Pfandtasche statt Pfandflasche: Dortmunder Forscher des Fraunhofer Instituts wollen das, was viele Deutsche schon mit ihren Flaschen machen auf Einkaufstaschen in Geschäften übertragen. Der Startschuss für das Projekt fiel in dieser Woche im Bochumer Einkaufszentrum „Ruhrpark“. Doch Dortmunder Händler sind bald auch dabei.

Fast jeder Dortmunder hat einen Jutebeutel im Haus – aber wenn’s drauf ankommt, liegt er oft zu Hause in der Schublade und ist nicht beim Einkauf dabei. Am Ende greifen viele dann zur Plastiktüte. Dieses Problem haben Forscher des Fraunhofer Instituts in Dortmund erkannt. Jetzt wollen sie mit einem Pfandsystem für Tragetaschen für eine bessere Umwelt kämpfen.

So sieht eines von drei Modellen von Pfandtaschen des Fraunhofer Instituts aus. Foto: Fraunhofer Institut

Für den Start des Projekts arbeiten die Dortmunder Wissenschaftler mit dem Schuhhaus Böhmer zusammen. Das Geschäft bringt seine Ware im Bochumer Einkaufszentrum „Ruhrpark“ an den Mann. Seit dem 11. Januar gibt es dort nun Pfandtaschen an der Kasse. Schon bald soll die Testphase auf weitere Geschäfte in und rund um Dortmund getestet werden.

Denn so sehr die Deutschen auf ihren guten, alten Jutebeutel setzen: Noch immer verbraucht der deutsche Konsument laut Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung 45 Einkaufstaschen aus Plastik pro Jahr. Hinzu kommen Taschen aus Papier, Baumwolle und anderen Materialien. Einweg-Taschen aus Kunststoff oder Papier sind ökologisch nicht optimal. Aber auch Taschen aus Baumwolle sind nur dann eine umweltfreundliche Alternative, wenn sie sehr häufig wiederverwendet werden.

Viele Kunden vergessen häufig ihre Taschen

Oftmals vergisst der Kunde die Taschen jedoch beim Einkauf. „Unsere Umfragen haben ergeben, dass bis zu 25 Prozent der Kunden im Supermarkt und bis zu 78 Prozent der Kunden in Einkaufszentren regelmäßig eine Tasche vergessen. Mehrfach nutzbare Taschen werden daher nicht häufig genug eingesetzt, um wirklich ökologisch vorteilhaft zu sein“, berichtet Christiane Auffermann, Leiterin des Projekts.

Im Schuhhaus Böhmer in Bochum startet das Projekt der Dortmunder Wissenschaftler. Geleitet wird es von Christiane Auffermann (Mitte) vom Fraunhofer Institut in Dortmund. Foto: Fraunhofer Institut

Das System mit den Pfandtaschen funktioniert übrigens so: Wie bisher kann der Kunde die Taschen im Laden kaufen. Für diese zahlt er zusätzlich zum Kaufpreis noch einen Pfand. Benötigt er die Tasche nicht mehr, ist sie dreckig oder abgenutzt, kann der Kunde sie zurückgeben. Die zurückgegebenen Taschen werden sortiert, gereinigt und wieder an den Handel zurückgeführt. So lassen sich laut Forscher des Fraunhofer Instituts deutlich mehr als 30 Nutzungszyklen realisieren. So viele seien mindestens notwendig, um ökologisch vorteilhaft zu sein.

„Das System ist vorteilhaft für die Umwelt und bietet dem Kunden einen Zusatznutzen, denn er kann eine ökologisch vorteilhafte Tasche immer dann nutzen, wenn er sie braucht – ohne vorher lang zu planen – sogar, wenn er seine Tasche vergessen hat. Darum haben wir uns entschlossen, gemeinsam mit dem Fraunhofer IML in die Testphase zu gehen“, berichtet Heinz-Werner Döring, Prokurist der Schuhhaus Klauser GmbH und Co. KG mit Sitz in Wuppertal, zu der das Schuhhaus Böhmer in Bochum gehört.

Die sechsmonatige Pilotphase dient nun dazu, Erkenntnisse im Hinblick auf die Rücklaufquote und Umlaufgeschwindigkeit der Taschen zu erlangen sowie die Wirtschaftlichkeit des Systems besser beurteilen zu können.

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