das Problem ist, dass viele Mieter noch immer einen Großteil ihres Hausstandes im Hannibal haben. Manche Mieter wohnen bei Freunden und Familie. Dort ist kein Platz für den gesamten Hausrat.

Neben dem Streit um den Zugang zum Hannibal steht Intown noch in einem zweiten Gerichtsverfahren. Das Unternehmen verklagt die Stadt Dortmund, die das Haus am 21. September 2017 wegen Brandgefahr hat räumen lassen. Intown ist der Meinung, dass die Sicherheitsauflagen erfüllt sind.

Sanierung, Verkauf oder Ruine: Niemand weiß, wie es weitergeht

Wie es jetzt mit dem Hannibal weitergeht ist ungewiss. In der vergangenen Woche sagte der Mieterverein gegenüber Dortmund24, dass drei Szenarien denkbar seien. Intown könnte den Hannibal sanieren, wie er das mehrfach angekündigt hat. Jedoch wird er damit – wenn überhaupt – erst beginnen, wenn das Gerichtsverfahren, das Intown wegen der Räumung gegen die Stadt Dortmund führt, abgeschlossen ist. Das könnte laut dem Mieterverein etwa vier Jahre dauern.

Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins Dortmund sagte daher: “Wir steuern auf eine Hannibal-Ruine zu.” Sollte die Lage verfahren bleiben, stehen 412 Wohnungen dauerhaft leer. Wohnungen, die in Dortmund dringend benötigt werden. Deshalb ist auch ein Verkauf der Immobilie denkbar. “Die Frage ist aber, wie viel Geld Intown fordert und ob sich ein Käufer findet”, so Tobias Scholz, Sprecher des Mietervereins.

Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mieterverein Dortmund. Hier spricht er bei einer Demo der Bewohner des Hannibals II. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Möglich wäre laut Stücker ebenso, dass Lütticher 49 Properties GmbH, eine Tochter von Intown und zuständig für die Immobilien im Ruhrgebiet, in die Insolvenz geht. Der Hannibal würde in diesem Fall zwangsversteigert werden. Dann sind ähnliche Optionen offen wie beim Verkauf.