Katharina Müller und Tim Dieck sind DAS Dortmunder Eistanzpaar. Gemeinsam wollen sie es schaffen, bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang in Südkorea auf dem Eis zu tanzen. Dortmund24 hat mit den jungen Sportlern über ihre Karriere gesprochen.

Dortmund – Zwei Trainigseinheiten stehen pro Tag für Katharina Müller und ihrem Eistanz-Partner Tim Dieck auf dem Programm. Die erste Einheit endet um 13.30 Uhr, ab 15 Uhr geht es dann wieder aufs Eis. In der Zwischenzeit haben die beiden ein wenig Zeit, um sich etwas Ruhe zu gönnen. Zu meinem Glück stimmen die zwei Eistänzer heute zu, sich in ihrer Pause zu einem persönlichen Gespräch mit mir zu treffen.

Schicksal führte das Eistanzpaar zusammen

Müller und Dieck tanzen nun seit zwei Jahren zusammen in Dortmund. Vorher hatten beide andere Partner, doch wie das Schicksal es wollte, hat es die jungen Menschen 2014 in Dortmund zusammengeführt. Sichtlich glücklich darüber erzählt Katharina: „Bei uns war es so, dass nicht wir uns von unseren damaligen Tanzpartnern getrennt haben, sondern umgekehrt. Tims ehemalige Partnerin sowie mein Ex-Tanzpartner wollten beide mit dem Sport aufhören, weil die Motivation und die Zeit dafür gefehlt hat.“

Eistanz-Paar Müller/Dieck
Müller und Dieck beim Training im Dortmunder Eissportzentrum. Foto: Lisa Krispin/Dortmund24

Ich erfahre, dass es im Eistanz eine Art Partnerbörse gibt, also eine Plattform, über die man sich als Eiskunstsportler einen neuen Partner oder eine neue Partnerin suchen kann. Das haben auch Tim und Katharina versucht – erfolglos. „Zum Glück“, erklärt Tim und sagt weiter „wir sind dann über unseren Trainer Vitali Schulz zusammengekommen. Er kannte Katharina von früher, weil sie hier schon einmal trainiert hat. Er hat ein Probetraining arrangiert und so wurden wir ein Tanzpaar.“

Das war 2014. Damals lebte Katharina noch in Berlin, die gebürtig aus Russland kommt. Mit 13 ist sie von Halle in Westfalen nach Berlin gezogen, um auf ein Eislauf-Internat zu gehen. „Das erste Jahr bin ich dann immer noch zwischen Berlin und Dortmund gependelt, weil ich in Berlin erst die Schule zu Ende machen wollte“, sagt die 21-Jährige.

Und auch jetzt ist sie immer noch nicht ganz in Dortmund angekommen – zumindest ihren Wohnort betreffend. „Im Moment wohne ich noch bei meinen Eltern in Gütersloh. Ich genieße das, es ist schön Zuhause zu sein. Aber langsam möchte ich auch meine eigene Wohnung beziehen. Der Mietvertrag ist schon unterschrieben und Anfang 2017 ziehe ich dann endlich nach Dortmund“, freut sich Katharina.

Zwei Menschen mit denselben Zielen

Schon nach wenigen Minuten unseres Gespräches merke ich, diese zwei Menschen verstehen sich. Ich frage, was die beiden aneinander schätzten. Wie aus der Pistole antwortet Tim: „Ich schätze an Katharina vor allem ihren Ehrgeiz. Außerdem hat sie dieselben Ziele wie ich, das macht das Arbeiten mit ihr sehr leicht und angenehm. Und wenn ich manchmal zu ehrgeizig bin, holt sie mich wieder runter. In gewisser Weise gibt sie mir eine innere Ruhe, das ergänzt sich einfach super bei uns.“

Und auch Katharina weiß, was sie an Tim als ihren Partner auf dem Eis hat: „Tim gibt mir unheimlich viel Energie, wenn ich mal nicht motiviert bin. Wir pushen uns gegenseitig und können immer offen miteinander sprechen. Außerdem ist er tänzerisch sehr begabt und achtet auch auf seinen Ausdruck beim Tanzen. Und dass wir absolut dieselben Zielvorstellungen haben, macht das Ganze perfekt“.

