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An immer mehr Tankstellen in NRW hängen Zettel über den Zapfsäulen. „Diesel ist leer“ steht zum Beispiel darauf. Der Grund: Die Dürre, die 2018 in Deutschland herrscht. Der Wasserpegel von Flüssen und Seen ist deshalb so niedrig, dass Tanker nicht mehr ihr volle Ladung transportieren können.

Talsperre für Ruhr: Niedrigstand wie zuletzt in den 70er Jahren

Vor allem der Rheinpegel ist auf einen rekordverdächtigen Tiefstand gesunken. Bei der Ruhr sieht es (noch) gut aus. Aber dafür sorgen nur die vielen Talsperren, wie etwa die Möhnetalsperre im Sauerland. Und auch diese gleichen inzwischen mehr einer Pfütze, als einem See.

„Wenn es die Talsperren nicht gäbe, wäre die Ruhr seit Juli trocken“, sagt Britta Balt, Sprecherin des Ruhrverbandes. Da die Ruhr 4,6 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt, muss ihr Pegel künstlich aufrecht erhalten werden. Momentan ist allerdings extrem viel Wasser nötig, um die Ruhr am fließen zu halten.

So sieht es im Moment an der Bigge aus: Spaziergänger gehen durch das Flussbett der Bigge, welche durch die Trockenheit freigelegt sind. Doch das ist gar nicht so ungefährlich, weil man leicht einsinken kann. Foto: Caroline Seidel/dpa

„Zur Zeit lassen wir das 15-fache von dem, was in die Talsperre hinein fließt, raus in die Ruhr“, berichtet Balt. Das führe dazu, dass in den Talsperren ein Niedrigstand herrscht wie zuletzt in den 70er Jahren.

Nur deshalb geht es den Schiffahrtswegen im Ruhrgebiet deutlich besser als beispielsweise dem Rhein. „Dank der signifikanten Menge Wasser, die wir da herauslassen, ist der Wasserstand nicht in der Nähe eines historischen Tiefstandes.“

Schiffe können nicht mehr genug Benzin und Diesel laden

Die Schiffahrt wird durch die Wasserstände stark beeinflusst, vor allem auf dem Rhein. Dieser ist an manchen Stellen auf einen Rekordtiefstand gefallen. Schiffe dürfen dort nicht mehr voll beladen werden. Ansonsten sinkt das Schiff unter dem Gewicht zu tief herab und droht, auf Grund zu laufen.

Dadurch kommt es bereits zu Lieferengpässen, vor allem bei Diesel und Benzin. Zu Beginn der Woche konnten bereits Tankstellen in Essen nicht mehr ausreichend versorgt werden, berichtet Alexander von Gersdorff von dem Mineralölwirtschaftsverband. „Es erreicht nicht die ausreichende Menge an Benzin und Diesel die Tanklager“, berichtet er. „Uns solange sich am Rheinniedrigwasser nichts ändert, kann keine Entwarnung gegeben werden“.

„Das ist nicht normal“

Auch das Wasserstraßen- und Schiffahrtsamt Duisburg-Meiderich hat mit der Dürre zu kämpfen. „Das ist nicht normal“, findet Robert Weisenburger, Sprecher des Schiffahrtsamtes. Viele seiner Kollegen sagen ihm, sie haben so etwas noch nie erlebt.

Das Schiffahrtsamt in Duisburg ist neben der Ruhr für den Wesel-Dattel-Kanal, den Rhein-Herne-Kanal und den Dortmund-Ems-Kanal zuständig. Wie auf der Ruhr herrscht hier kein Niedrigwasser, weil der Wasserstand künstlich aufrecht erhalten wird. Das heißt allerdings nicht, dass die Auswirkungen der Dürre hier nicht spürbar sind.

Für den Dortmund-Ems-Kanal zum Beispel bezieht das Schiffahrtsamt eigentlich das Wasser aus der Lippe. „Wenn die nicht viel trägt, nehmen wir das aus der Ruhr, und wenn das auch nicht reicht, das aus dem Rhein“, so Weisenburger. Momentan müsse man tatsächlich auf Rheinwasser zurückgreifen.

Gerade der Rhein leidet allerdings unter dem extremen Niedrigwasser. Deshalb stellt Weisenburger klar: Das Wasser, dass entnommen wird, leitet man natürlich auch wieder ein. „Das tut dem Rhein jetzt nicht weh“, beschwichtigt er.

Kommt der Regen?

Für die Ruhr kann Britta Balt vom Ruhrverband aber wenigstens etwas Entwarnung geben – obwohl die Talsperren stetig Wasser verlieren.

„Wir haben immernoch einen Füllstand von über 50 Prozent in den Talsperren. Damit kommen wir gut in den Winter“. Sie zeigt sich zuverlässig: „Wir gehen davon aus, dass es irgendwann mal wieder anfängt zu regnen.“

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Gute Nachrichten für die Schiffahrer und schlechte für alle Sonnenanbeter gibt es aber. Ab Montag soll es anfangen, wieder zu regnen. Vielleicht ist ja ein Ende der Dürre in Sicht.