Sonntag, 23. September 2018

In Dortmund gibt es immer mehr Obdachlose. Waren im August 2017 noch 320 Menschen wohnungslos gemeldet, sind es aktuell schon 546. Das ist eine Steigerung um 70 Prozent in nur einem Jahr.

Wer frühmorgens oder spätabends durch die Innenstadt läuft, sieht immer wieder Menschen in Schlafsäcken auf Bänken und vor Geschäftseingängen liegen. In letzter Zeit schienen es immer mehr zu werden. Nur eine Täuschung wegen der warmen Temperaturen? Offensichtlich nicht, denn die Zahlen zeichnen ein eindeutiges Bild.

Laut den Angaben der Stadt Dortmund ist die Zahl der gemeldeten Wohnungslosen seit August 2017 um 70 Prozent gestiegen – von 320 auf 546 Menschen. Und es werden immer mehr. Vor drei Jahren waren es noch viel weniger, nämlich 122 Obdachlose.

Ein Grund ist der angespannte Wohnungsmarkt

Die Gründe für die Steigerung sind laut Anke Widow, Pressesprecherin der Stadt Dortmund, vielseitig. Sie liegen oftmals in der „persönlichen Situation der betroffenen Menschen und/oder dem zunehmend angespannten Wohnungsmarkt begründet“, so Widow auf Anfrage von Dortmund24.

Die Menschen würden jedoch nicht „von heute auf morgen“ obdachlos werden. Das sei ein langer Prozess: Erst zahlen sie ihre Miete nicht mehr, dann kommen die Kündigungs- und und die Räumungsklage.

Sobald das Sozialamt von einem Fall erfährt, setzt das sogenannte Hilfesystem zur Vermeidung von Obdachlosigkeit ein. „Prävention steht dabei ganz oben“, erklärt Stadtsprecherin Widow. „Es muss in Dortmund niemand obdachlos werden.“

NRW-weit das Gegenteil: weniger Obdachlose

Laut der Stadtsprecherin müsse man die Zahlen auch in Relation zu den mittlerweile 600.000 Einwohnern in Dortmund sehen. Doch Fakt ist, dass die Obdachlosen in Dortmund mehr werden, während es NRW-weit weniger werden. Im gesamten Bundesland betreut die Wohnungslosenhilfe aktuell nämlich weniger Menschen als 2017. Das hatte die Bild-Zeitung berichtet.

Demnach sind zwar auch die Zahlen in der Obdachlosen-Statistik von ganz NRW um 29 Prozent gestiegen. Das ist laut Bild jedoch ausschließlich darauf zurückzuführen, dass anerkannte Asylbewerber neu in die Statistik eingegangen sind. Die sind jedoch gar nicht obdachlos geworden, sondern dürfen nach ihrer Anerkennung weiter in der Asylunterkunft wohnen.

In Dortmund verbirgt sich kein solcher Mechanismus hinter der Zunahme der Obdachlosen-Zahlen. Laut der Stadt Dortmund sind anerkannte Asylbewerber bisher nicht Bestandteil der Wohnungslosen-Statistik. Die Zunahme um 70 Prozent in einem Jahr spiegelt in Dortmund also wirklich die Realität der Straße wider.

Nach Kritik von verschiedenen Seiten hatte die Stadt bereits im Mai diesen Jahres neue Maßnahmen für Obdachlose angekündigt. Unter anderem schafft sie mehr Schlafmöglichkeiten und fördert das Gast-Haus an der Rheinischen Straße.

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