Traum von Olympia 2018

Wie diese Ziele lauten, ist ganz klar: die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea. Bis dahin gibt es natürlich noch einige Wettkämpfe zu bestreiten. Am kommenden Wochenende (16./17. Dezember) findet in Berlin die Deutsche Meisterschaft im Eiskunstlaufen statt. Im letzten Jahr haben Katharina und Tim hier den zweiten Platz belegt. Dieses Ergebnis reicht den beiden dieses Jahr nicht. „Dieses Jahr ist es so, dass nur die Deutschen Meister zur EM und WM im nächsten Jahr fahren dürfen. Deshalb möchten wir natürlich unbedingt den ersten Platz erreichen und ich denke, unsere Chancen stehen auch ganz gut“, verrät Katharina grinsend.

Um erfolgreich zu sein, investiert das Eistanzpaar viel Kraft und Energie und auch eine Menge Zeit. Täglich trainieren sie zweimal auf dem Eis und absolvieren zusätzlich eine Trainingsstunde, in der sie dann unter anderem ihre Kondition trainieren. Zusätzlich haben Katharina und Tim im Sommer auch einige Wochen in den USA trainiert. „Es ist wichtig, auch im Ausland zu trainieren. Und in den USA sind sehr angesehene Trainer, wie unsere Trainerin Marina Zueva. Es ist eine absolute Ehre von jemandem wie ihr trainiert zu werden“, erklärt Tim. „Allerdings“, wirft Katharina ein, „ist das Training in den USA natürlich mit enormen Kosten verbunden. Unsere Fördermittel haben wir im Sommer mit den Reisen nach Amerika völlig aufgebraucht. Und im Januar steht schon der nächste Trip dorthin an. Wir müssen die Flüge bezahlen sowie die Unterkunft. Und eine Privatstunde bei einem der Trainer kostet gerne mal 150 Dollar.“

Müller/Dieck sind auf Unterstützung angewisen

Zwar werden die beiden von ihrem Verband und ihren Eltern finanziell unterstützt, trotzdem fehlt das Geld an allen Ecken und Enden. Deshalb sind Katharina und Tim dringend auf Unterstützung durch Sponsoren angewiesen. Tim, der mit seinen 20 Jahren ein Jahr jünger ist, als seine Tanzpartnerin, erklärt: „Wir haben bereits verschiedene Anfragen und Anträge auf Unterstützung durch Sponsoren gestellt. Jetzt müssen wir warten, ob etwas daraus wird. Bei uns ist es wirklich so, dass uns jede kleine Unterstützung weiterbringt, in dem, was wir tun.“

Man kann nur hoffen, dass die Unterstützung von außen weiter zunimmt. In den zwei Jahren, in denen die beiden zusammen tanzen haben Katharina und Tim bereits einige Titel abstauben können und man merkt ganz deutlich, dass das den beiden jungen Eis-Sportlern nicht reicht. „Wir sind Deutscher Juniorenmeister 2015 geworden und in diesem Jahr haben wir die NRW Trophy gewonnen. Bei zwei weiteren internationalen Wettkämpfen konnten wir den zweiten Platz erreichen. Es läuft also gut. Und wenn wir es schaffen, bei der Olympia 2018 zu laufen, möchten wir natürlich auch 4 Jahre später wieder dabei sein. Das steht für uns beide fest. Was danach kommt, wird sich dann zeigen“, so Katharina.

Studium als „Plan B“

So ganz nebenbei studieren die zwei Sporttalente auch noch. Katharina befindet sich mitten im Lehramtsstudium Anglistik und Sportwissenschaften und auch Tim studiert seit diesem Wintersemester Sportwissenschaften an der Ruhr-Universität in Bochum. Auch wenn den beiden kaum Zeit zum Studieren bleibt, ist es ihnen wichtig, „einen Plan B“ in der Tasche zu haben, erklärt Katharina.

Wir drücken den beiden die Daumen, dass sie auf diesen Plan B in nicht allzu naher Zukunft zurückgreifen müssen. Sondern, dass sie ihren Traum weiterhin noch lange verfolgen und leben können.

Wenn ihr noch mehr über Katharina Müller und Tim Dieck erfahren möchtet, könnt ihr das über ihre Facebook-Fanseite tun. Weitere Infos zur Unterstützung der beiden findet ihr hier und hier.

Anzeige