Samstag, 22. September 2018

Dortmund ist eine sich ständig wandelnde Stadt. Mit ihr verändert sich nicht nur die Umgebung, sondern auch die Sprache. Im neuen Buch „Dortmund – Sprachliche Vielfalt in der Stadt“ geht es um genau diesen Sprachwandel. Was ist typisch Dortmunder Slang? Wat is mit Ruhrpottdeutsch? 

Diesen Fragen widmeten sich die Herausgeber Markus Denkler, Dietrich Hartmann und Heinz H. Menge gemeinsam mit elf weiteren Autoren auf 339 Seiten. Vor drei Jahren ist die Idee entstanden, die sprachliche Vielfalt in Dortmund in einem Band zusammenzufassen. Dabei haben sie auch auf Forschungen und Ergebnisse der vergangenen Jahre zurückgegriffen.

Hümelken, pöhlen und Pusemuckel

Es gibt einige Redensarten, die typisch dortmunderisch sind. Der Begriff „pöhlen“ ist ein schönes Beispiel: „In jede Pause sind die am pöhlen“ – gemeint ist Fußball spielen. Der „Pöhler“-Begriff wurde darüber hinaus lange vom ehemaligen BVB-Trainer Jürgen Klopp geprägt, der mit einer Cappy mit der Aufschrift „Pöhler“ an der Seitenlinie stand. Ein weiteres Beispiel für den Dortmunder Dialekt ist der Begriff „Hümmelken“. Hümmelken ist ein kleines Küchenmesser mit glattgeschliffener Klinge fürs Kartoffelschälen. Auch die häufig verwendete Ortsangabe Pusemuckel wird häufig im Dortmunder Raum verwendet: „Der wohnt doch in Pusemuckel“. Pusemuckel bezeichnet einen Ort, der überall liegen kann, meist aber abgelegen und schlecht zu erreichen ist.

Das neue Buch „Dortmund – Sprachliche Vielfalt in der Stadt“ kostet 45 Euro. Foto: Kevin Mattes/Dortmund24

willse, kannse, hasse – Ruhrgebietler verstecken Dialekt

Besonders typisch für den Ruhrpott sind Wortzusammenführungen. Aus willst du, kannst du oder hast du wird „willse“, „kannse“ oder „hasse“. Beliebt sind auch „wat“ oder „dat“ Konstruktionen: „Dat is am rechnen“, „wat weiß ich?“.

Die gute alte Ruhrpottsprache hört man im Stadtleben aber immer seltener. Aber woran liegt das? Mitautor Hermann Josef Bausch macht eine Stigmatisierung im ganzen Ruhrgebiet dafür verantwortlich: „Die Menschen versuchen ihre sprachliche Herkunft zu verstecken und „korrekt“ zu sprechen, da sie Angst haben, belächelt zu werden. Dem Ruhrgebiet fehlt es an Selbstbewusstsein. Städte wie München oder Hamburg stehen zu ihrem Dialekt.“

Passt zur Zeit

Kulturdezernent Jörg Stüdemann freut sich über das neue Werk: „Das Buch ist leicht lesbar und gut verständlich. Es passt zu unserer Zeit, denn Sprache macht das zentrale Moment aus.“ In Dortmund – Sprachliche Vielfalt in der Stadt geht es vor allem um die sprachlichen Traditionen und die Kernfrage, wie wir eigentlich kommunizieren. Stüdemann hebt außerdem hervor, dass „die Einwanderungsgesellschaft mit einbezogen wurde“ und so ein Bezug zu vielen Alltagsproblemen hergestellt werden kann. Viele Menschen, die erst seit kurzem in Deutschland leben, scheitern immer wieder an der so genannten „Beamtensprache“. Aber nicht nur sie, sondern auch Deutsche, die ihr ganzes Leben hier verbracht haben, bekommen mit der Beamtensprache Probleme.

Buch beinhaltet vier Themenfelder

Die Autoren haben sich bei ihrem Werk auf vier wesentliche Themenfelder konzentriert. Die Beschreibung regionaler Sprachmerkmale, die Sprachverwendung in der städtischen Erinnerungskultur, die domänenspezifische Sprachverwendung und Kommunikation und Mehrsprachigkeit. Denn in Dortmund wird nicht nur Deutsch gesprochen, sondern auch viel Russisch, Polnisch, Türkisch und Arabisch.

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